Es gibt verschiedene und verschieden angenehme Weisen, nach Paris zu kommen und vor allem: in Paris anzukommen. Das Auto ist nur Hardcore-Masochist_innen zu empfehlen, gar nicht unbedingt wegen der furchtbaren Fahrweise, die angeblich in Frankreich gepflegt werde – dem ist nämlich gar nicht so, man fährt hier pfleglich, aber eben den jeweils eigenen Schuh, und gibt auf die Schuhe der anderen acht. Fährt also drauf los und läßt fahren – freie Fahrt, ganz ADAC, für freie Bürger_innen der Grande Nation. Aber ich schweife ab, das wird wohl noch einige Male vorkommen im Durchschweifen meiner Frankreicherfahrungen.
Abzuraten vom Auto ist also vor allem wegen der Périphérique, jener berüchtigten Rundautobahn, die zugleich die Stadtgrenze Paris’ markiert, als ob man möglicherweise nicht heil oder jedenfalls nicht an einem ganzen Pariser Stück sie passieren könnte, und die mit Verkehr meist so beladen ist, das man nur am ganzen Körper zitternd mehr als ein paar Ausfahrten hinter sich bringen kann, so lange man nicht geübte_r Pariser_in ist, die machen das schließlich jeden Tag.
So furchterregend ist die Périphérique, daß vor zehn Jahren, als ich allgelegentlich aus persönlichen Gründen zwischen London und Paris mit dem Bus hin- und herreiste, es einmal geschah, daß der Busfahrer beim Einfahren in die berüchtigte Ringstraße die falsche Richtung nahm. Und offenbar muß der gute Mann so viel Angst vor dem Ab- und Wiederauffahren auf diese Straße gehabt haben, daß er nicht etwa die nächste Möglichkeit nutzte, um umzukehren – der Busbahnhof war, in der anderen Richtung, wirklich nur wenige hundert Meter entfernt gewesen -, sondern stattdessen eine geschlagene Stunde lang gemütlich in der anderen Richtung einmal um Paris herumjuckelte.
Kommt man hingegen, wie wir es aus familiär-geographischen Gründen gelegentlich tun (ja, unsere Ökobilanz ist, seit wir in Paris leben, sowas von im Arsch – aber, nur zum Beispiel, unsere Fenster sind eh nur Einfachverglasung, und unser Strom mit ziemlicher Sicherheit Atomstrom. Wir Schweine) aus Nürnberg mit dem Flugzeug in Paris an, findet man sich am Flughafen Paris-Charles de Gaulle (CDG) wieder; allerdings genau genommen nicht irgendwo auf diesem Flughafen, sondern am Terminal 2G. Das ist gefühlsmäßig gesehen ungefähr so, als wollte man nach Bonn und würde von einem Flugzeug irgendwo noch hinter der Eifel auf einer Kuhweide abgesetzt.
Terminal 2G nämlich ist das hinterste Loch von CDG, der Wurmfortsatz am Dickdarm des Flughafens – natürlich handelt es sich um eine gepflegte, wenn auch stets etwas leer wirkende Halle, doch bedarf es, nur um bis zur Bahnstation vorzudringen, dem allerletzten Halt der an Halten nicht armen RER-Linie B (den man sich als eine Art S-Bahn vorstellen muß, nur ohne Wartungsprobleme), von ihr aus noch einer Busfahrt von zehn Minuten. Und bis in die Stadt ist man insgesamt länger unterwegs, als man vorher im Flugzeug saß. Aber das sind Petitessen, das ist auf allen großen Flughäfen großer Städte vermutlich so.
Richtig unangenehm wird es, wenn man Paris von CDG aus in Richtung Nürnberg verlassen will. Dafür wollte man beim Bau des Flughafens wohl nicht einmal Verständnis heucheln. Denn nach einer Dreiviertelstunde bis Stunde Fahrt mit der RER (falls nicht gerade wieder gestreikt wurde, was gefühlt mindestens zweimal im Monat der Fall ist) muß man sich dann erstmal mit Koffern und Kindern mehrere Treppen aufwärts bewegen, der Aufzug ist gerne einmal außer Betrieb. Dann gelangt man auf einen besseren Treppenabsatz mit Zugang zu einem zugigen Stück Bürgersteig, wo, wenn man der etwas unklaren Beschilderung glauben mag, eine Navette, also ein Pendelbus, Menschen zum Terminal 2G bringen möchte. Vielleicht.
Sicher mag man sich dessen vor allem deshalb nicht sein, weil eine andere Navette nicht nur mit Schildern angekündigt wird, sondern einen eigenen Bildschirm hat, der ihre nächsten Ankunftszeiten anpreist, mit den zu erreichenden Zielen hausieren geht etc. Dort, wo vielleicht noch Platz für einen zweiten Bildschirm für die zweite (unsere!) Navette wäre, glimmt ein rotes Lämpchen an einem ansonsten nicht funktionsfähigen Gerät, das vielleicht früher einmal in zwei rohen digitalen Ziffern die Zahl der Minuten bis zur nächsten Abfahrt eines Busses anzeigte.
Aber dennoch, der Bus kommt dann wirklich. Weil sich aber die Flughafenplaner_innen nicht für Menschen interessierten, die hier vielleicht einsteigen möchten, hält der Bus rechts neben dem Stück Bürgersteig, was dazu führt, daß sämtliche Fahrgäste auf die Straße und um den Bus herumgehen müssen, um einsteigen zu können. Was, ganz nebenbei, natürlich auch sehr barrierefrei ist. Not.
Aber wenigstens ist man danach wirklich, wirklich froh, aus Paris weg zu sein. Wie sagte es doch der zu Recht unsterbliche Douglas Adams:
It is no coincidence that in no known language of the galaxy does there exist the expression ‘as beautiful as an airport’.
(Erwähnte ich, daß Paris-Orly von uns bequeme zwanzig Minuten mit dem Bus entfernt ist? Praktisch kleiner Flughafen.)