Vor langer, langer Zeit, als die Liebste und ich noch gar nicht gemeinsam Weihnachten feierten, nicht aus Mangel an Liebe sondern an Zuwachs (aus irgendeinem Grund haben wir uns erst mit eigenem Kind entschlossen, nicht mehr mit unseren Eltern zusammen Weihnachten zu feiern. Es war sicher nicht Mitleid, dieser Grund), besuchten wir die Vereinigten Staaten von Amerika. Eine Tante von mir hat sich dort mit ihrem Mann einen veritablen Altersruhesitz in einem kleinen Ort erbaut, der im Jahr unseres Besuches – es war schon Herbst – allerdings gerade von einer heftigen Flut betroffen war, weil der angrenzende Fluß, schon in seinem Normalzustand nicht eben ein Minimalgewässer, weit über die Ufer getreten war. Das Haus steht fast direkt am Ufer auf einer Anhöhe, das macht seinen Reiz aus, aber der Keller und sein Inhalt waren trotzdem hinüber, und auch im Erdgeschoß gab es einiges zu putzen.
Der kleine Ort hat, wie es sich für amerikanische Dörfer gehört, eine Historical Society, und auch wenn für europäische Augen und Ohren die dort verhandelte Geschichte immer etwas behüstelnswert wirkt, so winkte uns doch etwas ins Haus der Gesellschaft: Ein Basar. Es ist eben nicht so viel los dort auf dem Lande, da nahmen wir diese Abwechslung schon kuriositätenhalber mit.
Es gab allerlei Schnickschnack und abgelegte Dinge zu kaufen, einem amerikansichen Garage Sale nicht unähnlich; und zwischen all dem Tand und Kram auch Weihnachtsdekoration. Sehr amerikanisch war das größtenteils und Plastik, ein lustiges Rentier etwa mit Lichterkette im Geweih. Und diese Sache mit der Gurke müßten wir ja kennen.
(Sehr schnell war klar geworden, woher wir stammen, ist doch meine Tante die einzige deutschstämmige Person in der ganzen näheren Umgebung.)
Müßten wir wieso? Nun, das sei doch eine deutsche Tradition: Eine solche Glitzergewürzgurke werde in den Baum gehängt, vom Tannengrün gut versteckt, und wer sie (vor allem wohl: von den Kindern) als ersteR finde, der oder dem werde ein besonderes Geschenk zuteil.
Leider mußten wir den Damen von der Historical Society gestehen, daß uns, obgleich aus verschiedenen Regionen Deutschlands stammen, ein solcher Brauch beiden unbekannt sei. Aber schön sei die Gurke doch, und wir würden sie gerne mitnehmen und hoffen, daß wir sie an einem Stück über den Atlantik brächten.
Und nun haben wir gerade einen Baum geschmückt, was wir seit einigen Jahren gemeinsam tun; und am Morgen werden die Kinder sich hoffentlich über den Baum freuen und wundern, wir werden deutsche und französische Weihnachtslieder durcheinander hören, Ente essen und vielleicht auch ein bißchen Foie Gras, dann gibt es sicher auch das eine oder andere Geschenk; und mal sehen, wer sie zuerst findet.
Frohe Festtage Euch allen.







