Abteilung für Parallelgesellschaften

 

Wurschtiger Debattenbeitrag

Abt. für Parallelgesellschaften

Was immer ihr über das vom Spiegel lancierte Sommerlochthema des Jahres, die Homöopathie, so denkt, es ist mir im Grunde wurscht. Ich lese auch die ganzen Argumentationen nicht im Detail. Ich habe ein paar Semester Schulmedizin studiert und lange genug im Krankenhaus gearbeitet, um zu wissen, daß oftmals nur ein beherzter Griff in den Medikamentenschrank oder zum Skalpell etwas hilft – und manchmal auch das nicht mehr. Ich habe außerdem gesehen, daß viele Menschen keine Ahnung haben, wie man etwa Antibiotika richtig nimmt (z.B. wirklich konsequent bis zum Ende, weil sie sonst leicht mehr schaden als nützen), und daß viele Ärztinnen und Ärzte viel zu viele Antibiotika wie aus einem antrainierten Reflex heraus verschreiben, auch wenn dies gar nicht nötig wäre. Und hole deshalb gerne zweite Meinungen ein, bevor ich meinen Kindern Antibiotika gebe.

Ich glaube daran, daß Impfschutz eine tolle Sache ist und daß die ganzen Impfgegnerhysteriker_innen sich keine Vorstellung davon machen, wie unser Niveau an Gesundheit so aussähe, wenn sich alle gegen die derzeit so seltenen, aber zum Teil wirklich gefährlichen Krankheiten wie Diphterie und Kinderlähmung nicht impfen ließen.

Und nochmal: Die Diskussion um die Homöopathie ist mir wurscht. Ich glaube nicht daran, daß Globuli und wirkstofffreie Zäpfchen irgendwas bewirken. Wenn sie aber dazu führen, und zwar regelmäßig und reproduzierbar, daß meine Kinder trotz Fieber anschließend ruhig schlafen, was sie, reproduzierbar, sonst mit Fieber meist nicht tun, dann will ich für die Nacht gerne anerkennen, daß ich mich irre, oder vielleicht auch nicht. Auch das ist mir ziemlich wurscht.

Und wenn der Kinderarzt und Homöopath, zu dem wir derzeit immer wieder gehen, der einzige ist, der sich die angebliche Ohrenentzündung meines Kindes so genau ansieht, daß er glaubt, auf Antibiotika vorerst verzichten zu können, falls es nicht schlimmer wird (was dann nicht geschieht), aber sicherheitshalber schon mal welche aufschreibt, falls doch – so lange gehe ich eher dorthin als zur Schulmedizinerin hier um die Ecke.

Mein Beitrag zur Killerspiel-Debatte

Oder: Wollt ihr den totalen Kick?

Abt. für Medien, Parallelgesellschaften

Wollt ihr den totalen Kick?

“Jugendliche hocken wie gebannt vor dem Rechner und finden den ersehnten Kick nur noch in der Scheinwelt auf dem Bildschirm.”

Lokalzeitung in Franken, Anfang Dezember 2006

(Ich könnte mich da jetzt eine Dreiviertelstunde lang drüber aufregen, aber ich denke, Ihr wißt, was ich meine.)

Gnadenloses Verlinkungsverbot

Abt. für Internet & Blogdings, Parallelgesellschaften

Es ist ohne unsere Ausdrückliche schriftliche Zustiemung jedem absolut untersagt diesen Blog zu verlinken.

Bei einer Missachtung dieser Vorschrift werden wir sämtliche zu Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten gnadenlos anwenden.

Eine Verlinkung gegen unseren Willen verletzt unter anderem unser im Grundgesetz verankertes Recht auf Informelle Selbstbestimmung.

Art. 2 Abs. 1 in Verb. mit Art. 1 Abs. 1 (GG) (Persönlichkeitsrecht)
→ Jeder Mensch hat das Recht auf informelle Selbstbestimmung und somit die Befugnis grundsätzlich selbst über Preisgabe, Einsatz bzw. Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen.

Daran halte ich mich gerne. So’n Schmu will ich gar nicht verlinken… und bin gespannt, ob da irgendwann auch Substantielles kommt. (Wohl eher nicht.)

Und es heißt immer noch informationelle Selbstbestimmung. Wirklich.

No-Go-Area Ostdeutschland

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen, Parallelgesellschaften

Altes Thema, neue Berichte:

Chima Onyele, 29, lebt als Musiker in Frankfurt, in Deutschland geboren.

Was Uwe-Karsten Heye da vor der WM angesprochen hat mit den »No-go-Areas«, das weiß ich schon seit zehn Jahren. Man geht einfach nicht nach Berlin-Marzahn und macht die Probe aufs Exempel. Man macht keine Zwischenstopps auf der ICE-Strecke nach Leipzig und man nimmt im Osten keinen Bummelzug.

Das SZ-Magazin hat ein paar Reporter nach Ostdeutschland geschickt, und diese haben einmal mit dort lebenden Menschen nicht-weißer Hautfarbe gesprochen.

Noah Sow, 32, Moderatorin und Sängerin, in Deutschland geboren.

Letztes Jahr bin ich mit dem ICE nach Potsdam gefahren: Da ist eine Horde Glatzen zu mir ins Abteil; sie haben den Vorhang zugezogen und mich belästigt – auf die Einzelheiten möchte ich lieber nicht eingehen. Zum Glück kam mir der Bundesgrenzschutz zu Hilfe. An der nächsten Haltestelle verließen die Bahnpolizisten aber für mich völlig überraschend den Zug. Ich flüchtete dann in ein Abteil mit zwei dunkelhäutigen Journalisten aus England. Es nützte nichts: Jetzt hatten die Glatzen freie Bahn für ihre Gewalttätigkeiten, Morddrohungen und sexuellen Belästigungen … Ich war danach monatelang arbeitsunfähig und in Therapie.

Die Berichte sind so gruselig, ich konnte das nicht in einem Rutsch durchlesen.

Lesen. Weitergeben.

(Lese ich eigentlich die falschen Blogs, oder warum schreibt da niemand drüber? Lest Ihr alle keine Zeitung mehr? Interessiert das nicht mehr, was sonst so passiert, außerhalb des eigenen Blogsafts und des eigenen kleinen Lebens?)

Straßenverkehr

Abt. für Berlinalia, Parallelgesellschaften

Einer, der sich selbst allein in einem neuen, schwarzen, blitzeblank geputzten BMW-Cabrio durch die Gegend fährt und sich “B-IG” als Kennzeichen geben ließ, der kann mir nichts erzählen, oder alles, was er will, der hat entweder etwas zu kompensieren oder aber schlechten Geschmack, den es dann allerdings ebenfalls zu kompensieren gäbe. Es ist vertrackt, wenn man sich einmal beim Autokauf vertan hat, gibt es keinen Weg zurück.

Deutsche Einheit

Lederner Minirock und Sensenmann-Plätzchen

Abt. für Parallelgesellschaften, pralles Leben

Burkhard Müller von der Süddeutschen hat – mit durchaus sehr reflektierter Distanz zur Szene – das Leipziger Wave-Gothic-Treffen besucht und fand’s ziemlich gut, ein bißchen campy und recht erwachsen.

“No Logo” bezeichnet hier keinen Schlachtruf von Attac, sondern an der Nähmaschine geübte Praxis. Meine Begleiterin hat ihren blauen Reifrock aus einem Posten alten Sitzbezugstoffs der Interflug hergestellt, acht Meter zu zwölf Euro; das Resultat ist beeindruckend. Nur so findet die Diskrepanz von Prachtentfaltung und den schmalen Budgets der jungen Ostdeutschen, die doch die Mehrheit der Anwesenden bilden, ihre Erklärung.

Am Ende eines langen Tages hat man gelernt, unter allen Skurrilitäten den Grundzug im Willen zur gänzlich unbrauchbaren Schönheit zu erkennen. [...] Nach einem Tag auf dem WGT wirkt der gewöhnliche Leipziger, wie er einkauft oder seinen Hund ausführt, daneben zerknittert, farblos und generell vernachlässigt.

Still sind die Menschen und ruhig:

Da der angestrebte Ausdruck so sehr im Kleid liegt, sind die WGT-Besucher eine ruhige Sorte von Leuten. Ein Paar sitzt am Nebentisch in der Leipziger Moritzbastei, sie erheben sich, er hilft ihr in den Mantel, sie nimmt die Hundekette zur Hand, die ihm am Hals festgemacht ist, und man bricht auf.

Wie ruhig das alles vonstatten geht, bemerkt man erst, wenn doch einmal ein paar Einzelne darunter sind, die das ungut Muntere ausstrahlen, wie Norddeutsche es an sich haben können.

Meine Schwester, die vor einiger Zeit für ein Jahr in Leipzig weilte, erzählte, wie damals leise Furcht vor marodierenden Horden durch die Stadt ging, weil das Treffen ausfiel, nachdem sich der Veranstalter abgesetzt und die ganze Chose in die Pleite gerissen hatte. Statt aber ihrem Ärger durch Demontage der Innenstadt Luft zu machen, saßen die jungen Menschen in Schwarz und Farbe ein wenig traurig in der Gegend herum, trafen sich also trotzdem, wenn auch ohne Musik, und waren ruhige, angenehme Zeitgenossen.

Katzencontent!

Abt. für Parallelgesellschaften

Das Katzenrettungsmobil

Nämlich das Katzenrettungsmobil, das nicht nur ein bißchen wie das Gefährt der Ghostbusters aussieht. Die spinnen, die Westwestberliner (gefunden in Tegel, mehr Photos hier).

Darling, would you please fetch the Holy Handgrenade?

Abt. für Parallelgesellschaften

KaninchenI think we might need it. (Full Story aus der Süddeutschen Zeitung)

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