Abteilung für Kleine Dicke Ritter

 

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Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen, Kleine Dicke Ritter

Zum politischen Aschermittwoch hat Horst Seehofer gestern nicht nur Guttenberg gepriesen, den Islam ausgegrenzt und (hatten wir die nicht schon hinter uns?) eine deutsche “Leitkultur” gepriesen, sondern sich laut zeit.de auch zum Thema Integration und Spracherwerb geäußert.

Von Ausländern müsse in Deutschland verlangt werden können, “sich zu unserer Werteordnung zu bekennen und als Erstes die deutsche Sprache zu lernen” Der türkische Ministerpräsident Erdoğan hatte gesagt, türkische Kinder in Deutschland sollten zuerst Türkisch lernen.

Stärker noch hatten das Guido Westerwelle und andere Unions-Politiker formuliert. Westerwelle sagte laut RP vor einigen Tagen:

“Die Kinder, die in Deutschland groß werden, müssen zu allererst Deutsch lernen”, erklärte Westerwelle in Berlin. Ohne die deutsche Sprache “kommen sie in der Schule nicht mit und haben später schlechtere Chancen als andere”.

Nun kann ich über viele Dinge, die mit Integration, Rassismus usw. zu tun haben, nur begrenzt und wenig kompetent Auskunft geben – aber was konkret die Frage angeht, welche Sprache Kinder mit Migrationshintergrund zuerst lernen sollten, möchte ich doch meine eigenen Erfahrungen kurz einwerfen, auch wenn meine/unsere Situation in vielem kaum mit der von jenen Menschen vergleichbar ist, über die Westerwelle und Seehofer glauben, mit Gewißheit sprechen zu können.

Wir leben mit zwei Kindern seit etwas über zwei Jahren in Frankreich. Die Liebste und ich sprechen Französisch, mehr (sie) oder weniger (ich) gut, und auch das hat sich in der Zeit hier natürlich verbessert. Mit unseren Kindern aber sprechen wir selbstverständlich Deutsch, und sicher hätten Herr Seehofer und Herr Westerwelle auch nichts dagegen einzuwenden, das wir in unserem Einwanderungsland weiter unsere Muttersprache verwenden. Deutsch ist also für beide Kinder ihre erste Sprache (auch wenn Kind Zwei derzeit eher ein interessantes Potpourri spricht, aber das ist eine andere Geschichte), Französisch erst die zweite, erworben vor allem im Rahmen der Kinderbetreuung durch Muttersprachler_innen. Und trotzdem wähne ich uns, und mehr noch: die Kinder, gut integriert.

Natürlich hat die Wahrnehmung etwas mit “Kulturkreisen”, Bildungsstand, all diesen Dingen zu tun, denn Westerwelle und Seehofer wollen ja vor allem die Ängste vor dem Fremden, vor den ungebildeten Massen schüren, mit denen sie ihre Wähler_innen an die Urnen treiben wollen. Wir wären auch als französisches Paar in Deutschland für sie kein Problem, weil wir ja EU-Bürger_innen wären, arbeitend, gebildet, all that jazz.

Aber was unterscheidet das Deutsche in dieser Diskussion vom Türkischen? Kind Eins hat hier, so ist unser Eindruck, deshalb so schnell und gerne Französisch gelernt, weil es vorher schon gut Deutsch gesprochen hat – jetzt ist es ein stolzes Wesen, das seinen Vater auch gerne mal korrigiert, wenn der Quatsch redet. Was spricht dagegen, das Kinder mit türkischen oder türkischstämmigen Eltern daheim erst einmal Türkisch lernen? Natürlich sollten sie dann, so sie in Deutschland leben, auch Deutsch lernen – es würde mich überraschen, wenn türkische Eltern dem grundsätzlich feindlich gegenüberstünden. Die Kinder werden es sicher wollen, die haben nämlich ein großes Interesse daran, ihre Umwelt zu verstehen. (Dieser Spracherwerb geht vermutlich am besten über Betreuung in Kindergärten; diese auszubauen und zu fördern sollte also eigentlich bei der Union großen Vorrang besitzen. Aber an deren Stammtischen gilt ja offenbar, daß es am besten ist fürs Kind, bei Mama zuhause zu sein, jedenfalls solange die Mama nicht türkisch, sonstwie “fremd” und damit zwangsläufig islamistisch oder wenigstens integrationsunwillig ist, oder so.)

Vor allem aber ist es widersinnig, Kinder mit Gewalt in eine der beiden Sprachen zu drängen, wenn das Ziel doch eigentlich sein kann (und sollte), daß sie am Ende beide Sprachen beherrschen wie eine Muttersprache (eine Sache, die wirklich praktisch jedes Kind erreichen kann). Denn nicht nur sind sie damit “integriert”, was immer das auch sein mag, sie können vor allem Mittler_innen werden zwischen den Sprachen, Kulturen und Generationen. Oder ist das zu pathetisch? Meine Kinder jedenfalls erklären mir Frankreich jeden Tag neu.

(In die gleiche Kerbe, aber etwas professioneller, schlägt die Wissenschaftlerin Petra Schulz in diesem Interview bei Spiegel Online.)

French Friday: Safety worst

Abt. für French Friday, Kleine Dicke Ritter

Vergangene Woche hatte ich mein bei Twitter schon öfter erhobenes Lamento von den bei kleinsten Wetterkapriolen geschlossenen Parks hier bereits ausgebreitet; ein ähnliches Sicherheitsdenken gilt wohl auch für die öffentlichen Kinderbespaßungsräume. Auf den Pariser Spielplätzen sind nämlich nahezu alle Geräte mit einem deutlich sichtbaren Signet versehen, das offenbar für Eltern zumindest zur Orientierung dienen soll, für welche Altersgruppe diese Gerätschaft geeignet ist. Wie deutsche Eltern ohne solche Hilfen zurecht kommen, weiß ich nicht, aber kennt jemand Statistiken über Unfälle auf Kinderspielplätzen im Ländervergleich? Vielleicht hilft das wirklich.

Nur interessiert es die Kinder natürlich praktisch gar nicht. Das kleine Kind klettert sowieso auf alles, was nicht bei Drei abgebaut wurde, wenn es irgendwie hoch kommt, und ist sehr frustriert, wenn nicht; die französischen Kinder halten es genauso, und ihre Eltern lassen sie gewähren, so lange der Abgrund nicht allzu tief dräut.

Bislang haben wir nicht herausgefunden, warum genau es auf Pariser Spielplätzen keine normalen Schaukeln mehr gibt, aber auch hier vermuten wir Versicherungs- und Haftungsgründe. Vereinzelt stößt man einmal auf Rundumsicherschaukeln, bei denen man das Kind gewissermaßen in einen Korb hineinsetzt, und die im Zweifel vor allem dadurch gefährlich werden, daß das Kind rausklettern will und dabei richtig tief stürzt. Eine zugezogene Französin erzählte uns jedenfalls, Parkschließungen wie Schaukelmangel seien spezifisch Pariser Neurosen; in der Provinz sei man da nicht so verklemmt.

Bei all dem Sicherheitsgetue fürs Kindeswohl ist es dann aber doch irritierend, etwas Anderes zu beobachten. In den Schulferien und an Mittwochen (an denen Vor- und Grundschüler_innen keinen Unterricht haben) übernehmen hierzulande die sogenannten Centres de loisirs, “Freizeitzentren” quasi, die Kinderbetreuung. Diese machen mit den Kindern tolle Sachen und gerne auch Ausflüge in Parks oder ins Umland, und damit die Kinder im Notfall wieder an der richtigen Stelle abgegeben werden, bekommen sie alle ein Schildchen mit Anschrift und Telefon des jeweiligen Centre.

Allerdings hängen manche Einrichtungen ihren Kindern diese Schilder an Nylonschnüren um den Hals. So eine Horde Kinder mit Autoasphyationsapparaturen auf dem Spielplatz zu sehen macht mich immer sehr nervös. Aber vielleicht bin ich da einfach zu sehr in deutschem Sicherheitsdenken befangen.

Club der schönen Mütter!

Und sonst?

Abt. für Kleine Dicke Ritter

Neben der Spieluhr eingeschlafen. Kind ratzwach. Jedenfalls bis zum Eintreffen der warmen Milch.

(Er schläft selig. Ich bin immer noch müde. Arbeit ruft!)

Ein paar Wahrheiten über Eltern und Kinder

Abt. für Kleine Dicke Ritter

Wie machen das eigentlich richtige Eltern? Ist mir ein Rätsel.

[...] Ich sitze in der Küche und starre mit glasigen Augen auf den Boden. Da sind noch überall Nudeln.

Herr Paulsen hat erste Erfahrungen als (Ersatz/Paten-)Vater gemacht (via), die sich großartig lesen. Und so wahr sind, so wahr.

Wie machen das “richtige” Eltern? Ich weiß es ja auch nicht. Irgendwann merkt man, daß der Schlaf, den man früher morgens oder mittags oder jedenfalls irgendwann nachholen konnte, einfach verloren ist: weil tagsüber jemand anderes Aufmerksamkeit einfordert und verdient. Man zieht die Konsequenzen daraus, lernt (mehr oder minder langsam), sich zu organisieren (weshalb Eltern kleiner Kinder zuweilen chronisch pünktlich werden: sie haben keine Zeit zu verlieren) und lernt vor allem, daß man abends nicht mehr so kann, wie man will. Oder wegen dieser bleiernen Müdigkeit auch gar nicht mehr kann (z.B. ich gestern abend zu P.s Geburtstagsfeier). Da ist der Weg dann nicht weit zum Dasein als Eltern, die gar nicht mehr aus dem Haus gehen.

(Und, Herr Paulsen, als kleine Antwort: Man bekommt das nur hin durch gegenseitiges Ablösen, Einteilen und Dann-eben-doch-mal-weggehen. Durch Babysitter wie Sie. Durch Freunde. Und durch viel, viel Übung in Müdigkeit.)

Man kann sich das ja nicht so richtig vorstellen, so lange man noch keine Kinder hat; und dieses völlig langweilige Sprichwort, daß man seine Eltern erst dann verstehe (und ihre Erziehung(sarbeit) zu schätzen wisse), wenn man selbst Kinder in die Welt gesetzt und womöglich großgezogen habe, das ist leider ebenfalls, wie so vieles, einfach wahr.

Dabei sind wir ja nun alle nicht besonders phantasiefrei. Aber das Ausmaß von Schlaflosigkeit, das ein Kind bescheren kann (jüngster Fall in der Bekanntschaft: eine Woche lang offene Herpesbläschen im Kindermund. Eine Woche immer nur Kurzschlaf), das will man sich gar nicht vorstellen.

Was man sich natürlich auch nicht vorstellen kann, ist das Ausmaß an Freude und witzigen Momenten, das sich mit dem Kind einstellt. Nicht zuverlässig und auf Abruf, aber oft unerwartet wie eine heiße Dusche Glücksgefühl an einem grauen Tag. Das meint nicht nur das leise Dahinschmelzen beim ersten Lächeln und beim ersten offensichtlich zielgerichteten “Ba-ba” oder die Freudentränen bei den ersten selbstgelaufenen Schritten, sondern auch andere, kaum beschreib- und sicher nicht konservierbare Momente. Herr Pappnase kennt solche.

Was sich noch ändert? Alles mögliche (dazu wäre mal eine Serie fällig, hier). Auf jeden Fall auch die Reaktion auf Kinder. Da hat Matthew Baldwin völlig recht.

So, und jetzt muß ich mal noch rasch die Küche fegen. Da sind noch überall Brotkrümel.

Bonmot der Woche, selbstgemacht

Abt. für Kleine Dicke Ritter

Ficken ist schön, aber ein Kind zu haben ist auch nicht von schlechten Eltern.

This parent feeling

Abt. für Kleine Dicke Ritter

Gestern zum ersten Mal neben dem kleinen dicken Ritter im Sandkasten gesessen, ihm Förmchen untergeschoben und Sand aus dem Mund gewischt. An solches muß man sich erst gewöhnen, im Großhirn.

Das freut die Kinder

Abt. für Kleine Dicke Ritter

Wenn die blöden Eltern einem keinen Slime kaufen wollen, dann macht man ihn halt selbst. Ghostbusters fürs Schlafzimmer. (Gefunden im Grimme-nominierten Wortfeld. Gratulation!)

38,5

Abt. für Kleine Dicke Ritter

So ein Tag, über dessen Verlauf man schon am späten Vorabend seine Vorahnungen hat, an dem der Kleine Dicke Ritter zwischen seinen erschöpften Ruhepausen das Elend, krank in seinem kleinen Körper zu sein, in einem schier nicht enden wollenden stream of consciousness zu Gehör gibt, an dem jedes Liegen offensichtlich das Unwohlsein so sehr verstärkt, daß der stream sich zu Geschrei verschärft, und an dem zwischendrin, wenn er glücklich dann aufrecht am Körper getragen wird, er noch mit einem stream of Flüssigkeit seinen Mund doch nie recht schließt, das ist schon ein harter Tag für die Prinzessin und mich. Da ist einem danach auch Satzstruktur egal.

(Immerhin haben wir zwischendrin alle drei erschöpft zwei Stunden geschlafen. Und gedacht: Mann, das bißchen Fieber.)

Vater und Sohn

Abt. für Kleine Dicke Ritter

flickr-Photo

beim gemeinsamen Inhalieren. Dem Sohn gefiel das nicht lange.

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