Abteilung für Dinge, die von fern wie Politik aussehen

 

DVD-Tipp: Der bayerische Patient

Wenn die Exekutive macht, was sie will

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen

Die Soldaten versuchen systematisch, das Vertrauen zwischen Anwalt und Klient zu zerstören. Man sagte den Gefangenen, dass ihre Anwälte Juden oder schwul seien. Manchmal sprach ich morgens mit einem Mandanten, nachmittags wurde er verhört. Dabei stellte man ihnen Fragen nach Dingen, die sie mir, nicht aber dem Militär erzählt hatten. Ich nehme also an, dass unsere Gespräche abgehört werden, obwohl uns Vertraulichkeit zugesichert worden ist.

Und das ist noch das Harmlose. Das Magazin der Süddeutschen Zeitung trägt Stimmen aus Guantanamo zusammen. Ich kann nur hoffen, daß die derzeitige amerikanische Regierung (und ihre mittlerweile ausgeschiedenen Mitglieder) sich irgendwann nicht in ähnlichen Haftbedingungen wiederfinden. Sondern ihre gerechte Strafe erhalten und absitzen müssen.

Ansonsten hoffen mir mit George Walker Bush eben aufs jüngste Gericht. Das dürfte, da bin ich ganz arrogant überzeugt, einiges an Klarheit in diese Angelegenheit bringen.

(Irgendwie bin ich in dieser Angelegenheit zunehmend humorlos.)

Wessen (Nicht-)Integrationspolitik?

Farbiger mit fünf Buchstaben?

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen

Die Prinzessin brachte gestern die Oktoberausgabe des Kinderunterhaltungsfaltblatts Schlaukopf. Der Pfiffikus aus deiner Apotheke mit nach Haus. Darin befindet sich auch außer einem total süßen Dackelposter und diversen lehrreichen Dingen auch ein “Kunterbunt” genanntes Kreuzworträtsel. Die einzutragenden Begriffe sind dabei links am Rand mit Bildern, gelegentlich, wie bei Kreuzworträtseln “für Erwachsene”, mit Begriffen angedeutet:

Kunterbunt-Rätsel

An achter Stelle (man beginnt bei der rot hinterlegten “1″ und hangelt sich entlang der Pfeile weiter) wird hier nach einem Synonym für “Farbiger” gefragt. Mit fünf Buchstaben, wie man in der Gesamtansicht sehen kann.

Farbiger mit fünf Buchstaben? Die meinen doch nicht …?

Doch. Meinen sie.

Auflösung - Kunterbunt-Rätsel - Sie meinen 'Neger'

Neger ist ein heute rassistisch konnotierter Begriff für mit Menschen dunkler Hautfarbe und bestimmten weiteren phänotypischen Merkmalen (Negride).

Nazi-Gebühren

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen, Kapitalismus 2.0 - Permanent Beta

Wahrscheinlich würden die Menschen genausoviel Energie in die Auseinandersetzung mit Rechtsextremisten stecken, wie in das ewiggleiche, allzuoft dümmlich-ahnungslose, halbstarke Geflenne über die Rundfunkgebühr, wenn die Nazis auch nen Fünfer im Monat kosten würden.

Yep. (via)

Stigmatisierung: Lieber semantisch oder lieber politisch?

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen

Drüben bei agitpop regt sich Björn über die “Unterschichtendebatte” auf (mit Recht) und fügt schließlich an:

Nochmal zum Vorwurf, man würde hier eine Bevölkerungsgruppe stigmatisieren. Haben Hartz-IV-Empfänger ein Recht auf Urlaub? Elektronische Fußfesseln für Langzeitarbeitslose? Fehlt es Hartz-IV-Empfängern an Anstand? Ja, gut dass die politische Elite sich so für unsere Ärmsten einsetzt und eine semantische Stigmatisierung ganzer Bevölkerungsgruppen mit dem Wort Unterschicht vermeiden will.

In der Tat. Sich über Worte zu mokieren, aber für nötige Schritte nicht zahlen zu wollen, ist schlichtweg verlogen.

Barmer EK forscht Ansteckungswege von HIV aus

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen, Kapitalismus 2.0 - Permanent Beta

Der Berliner Kurier berichtet von Anrufen der Barmer Ersatzkasse, bei denen mit HIV infizierte Versicherte gefragt wurden, bei dem sie sich angesteckt hätten.

“Wir prüfen nur, ob wir als Kasse für die Kosten zuständig sind”, sagt eine Mitarbeiterin der Kasse. “Es wäre ja möglich, dass sich ein Kunde bei Ausübung des Berufs oder bei einem Unfall infiziert hat, dann müssten wir nicht bezahlen.”

Allerdings scheint man sich beim Kurier mehr über die Form (Telefonat) aufzuregen denn über die Tatsache – dabei fragt bei einer Grippe ja auch niemand, wie und wo man sich angesteckt habe.

Offensichtlich will die Kasse Kosten loswerden – HIV-Behandlung ist teuer. Problematisch ist natürlich die Möglichkeit, daß die Barmer anfangen könnte, Regreßansprüchen gegenüber Dritten (also “den Ansteckenden”) geltend zu machen – ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Kriminalisierung von HIV-Positiven. (Ja, natürlich ist die bewußte Infektion eines Menschen mit einer tödlichen Krankheit eine Straftat. Geschenkt. Aber das herauszufinden, ist sicher nicht Aufgabe einer Krankenkasse.)

(via)

It’s unacceptable to think (any other way than I do)

No-Go-Area Ostdeutschland

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen, Parallelgesellschaften

Altes Thema, neue Berichte:

Chima Onyele, 29, lebt als Musiker in Frankfurt, in Deutschland geboren.

Was Uwe-Karsten Heye da vor der WM angesprochen hat mit den »No-go-Areas«, das weiß ich schon seit zehn Jahren. Man geht einfach nicht nach Berlin-Marzahn und macht die Probe aufs Exempel. Man macht keine Zwischenstopps auf der ICE-Strecke nach Leipzig und man nimmt im Osten keinen Bummelzug.

Das SZ-Magazin hat ein paar Reporter nach Ostdeutschland geschickt, und diese haben einmal mit dort lebenden Menschen nicht-weißer Hautfarbe gesprochen.

Noah Sow, 32, Moderatorin und Sängerin, in Deutschland geboren.

Letztes Jahr bin ich mit dem ICE nach Potsdam gefahren: Da ist eine Horde Glatzen zu mir ins Abteil; sie haben den Vorhang zugezogen und mich belästigt – auf die Einzelheiten möchte ich lieber nicht eingehen. Zum Glück kam mir der Bundesgrenzschutz zu Hilfe. An der nächsten Haltestelle verließen die Bahnpolizisten aber für mich völlig überraschend den Zug. Ich flüchtete dann in ein Abteil mit zwei dunkelhäutigen Journalisten aus England. Es nützte nichts: Jetzt hatten die Glatzen freie Bahn für ihre Gewalttätigkeiten, Morddrohungen und sexuellen Belästigungen … Ich war danach monatelang arbeitsunfähig und in Therapie.

Die Berichte sind so gruselig, ich konnte das nicht in einem Rutsch durchlesen.

Lesen. Weitergeben.

(Lese ich eigentlich die falschen Blogs, oder warum schreibt da niemand drüber? Lest Ihr alle keine Zeitung mehr? Interessiert das nicht mehr, was sonst so passiert, außerhalb des eigenen Blogsafts und des eigenen kleinen Lebens?)

Militärisch abgesicherte Stelle in der Bibliotheksleitung

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen

Das wird die KollegInnen vom netbib Weblog aber freuen: da ist eine exklusive Stelle für eineN gut ausgebildeteN BibliothekarIn frei, etwas richtig Anspruchsvolles:

To be successful in this job, the Chief Librarian will need to be creative, adaptable, ambitious and resourceful. The ideal candidate will possess a degree in library studies or a closely related field and relevant experience. We will consider extensive experience in library operations and management, in lieu of a degree. This job requires proficiency in English.

Nötig ist allerdings auch eine US government secret clearance, denn bei der Stelle, um die es sich hier handelt und die die eigenartige Firma Torres Advanced Enterprise Solutions zu besetzen hat, ist die Stelle als Chief Librarian, Detainee Library, under the direction of the Joint Task Force, Guantanamo Bay, Cuba.

Und es wäre doch sehr spannend zu wissen, mit welchen Büchern sie die Menschen versorgen, die sie ja auch sonst nicht eben unter menschenwürdigen Bedingungen eingesperrt haben. Werden die alle von George und Laura Bush persönlich als angemessene Lektüre bewertet und eingestuft?

(Gefunden bei Metafilter.)

Wir verabschieden uns hiermit offiziell

Post an Wagner

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen, Medien

Lieber Franz Josef Wagner,

am Montag wollen Sie, wie jeden Tag aufs Neue, von Ihren LeserInnen gewählt werden. Liest noch jemand den Schmock, kauft ihn gar jemand? Haben Sie es verdient?

“Regierenden ‘Partymeister’” haben Sie heute Klaus Wowereit genannt, der sich morgen hier in Berlin zur Wahl stellen will. Regierend stimmt, Partymeister nicht. Wowereit ist Bürgermeister, und ihre Anspielung darauf, daß Herr Wowereit eine Zeitlang angeblich nur auf Parties, nicht aber beim Regieren gesehen wurde, ist so langweilig und abgenutzt wie bärtig (und gleiches gilt auch für den politisch aussagefreien Wahlwerbespot der CDU). Es gibt nämlich nicht nur in Berlin grundsätzlich zwei Herangehensweisen an Wahlkampf, eine erträglich und eine unerträglich.

Es gibt die wunderbare Herangehensweise, sich mit Argumenten den Wettstreit um die bessere Lösung zu liefern; hierbei wird, selten genug kommt es vor, tatsächlich politische Willensbildung betrieben. Es ist menschlich, darauf verzichten zu wollen, aber ist es auch zeitungskolumnenschreiberisch? Was ist, fragen Sie sich anscheinend, mit den haltlosen und billigen persönlichen Angriffen, die sonst vielleicht niemand machen würde, was ist mit inhaltsfreien Slogans? Sie sind die Form politischer Willensbildung, die ihre Zeitung schon heute betreibt, sie wird es auch morgen sein.

Wissen sie, Franz Josef Wagner, ich habe kein Problem mit Klaus Wowereit. Ich habe ein Problem mit einem Fatzke wie Ihnen, der andere beschimpft, aber keine Argumente hat. Und ich habe ein Problem mit Ihrer “Zeitung”.

Herzlichst,
Ihr R. Wolff

Pornoindustrie bringt Nazi-Zeitschrift zu Fall

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen

Naja, noch nicht; aber ein kleines bißchen möglich ist es allemal, denn Deutschsein ist anscheinend einen Tick zu geil.

(Spreeblick macht jetzt einen auf Antifa.)

Atomlobby

Verkehrsvermeidung

Wie fidel ist Castro?

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen

(Ja, ich weiß, alter Witz.)

Den von sapere aude verbreiteten Zweifel an der Authentizität der jüngsten Photographien von Fidel Castro hatte ich auch schon – es reichte mir die Überlegung, daß man erstens eine Zeitungsseite problemlos in ein Photo einshoppen kann und zweitens die Partei (hat immer Recht!) ja nun keinerlei Problem damit haben sollte, die Titelseite der Zeitung ein paar Tage im voraus festzulegen – zumal, wenn es um die Ausgabe an einem hohen Staatsfeiertag geht.

Bärte und Burkas für die innere Sicherheit

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen

Drüben bei sapere aude weist man auf Henning Schürigs Aktion Solidaritätsbart hin (samt flickr-Gruppe natürlich).

Hintergrund ist dieser Beitrag von Stefan Niggemeier zum nicht nur leicht gruseligen Weblog PI – Politically Incorrect.

(Ich trage Bart schon länger, und schon seit bevor Frau Bunz es gut fand. Photo vielleicht demnächst.)

Studiengebührendebatte, pointiert

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen, Kapitalismus 2.0 - Permanent Beta

micro_robert:

Mit den Studiengebühren werden alle Studenten gleich vom ersten Tag an von den Banken vernegert. Annette SchaWahn freut sich über mehr Eigenverantwortung. Service an den Hochschulen bleibt so beschissen wie vorher. Einzige Gewinner: Die Banken. Danke, CDU.

G8 achtet Meinungs- und Versammlungsfreiheit nicht

(Wieder mal nicht, natürlich. Das ist ja alles nichts Neues, zumal in Rußland.)

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen

Putin, Bush und Merkel haben sicher ruhige Tage in St. Petersburg.

Etwa 850 Aktivisten von linken Splitterparteien und von Nichtregierungsorganisationen, die es trotz allem bis St. Petersburg geschafft haben, versammelten sich zur einzigen genehmigten Protestkundgebung in einem alten Fußballstadion.

Dort dürften ihre Proteste wohl nur wenig Aufmerksamkeit erregen: Das Stadion liegt auf einer schwer zu erreichenden Insel, rund 20 Kilometer vom Konferenzort entfernt.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung, mit meinen Korrekturen und Hervorhebungen)

Neue Berufsziele

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen, Medien

Was man heutzutage alles werden kann…

Truppen-Ethnologin im Gespräch mit dem heute-journal, 12. Juli 2006

Da hat die Jugend von heute ja ganz neue Aussichten! Nun ist mir zwar gänzlich unklar, was eigentlich eine Truppen-Ethnologin genau macht – insbesondere, was sie von einer nicht-militärischen Ethnologin unterscheidet, vom Camouflage-Outfit jetzt mal abgesehen -, aber wenn man dem Einvernehmen zwischen Bush und Merkel mißtrauen darf, wird es ja wohl noch eine Reihe von “Auslandseinsätzen” geben, bei denen fremde Kulturen etc.p.p. studiert und, ach ja, “befriedet” oder “beschützt” werden müssen.

Kurz zuvor verwandte Klaus-Peter Siegloch für die jetzt entsandten europäischen Soldaten den Begriff “EU-Schutztruppe” – für deutsche Soldaten in Afrika sollte man diesen Begriff vielleicht nicht unbedingt aus dem Keller der Geschichte hervorholen. Obwohl sicherlich einige der Meinung sind, man habe es hier nur mit einer neuen Form von Kolonialismus zu tun. Aber der brachte ja auch neue Arbeitsplätze hervor, auch für die Kolonisierten.

(Screenshot aus dem Real-Stream des heute journal vom 12. Juli, etwa bei 17:06 Minuten)

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