Wir hatten heute einen etwas aufregenden Tag (mit sehr entspanntem Ausgang – das nur der Vollständigkeit halber gleich zu Beginn), in dessen Verlauf wir erfahren mußten, daß anscheinend ziemlich sang- und klanglos der Kinderärztliche Bereitschaftsdienst in der Erste-Hilfe-Stelle in der Graefestraße zum 30. Juni geschlossen wurde.
Wer in Kreuzberg mit Kindern lebt (und da soll es ja eine Handvoll Leute geben), kennt diese Stelle, die Mittwochs- und Freitagnachmittags sowie am kinderarztlosen Wochenende sicherer Hafen besorgter Eltern war, die sich nicht sicher waren, ob dieser seltsame Ausschlag wirklich so besorgniserregend, diese kleine Verletzung am Auge schon so schwer ist, daß ein Besuch im Krankenhaus vonnöten sei – oder ob ein entspanntes Wochenende drin ist, vielleicht mit einem Besuch bei der Kinderärztin des persönlichen Vertrauens am Montagmorgen.
Aus und vorbei.
Schlimmer noch, die Erste-Hilfe-Stelle soll, wie wohl im April beschlossen wurde, zum 30. September ganz geschlossen werden. In der aktuellen Presse findet sich über die Schließung nichts, soweit ich das in den Archiven habe sehen können; regt sich irgendwo Widerstand? Ich wäre dabei! (Hauptstadtblog, übernehmen Sie!)
Denn daß die Stelle jahrelang schon Defizite einfuhr: Geschenkt. Gerade der Kinderärztliche Dienst wurde, das war jedenfalls immer mein Eindruck, durchweg gut angenommen, und wenn die Politik wohlfeil davon parliert, man solle die Verwahrlosung der Kinder verhindern etc.pp., dann sollte man gleich einmal damit beginnen, niedrigschwellige Angebote für die Versorgung von Kindern zu fördern und finanziell zu unterstützen.
Tatsächlich fände ich die Erste-Hilfe-Stelle für Erwachsene nicht so wichtig: Wer etwas Ernsthaftes hat, läßt sich womöglich eh ins Urban einweisen oder schaut dort vorbei. Mit Kindern aber ist eine Erste-Hilfe-Stelle, die keine Klinik ist, eine großartige Sache: Leicht zu erreichen, übersichtliche Räumlichkeiten, erfahrene Kinderärztinnen und Kinderärzte, die einen im Zweifelsfall auch in die Kinderklinik weiterschicken.
Zugegeben, das ist ein bißchen so, als wolle man seine gute alte soziale Marktwirtschaft wiederhaben. War ja auch nur so ‘ne Idee. (Die Kassenärztliche Vereinigung mag ich im Übrigen auch immer und immer weniger.)