Zitatrecht und Bilder

Abt. für Internet & Blogdings

Unbedingt lesenswert: Anläßlich der Abmahnung von Blogs und Foren durch Apple wegen der Berichterstattung über das iPhone (präziser: darüber, wie Dritte die Benutzeroberfläche des iPhone kopiert haben) diskutiert Arne Trautmann im Law-Blog die Frage, inwieweit im deutschen Recht das Zitatrecht (auf dem Weg über das Grundrecht auf Meinungs- und Pressefreiheit) erlaubt, Bilder von Dritten zu verwenden. Das ist zwar wahrscheinlich zu allgemein, um sich damit immer auf der sicheren Seite zu wähnen, ist aber als Orientierungshilfe für die eigene Blogarbeit eine große Hilfe.

(via)

Ich bin doof. Weil, wegen Internet

Abt. für Internet & Blogdings, Medien

Henryk M. Broder macht sich heute im Berliner Tagesspiegel mal so richtig differenzierte Gedanken zur freien Meinungsäußerung im Internet.

Mit dem Recht, eine Meinung verbreiten zu können, verhält es sich so wie mit den meisten Rechten, die auf einer unausgesprochenen Vereinbarung beruhen: Wenn sie von allen wahrgenommen werden, schaffen sie sich selbst ab.

Ja. Das ist ja bekanntermaßen auch mit dem Wahlrecht so: Wenn alle wählen dürfen, das kann nicht funktionieren, das muß Diktatur geben. Dann doch am besten gleich eine (unter H.M.B., natürlich).

Der ansonsten so penible Herr Broder empfand es anscheinend nicht einmal als nötig, sein Vokabular durchzusehen (man meldet, schreibt er, eine “domaine” an, das WWW ist irgendwie mit dem Internet identisch, u.s.f.) und hält seine eigene Unfähigkeit, in der Kakophonie, in die sich die Meinungsfreiheit online angeblich auflöse, für Struktur und Schwerpunkte zu sorgen, für das Grundübel der Welt:

Das WWW ist auch maßgeblich für die Infantilisierung und Idiotisierung der Öffentlichkeit verantwortlich.

Herr Broder, da würden mir auch noch RTL, die Bild-Zeitung, der Spiegel und einige andere Medien als potentielle Kandidaten einfallen. Und ob die von ihnen so hochgehaltene Filter- und Auswahlfunktion der gewissermaßen “Organisierten Medien” (hat ja was von Organisierter Kriminalität) wirklich funktioniert, wage ich zu bezweifeln, erreichen mich doch immer gern und immer wieder so ahnungslos dahingerotzte Texte wie Ihrer, die dann als “Kommentar”, “Position” oder “Meinung” deklariert werden, weil sich eine Verankerung in konkreten Fakten leider nicht herstellen ließ.

Da sind mir doch ehrliche, unverfrorene Beschimpfungen in Weblogs wesentlich lieber, in denen sich niemand hinter dem Untergang des Abendlandes verschanzt.

G8 achtet Meinungs- und Versammlungsfreiheit nicht

(Wieder mal nicht, natürlich. Das ist ja alles nichts Neues, zumal in Rußland.)

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen

Putin, Bush und Merkel haben sicher ruhige Tage in St. Petersburg.

Etwa 850 Aktivisten von linken Splitterparteien und von Nichtregierungsorganisationen, die es trotz allem bis St. Petersburg geschafft haben, versammelten sich zur einzigen genehmigten Protestkundgebung in einem alten Fußballstadion.

Dort dürften ihre Proteste wohl nur wenig Aufmerksamkeit erregen: Das Stadion liegt auf einer schwer zu erreichenden Insel, rund 20 Kilometer vom Konferenzort entfernt.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung, mit meinen Korrekturen und Hervorhebungen)

Pressefreiheit, welche Pressefreiheit?

Aber ich bin gemeiner als du!

Abt. für Gottesbilder

Natürlich wird die Meinungsfreiheit das aushalten, den “Karikatur-Wettbewerb über den Holocaust”, den laut Spargel Online eine iranische Zeitung, also wohl ein Stück weit auch die iranische Regierung, plant.

“Es wird ein internationaler Karikatur-Wettbewerb über den Holocaust”, sagte Farid Mortazavi, der Grafiker der Zeitung “Hamschahri”, die von der konservativen Teheraner Stadtverwaltung herausgeben wird. Der Westen habe die “frevlerischen Mohammed-Karikaturen” mit dem Verweis auf die Meinungsfreiheit gedruckt. “Jetzt lasst uns sehen, ob sie meinen, was sie sagen, und auch die Holocaust-Karikaturen drucken”, sagte er laut einem Bericht des arabischen TV-Senders al-Dschasira.

(Merke: Treue zum Prinzip der Meinungsfreiheit am Besten durch Witze über Schwächere / Minderheiten beweisen!der)

Aber natürlich ist es klar, daß, auch wenn dieser Cartoon schwer vereinfachend (und berechtigte muslimische Einwände glatt ignorierend) ist (gefunden nach dem Hinweis hier), daß man hier nicht ohne Grund keinen Wettbewerb für Karikaturen über Jesus und Konsorten ausschreibt, sondern, Provokation ist alles!, über den Holocaust.

So hält man alles am Köcheln, weil pflichtschuldigst die erwünschten Reaktionen eintreten werden, anstatt daß man diesen Schwachsinn einfach ignoriert. Schließlich haben wir es hier, im Rahmen der Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit, mit einer Auseinandersetzung auf dem Niveau eines Sandkastenstreits zwischen zwei verzogenen Machokindern zu tun, bei dem man sich gegenseitig Förmchen und Sand an den Kopf und in die Augen wirft, unter beständigem Geschrei: “Das Auto von meinem Papa ist toller als das von deinem!” – “Aber meiner ist stärker als du!”

(Schon auffällig, daß es, den Fernsehbildern nach zu urteilen, immer und ausschließlich Männer sind, die in dieser Angelegenheit mit Brand- und Wortbomben werfen.)

Und nochmal der (via):

Jetzt den bewaffneten Protest organisieren gegen die Herabwürdigung des Pr*pheten als Bombenwerfer!

(file under: self-fulfilling prophets)

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