French Friday: Safety worst

Abt. für French Friday, Kleine Dicke Ritter

Vergangene Woche hatte ich mein bei Twitter schon öfter erhobenes Lamento von den bei kleinsten Wetterkapriolen geschlossenen Parks hier bereits ausgebreitet; ein ähnliches Sicherheitsdenken gilt wohl auch für die öffentlichen Kinderbespaßungsräume. Auf den Pariser Spielplätzen sind nämlich nahezu alle Geräte mit einem deutlich sichtbaren Signet versehen, das offenbar für Eltern zumindest zur Orientierung dienen soll, für welche Altersgruppe diese Gerätschaft geeignet ist. Wie deutsche Eltern ohne solche Hilfen zurecht kommen, weiß ich nicht, aber kennt jemand Statistiken über Unfälle auf Kinderspielplätzen im Ländervergleich? Vielleicht hilft das wirklich.

Nur interessiert es die Kinder natürlich praktisch gar nicht. Das kleine Kind klettert sowieso auf alles, was nicht bei Drei abgebaut wurde, wenn es irgendwie hoch kommt, und ist sehr frustriert, wenn nicht; die französischen Kinder halten es genauso, und ihre Eltern lassen sie gewähren, so lange der Abgrund nicht allzu tief dräut.

Bislang haben wir nicht herausgefunden, warum genau es auf Pariser Spielplätzen keine normalen Schaukeln mehr gibt, aber auch hier vermuten wir Versicherungs- und Haftungsgründe. Vereinzelt stößt man einmal auf Rundumsicherschaukeln, bei denen man das Kind gewissermaßen in einen Korb hineinsetzt, und die im Zweifel vor allem dadurch gefährlich werden, daß das Kind rausklettern will und dabei richtig tief stürzt. Eine zugezogene Französin erzählte uns jedenfalls, Parkschließungen wie Schaukelmangel seien spezifisch Pariser Neurosen; in der Provinz sei man da nicht so verklemmt.

Bei all dem Sicherheitsgetue fürs Kindeswohl ist es dann aber doch irritierend, etwas Anderes zu beobachten. In den Schulferien und an Mittwochen (an denen Vor- und Grundschüler_innen keinen Unterricht haben) übernehmen hierzulande die sogenannten Centres de loisirs, “Freizeitzentren” quasi, die Kinderbetreuung. Diese machen mit den Kindern tolle Sachen und gerne auch Ausflüge in Parks oder ins Umland, und damit die Kinder im Notfall wieder an der richtigen Stelle abgegeben werden, bekommen sie alle ein Schildchen mit Anschrift und Telefon des jeweiligen Centre.

Allerdings hängen manche Einrichtungen ihren Kindern diese Schilder an Nylonschnüren um den Hals. So eine Horde Kinder mit Autoasphyationsapparaturen auf dem Spielplatz zu sehen macht mich immer sehr nervös. Aber vielleicht bin ich da einfach zu sehr in deutschem Sicherheitsdenken befangen.

Die Teenagerklappe

Das ist so bestürzend, bizarr und bescheuert, da bleibt mir die Spucke weg: Der US-Bundesstaat Nebraska hat die Einführung und vor allem rechtliche Regelung von Babyklappen auf den Weg gebracht. So weit, so wohl ganz sinnvoll gedacht.

Leider hat man vergessen, im Gesetz ein Höchstalter für die Kinder festzulegen, und anscheinend nutzen Eltern mit Nicht-Kleinstkindern diesen Umstand dazu, ihre schon etwas älteren Nachkömmlinge abzugeben.

Of the 34 children who have been dropped off at hospitals, officials said, not one has been an infant.

All but six have been older than 10, according to a Nebraska Department of Health and Human Services analysis.

Schreibt CNN. Und wir fragen uns stille oder nicht so stille, wie Menschen dazu kommen, ihre fünf- bis siebzehnjährigen Kinder einfach abgeben zu wollen. Sicher, Teenager möchte man gerne des Öfteren an die Wand klatschen, und fünfjährige Trotzkinder sind sicher kein Spaziergang; aber wie egal muß einem der Geisteszustand des eigenen Kindes sein, damit man in der Lage ist, es einfach in einem Krankenhaus abzugeben – und dafür in einem Fall extra von Florida nach Nebraska zu fliegen?

(Und dann kriecht die Frage im Großhirn umher, ob es bei solchen Eltern nicht besser für die Kinder ist. Und man bekommt ganz fiese, kulturpessimistische Anfälle.)

(via)

Liebe DAK,

Abt. für Kapitalismus 2.0 - Permanent Beta

hab vielen Dank für Dein postnatales Informationspäckchen, das heute angekommen ist – auch wenn wir die meisten Sachen schon allein deshalb nicht brauchen, weil wir das alles schon wissen. Aber das ist nicht so wichtig, die Geste zählt, das orangefarbene Lätzchen war schon für’s erste Kind super, und vieles weiß man ja auch nicht mehr so genau.

Wobei der Impfkalender von 2004, wie wir schon wissen, wirklich ein wenig veraltet ist. Vielleicht möchtet Ihr da nachbessern.

Genauso wie bei dem tollen Gutschein eines Onlinespielzeughändlers, den Ihr beigelegt habt, und den wir bestimmt nicht auch eingelöst hätten. Wenn wir noch die Gelegenheit dazu bekommen hätten. War aber zeitlich nicht zu machen:

DAK-Gutschein

Netter Versuch. Das nächste Mal schickt Ihr Euer angestaubtes Papier doch bitte ins Altpapier, ja?

Milla 2.0

Abt. für Film

Ich weiß ja, daß ich für einen notorisch an Klatsch sehr interessierten Menschen mich zu selten in die einschlägigen Magazine und Websites vertiefe. Da bin ich also gewissermaßen durchgehend selber schuld.

Beim Blick auf die neuen Pressefotos zu Resident Evil: Extinction fragte ich mich dann aber schon: Warum sagt mir eigentlich niemand, daß Milla Jovovich mit einem Mädchen schwanger ist?

Nicht permanent beta

Die Jugend verroht

Abt. für A Series Of YouTubes

Immer früher schon: Dreijährige wollen jetzt schon Monster quälen! Spiegel Online, übernehmen Sie!

(Direktverrohung; via)

Geisterbahn

Abt. für Kapitalismus 2.0 - Permanent Beta

EXECUTIVE. We need to get the sequel to “Railway I” out right away.

MANAGER. But… all we have ready is a car set.

EXECUTIVE. No time, no time, just change the logo. And Henderson?

MANAGER. Yes sir?

EXECUTIVE. Don’t forget the demon.

Ein paar Wahrheiten über Eltern und Kinder

Abt. für Kleine Dicke Ritter

Wie machen das eigentlich richtige Eltern? Ist mir ein Rätsel.

[...] Ich sitze in der Küche und starre mit glasigen Augen auf den Boden. Da sind noch überall Nudeln.

Herr Paulsen hat erste Erfahrungen als (Ersatz/Paten-)Vater gemacht (via), die sich großartig lesen. Und so wahr sind, so wahr.

Wie machen das “richtige” Eltern? Ich weiß es ja auch nicht. Irgendwann merkt man, daß der Schlaf, den man früher morgens oder mittags oder jedenfalls irgendwann nachholen konnte, einfach verloren ist: weil tagsüber jemand anderes Aufmerksamkeit einfordert und verdient. Man zieht die Konsequenzen daraus, lernt (mehr oder minder langsam), sich zu organisieren (weshalb Eltern kleiner Kinder zuweilen chronisch pünktlich werden: sie haben keine Zeit zu verlieren) und lernt vor allem, daß man abends nicht mehr so kann, wie man will. Oder wegen dieser bleiernen Müdigkeit auch gar nicht mehr kann (z.B. ich gestern abend zu P.s Geburtstagsfeier). Da ist der Weg dann nicht weit zum Dasein als Eltern, die gar nicht mehr aus dem Haus gehen.

(Und, Herr Paulsen, als kleine Antwort: Man bekommt das nur hin durch gegenseitiges Ablösen, Einteilen und Dann-eben-doch-mal-weggehen. Durch Babysitter wie Sie. Durch Freunde. Und durch viel, viel Übung in Müdigkeit.)

Man kann sich das ja nicht so richtig vorstellen, so lange man noch keine Kinder hat; und dieses völlig langweilige Sprichwort, daß man seine Eltern erst dann verstehe (und ihre Erziehung(sarbeit) zu schätzen wisse), wenn man selbst Kinder in die Welt gesetzt und womöglich großgezogen habe, das ist leider ebenfalls, wie so vieles, einfach wahr.

Dabei sind wir ja nun alle nicht besonders phantasiefrei. Aber das Ausmaß von Schlaflosigkeit, das ein Kind bescheren kann (jüngster Fall in der Bekanntschaft: eine Woche lang offene Herpesbläschen im Kindermund. Eine Woche immer nur Kurzschlaf), das will man sich gar nicht vorstellen.

Was man sich natürlich auch nicht vorstellen kann, ist das Ausmaß an Freude und witzigen Momenten, das sich mit dem Kind einstellt. Nicht zuverlässig und auf Abruf, aber oft unerwartet wie eine heiße Dusche Glücksgefühl an einem grauen Tag. Das meint nicht nur das leise Dahinschmelzen beim ersten Lächeln und beim ersten offensichtlich zielgerichteten “Ba-ba” oder die Freudentränen bei den ersten selbstgelaufenen Schritten, sondern auch andere, kaum beschreib- und sicher nicht konservierbare Momente. Herr Pappnase kennt solche.

Was sich noch ändert? Alles mögliche (dazu wäre mal eine Serie fällig, hier). Auf jeden Fall auch die Reaktion auf Kinder. Da hat Matthew Baldwin völlig recht.

So, und jetzt muß ich mal noch rasch die Küche fegen. Da sind noch überall Brotkrümel.

Bonmot der Woche, selbstgemacht

Abt. für Kleine Dicke Ritter

Ficken ist schön, aber ein Kind zu haben ist auch nicht von schlechten Eltern.

Im Dickicht zwischen Tippfehler und Kalauer

Abt. für Medien

Es gibt Momente, da weiß man nicht: unterlaufen Alex Rühle wirklich und versehentlich solche Tippfehler oder kann er Anspruch auf den Titel des Kalauerkönigs am goldenen Bande erheben? Findet sich doch heute in seinem sehr lesenswerten Text zum grassierenden Familienbild auch online folgender Passus (die Hervorhebung ist von mir):

Die einschlägigen Bücher zur Demographie stehen heute im Buchladen da, wo früher die Frauenliteratur zu finden war und verdrängen in ihrem reaktionären Duktus auch inhaltlich das meiste, was Emanzipation und sonstige Aufklärung eigentlich längst für unhinterfragbar hielten. Frauen tauchen darin als „sozialer Kitt“ und Empathiemaschinen auf, Kinder nur in Form mathematischer Zombies, als „200000 ungeborene Kinder pro Jahr“ nämlich. Diese menetekelhaft wiederholte Formel erinnert in ihrem grimmigen Appellfuror an die Pfarrer, die pubertierenden Jungen das Onanieren austreiben wollen, indem sie ihnen vorrechnen, dass dabei jedes Mal 100 Millionen Spermien in einem Taschentusch verenden.

Herr Rühle, sollten Sie das so gemeint haben, dann aber Tusch! Und wenn nicht, macht nichts, ist trotzdem toll. Herzlichst verliebt, Ihr R.W.

This parent feeling

Abt. für Kleine Dicke Ritter

Gestern zum ersten Mal neben dem kleinen dicken Ritter im Sandkasten gesessen, ihm Förmchen untergeschoben und Sand aus dem Mund gewischt. An solches muß man sich erst gewöhnen, im Großhirn.

Das freut die Kinder

Abt. für Kleine Dicke Ritter

Wenn die blöden Eltern einem keinen Slime kaufen wollen, dann macht man ihn halt selbst. Ghostbusters fürs Schlafzimmer. (Gefunden im Grimme-nominierten Wortfeld. Gratulation!)

Post an Wagner

Abt. für Gender Trouble

Lieber Franz Josef Wagner,

Sie müssen jetzt sehr, sehr stark sein. Setzen Sie sich erst einmal. Wissen Sie, es gibt Dinge, die muß ein Mann, die muß auch eine Frau irgendwann einmal erfahren. Normalerweise wird das irgendwann im Kontext der Pubertät ein für allemal erledigt, der eine oder andere mag dann traumatisiert sein, naja, ein bißchen Schwund ist halt immer, Ihnen dagegen steht der Schock noch bevor.

Also: ruhig bleiben. Herr Wagner, auch wenn Sie selbst es nicht glauben mögen: Ihre Mutter, die Trümmerfrau ohne rotlackierte Fingernägel und Freizeit, ihre Mutter, die Löwin: sie hatte Sex. Wirklich.

Arger noch, womöglich nicht nur einmal, sondern mehrfach. Es mag gar sein, daß sie Freude daran hatte, das wollen wir nicht ausschließen.

Mindestens einmal aber, und mehr wissen wir wirklich nicht, und ohne Ihrer werten Frau Mutter zu nahe treten zu wollen, hatte Sie Sex. Das wollen wir trotz des Ergebnisses keineswegs bedauern; man freut sich ja an allem Leben in der Welt. Aber ich dachte, Sie sollten es wissen.

Herzlichst,
Ihr R. Wolff

P.S.: Um zu begreifen, daß der Schmonz Ihrer sog. Zeitung über den Familienbericht der Bundesregierung Unsinn ist, muß man ja gar nicht im Nachhinein im Bildblog lesen; es hätte auch genügt, wenn Sie mehr gemacht hätten als nur die Windeln Ihrer Tochter mit Liebe, wie Sie sagen, zu wechseln, sondern auch sonst ein bißchen Hausarbeit verrichtet hätten. Dann wüßten Sie womöglich, daß man mit Kindern nicht mit 2 Stunden und 18 Minuten am Tag für Hausarbeit und Kinderbetreuung hinkommt. Aber Sie bezeichnen sich ja selbst als Macho und sind wahrscheinlich auch stolz darauf, keine Ahnung von derlei Gedöns zu haben. Oder?

P.P.S.: Und wo Sie sich über Frau Simonis’ öffentliches Tanzen mit 63 mokieren: Wenn Sie mit 62 Kolumnen schreiben, dann wirkt das Ergebnis gelegentlich so, als habe man mit einem hirntoten Affen nach einer Schreibmaschine geworfen.

Früh dran

Man kann ja nur erahnen, welche Dramen sich hinter diesen Bildern verbergen. (Aber süß ist die Kleine, vor allem mit Hut.)

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