Sagen Sie jetzt nichts (jedenfalls nicht vor dem 18. Dezember)

Abt. für Film, Kapitalismus 2.0 - Permanent Beta, Medien

Es ist Vorweihnachtszeit, und die Filmverleiher verschenken schon mal Sperrfristen. Zu mindestens drei Filmen ist auf der Einladung zur Pressevorführung derzeit notiert, daß man aber vor dem soundsovielten gefälligst nichts berichten dürfe. Hier sei schon mal die entsprechende Erklärung zur Unterschrift. Das hatten wir nun schon mehrfach in diesem Blog, und daß es nun u.a. auch einen Film trifft, der sowohl deutsche Geschichte als auch Tom Cruise enthält, mag schon zu denken geben.

Allein an den – ersten Reaktionen nach (via) – erwartbar schlechten Kritiken kann’s ja nicht liegen, da wird den Medien schon auch viel Schlechteres und viel weniger Beworbenes und Erwartetes (und erwartbar finanziell Erfolgreiches) dennoch ohne Sperrfrist vorgesetzt, ohne daß das entsprechende Studio Schaden nimmt.

Viel eher ist zu erwarten, daß – und ich wage jetzt einfach mal eine Vorhersage – wenige Tage vor Ende “Veröffentlichungs-Embargos” für Texte über Operation Walküre in der FAZ ein Text von Frank Schirrmacher erscheinen wird, der in Form einer hymnischen Lobpreisung die Macher, insbesondere den neuen Retter Deutschlands, Tom Cruise, portraitieren und für ihren Mut belobigen sowie den Film in aller Form zur letztgültigen Deutung der betroffenen Historie hochschreiben wollen wird.

Schweigepflicht für JournalistInnen

Constantin Film will Ermittlungen im Fall Baader-Meinhof nicht behindern

Abt. für Film, Kapitalismus 2.0 - Permanent Beta

Der Deutsche Journalisten-Verband und die Süddeutsche Zeitung beschweren sich unisono und zurecht über die seltsamen Knebelverträge, die Constantin Film JournalistInnen aufdrücken will, die eine Vorfassung von Der Baader Meinhof Komplex zu sehen bekommen wollen.

Nun ist das einigermaßen bizarr; denn ich kann mir kaum vorstellen, daß Journaille-Horden permanent den Constantin’schen Firmensitz belagern, um möglichst rasch einen Blick aufs Zelluloid erhaschen zu können; dafür sind wir eigentlich für gewöhnlich zu beschäftigt. Stattdessen soll ja die Vorführung Publicity generieren, sonst braucht man sie nicht zu machen, und den JournalistInnen dann den Mund zu verbieten, ist, obwohl’s anscheinend legal ist, schon ziemlich frech. Mit Strafen im fünfstelligen Eurobereich zu drohen, ist ein Skandal.

Daraus kann man, auch aus den von Thomas treffend benannten Gründen, eigentlich nur einen Schluß ziehen: die Berichterstattung zu diesem Film komplett verweigern. Ich schließe mich daher Thomas’ Aufruf an – von mir kriegt der Film jedenfalls keine Zeile. Ich habe auch wirklich Interessanteres zu tun.

Die einzige Alternative zum Boykott hat Lukas schon ausgelotet: Er verrät einfach die ganze Filmhandlung.

Übungsaufgabe: Flapsige Überschriften

Abt. für Film

Ich bewundere es in nicht ganz geringem Maßen, wie manche Seiten mit Filmnews, vor allem eine bestimmte (heute schon wieder!), sich mit flockigen Überschriften zu ihren Texten über Wasser halten. Es scheint mir auch ein sehr angelsächsisches Phänomen zu sein, aber da bin ich vielleicht nur ahnungslos.

Aber das kann man ja üben. Heutiger Beitrag dazu (wer macht mit?) zum neuen Indiana-Jones-Poster:

Breaking: Indiana Jones scheint die Sonne aus dem Arsch!

*wegduck*

Billiger als geschenkt

Abt. für Kapitalismus 2.0 - Permanent Beta

Pressekonditionen

Schon Wahnsinn, was sich die Unternehmen an Sonderkonditionen einfallen lassen, um bei JournalistInnen gut anzukommen …

Qualitätsquatsch

Abt. für Film, Medien

Jetzt mal davon abgesehen, daß Spiegel Online hier einen aktuellen Artikel ohne Nachrichtenwert mit einer fünf Monate alten Fotostrecke ohne Nachrichtenwert verknüpft – in einer einzigen Bildunterschrift zzgl. Bild derartig viele Fehler unterzubringen, wie das unser Qualitätsmedium No. 1 hier vollbringt, das ist echt nicht einfach:

Angelina Jolie bei Spiegel Online (Screenshot)

Leute, da spielt Jolie ja eine bessere Journalistin, als Ihr es je sein werdet. Weia.

Journalismus von unten

Abt. für Internet & Blogdings, Medien

Sehr schön: Bei Beckmann spricht man vermeintlich frank und frei übers Dopen im Radsport, will die Sendung aber nicht wiederholen, und dann ist da noch eine Tonstörung… die anscheinend keine ist. Und sich herausfiltern läßt. Was irgendwie hübsch ist (Fernsehen 2.0: Glotze mit Userbeteiligung) und andererseits irgendwie peinlich bzw. lehrreich: Wenn Du etwas nicht senden willst, dann sende es gar nicht. Piepsen bringt nichts.

(via)

Auszeichnung als Doofes-Internet-Journalist des Jahres

Abt. für Internet & Blogdings, Medien

Herr Knüwer hat recht: Daß ausgerechnet, of all people, Henryk “Internet macht doof” M. Broder zum “Onlinejournalist des Jahres” gewählt wurde, das ist doch nur noch zum Lachen bzw. Heulen bzw. Kopfschütteln, wobei Vorsicht: der ist ja hohl.

Weil Journalismus ja Kontrollmechanismen hat

Abt. für Medien

… kann Spargel Online einen Artikel mit der Überschrift “Terroristen suchen Ziele mit Google Earth” publizieren, in dem es dann später heißt:

Die Aufnahmen seien zwar kein Beweis dafür, dass die Terroristen ihre Anschläge auf der Basis von Google Earth planten, sagte der Geheimdienstoffizier. “Aber sie sind ihnen offenbar von großem Nutzen. Warum sonst sollten sie Google-Earth-Bilder von unseren Camps haben?”

Soweit alles unoriginell. Daß sich allerdings Google mit den Worten zitieren läßt, man habe “natürlich” “immer ein offenes Ohr für die Bitten einer Regierung”, ist doch ein bißchen gruselig. Was wird noch von der Landkarte gelöscht?

Our informal corporate motto is “Don’t be evil.”

Ich bin doof. Weil, wegen Internet

Abt. für Internet & Blogdings, Medien

Henryk M. Broder macht sich heute im Berliner Tagesspiegel mal so richtig differenzierte Gedanken zur freien Meinungsäußerung im Internet.

Mit dem Recht, eine Meinung verbreiten zu können, verhält es sich so wie mit den meisten Rechten, die auf einer unausgesprochenen Vereinbarung beruhen: Wenn sie von allen wahrgenommen werden, schaffen sie sich selbst ab.

Ja. Das ist ja bekanntermaßen auch mit dem Wahlrecht so: Wenn alle wählen dürfen, das kann nicht funktionieren, das muß Diktatur geben. Dann doch am besten gleich eine (unter H.M.B., natürlich).

Der ansonsten so penible Herr Broder empfand es anscheinend nicht einmal als nötig, sein Vokabular durchzusehen (man meldet, schreibt er, eine “domaine” an, das WWW ist irgendwie mit dem Internet identisch, u.s.f.) und hält seine eigene Unfähigkeit, in der Kakophonie, in die sich die Meinungsfreiheit online angeblich auflöse, für Struktur und Schwerpunkte zu sorgen, für das Grundübel der Welt:

Das WWW ist auch maßgeblich für die Infantilisierung und Idiotisierung der Öffentlichkeit verantwortlich.

Herr Broder, da würden mir auch noch RTL, die Bild-Zeitung, der Spiegel und einige andere Medien als potentielle Kandidaten einfallen. Und ob die von ihnen so hochgehaltene Filter- und Auswahlfunktion der gewissermaßen “Organisierten Medien” (hat ja was von Organisierter Kriminalität) wirklich funktioniert, wage ich zu bezweifeln, erreichen mich doch immer gern und immer wieder so ahnungslos dahingerotzte Texte wie Ihrer, die dann als “Kommentar”, “Position” oder “Meinung” deklariert werden, weil sich eine Verankerung in konkreten Fakten leider nicht herstellen ließ.

Da sind mir doch ehrliche, unverfrorene Beschimpfungen in Weblogs wesentlich lieber, in denen sich niemand hinter dem Untergang des Abendlandes verschanzt.

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