Franz Josef Wagner beschimpft deutsche Soldaten als Tiere!

Abt. für Medien

Die Sache mit den Schädeln liegt zwar jetzt schon ein paar Tage zurück, und die deutsche Welt schaut inzwischen gebannt, wenn auch gleichgeschaltet, auf auf JVA-Dächern herumstehende mutmaßliche Sexualstraftäter, aber es soll doch nicht verschwiegen werden, daß Bild-Kolumnist F. J. Wagner sehr verklausuliert, aber deshalb nicht weniger deutlich am 26. Oktober seiner Ansicht Ausdruck verlieh, deutsche Soldaten seien Tiere.

Er schrieb seinerzeit den lieben deutschen Soldaten wegen der Fotos am Hindukusch.

Er schäme sich als Deutscher (ob er sich auch sonst, so als Franz Josef Wagner und z.B. für seine Kolumnen, äh Briefe, äh für sein ahnungsloses Geschreibsel schämen kann, ist nicht bekannt, gilt jedoch für gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen als eher unwahrscheinlich), aber zugleich spüre er in den Bildern die Angst und die Verzweiflung.

Und er rät: Ich würde unsere Soldaten vom Hindukusch abziehen, weil sie Menschen bleiben sollen. Und keine Tiere.

Nun bin ich nicht der gekrönte King of German Satzbau, aber ich jedenfalls lese in diese Satzhäufung hinein, daß die Soldaten, so man sie nicht vom Hindukusch abziehe, sie eben nicht Menschen blieben, sondern Tiere. Was also voraussetzt, daß sie … ja doch, Tiere sind.

Irgendwie stammen wir eben doch alle von einem gemeinsamen Vorfahren mit dem Affen ab. Und F. J. Wagner (herzlichst!) ganz besonders.

Post an Wagner

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen, Medien

Lieber Franz Josef Wagner,

am Montag wollen Sie, wie jeden Tag aufs Neue, von Ihren LeserInnen gewählt werden. Liest noch jemand den Schmock, kauft ihn gar jemand? Haben Sie es verdient?

“Regierenden ‘Partymeister’” haben Sie heute Klaus Wowereit genannt, der sich morgen hier in Berlin zur Wahl stellen will. Regierend stimmt, Partymeister nicht. Wowereit ist Bürgermeister, und ihre Anspielung darauf, daß Herr Wowereit eine Zeitlang angeblich nur auf Parties, nicht aber beim Regieren gesehen wurde, ist so langweilig und abgenutzt wie bärtig (und gleiches gilt auch für den politisch aussagefreien Wahlwerbespot der CDU). Es gibt nämlich nicht nur in Berlin grundsätzlich zwei Herangehensweisen an Wahlkampf, eine erträglich und eine unerträglich.

Es gibt die wunderbare Herangehensweise, sich mit Argumenten den Wettstreit um die bessere Lösung zu liefern; hierbei wird, selten genug kommt es vor, tatsächlich politische Willensbildung betrieben. Es ist menschlich, darauf verzichten zu wollen, aber ist es auch zeitungskolumnenschreiberisch? Was ist, fragen Sie sich anscheinend, mit den haltlosen und billigen persönlichen Angriffen, die sonst vielleicht niemand machen würde, was ist mit inhaltsfreien Slogans? Sie sind die Form politischer Willensbildung, die ihre Zeitung schon heute betreibt, sie wird es auch morgen sein.

Wissen sie, Franz Josef Wagner, ich habe kein Problem mit Klaus Wowereit. Ich habe ein Problem mit einem Fatzke wie Ihnen, der andere beschimpft, aber keine Argumente hat. Und ich habe ein Problem mit Ihrer “Zeitung”.

Herzlichst,
Ihr R. Wolff

Post an Wagner

Abt. für Gender Trouble

Lieber Franz Josef Wagner,

Sie müssen jetzt sehr, sehr stark sein. Setzen Sie sich erst einmal. Wissen Sie, es gibt Dinge, die muß ein Mann, die muß auch eine Frau irgendwann einmal erfahren. Normalerweise wird das irgendwann im Kontext der Pubertät ein für allemal erledigt, der eine oder andere mag dann traumatisiert sein, naja, ein bißchen Schwund ist halt immer, Ihnen dagegen steht der Schock noch bevor.

Also: ruhig bleiben. Herr Wagner, auch wenn Sie selbst es nicht glauben mögen: Ihre Mutter, die Trümmerfrau ohne rotlackierte Fingernägel und Freizeit, ihre Mutter, die Löwin: sie hatte Sex. Wirklich.

Arger noch, womöglich nicht nur einmal, sondern mehrfach. Es mag gar sein, daß sie Freude daran hatte, das wollen wir nicht ausschließen.

Mindestens einmal aber, und mehr wissen wir wirklich nicht, und ohne Ihrer werten Frau Mutter zu nahe treten zu wollen, hatte Sie Sex. Das wollen wir trotz des Ergebnisses keineswegs bedauern; man freut sich ja an allem Leben in der Welt. Aber ich dachte, Sie sollten es wissen.

Herzlichst,
Ihr R. Wolff

P.S.: Um zu begreifen, daß der Schmonz Ihrer sog. Zeitung über den Familienbericht der Bundesregierung Unsinn ist, muß man ja gar nicht im Nachhinein im Bildblog lesen; es hätte auch genügt, wenn Sie mehr gemacht hätten als nur die Windeln Ihrer Tochter mit Liebe, wie Sie sagen, zu wechseln, sondern auch sonst ein bißchen Hausarbeit verrichtet hätten. Dann wüßten Sie womöglich, daß man mit Kindern nicht mit 2 Stunden und 18 Minuten am Tag für Hausarbeit und Kinderbetreuung hinkommt. Aber Sie bezeichnen sich ja selbst als Macho und sind wahrscheinlich auch stolz darauf, keine Ahnung von derlei Gedöns zu haben. Oder?

P.P.S.: Und wo Sie sich über Frau Simonis’ öffentliches Tanzen mit 63 mokieren: Wenn Sie mit 62 Kolumnen schreiben, dann wirkt das Ergebnis gelegentlich so, als habe man mit einem hirntoten Affen nach einer Schreibmaschine geworfen.

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