Sagen wir es kurz und knapp: The Golden Compass ist ein kleines, ach was: großes Meisterwerk des Fantasykinos. Locker so gut wie Der Herr der Ringe, aber nicht ganz so monumental und pathetisch veranlagt, und mit den definitiv besseren Frauenrollen. Und natürlich sowieso um Längen besser als Eragon oder die Chroniken von Narnia.
Wohin die Reise geht
Abt. für Film
Bad Review Revue: Beowulf
Abt. für Film
In der großen Tradition von Matthew Baldwin machen wir heute und hier einen ganz kleinen Anfang mit, yeah, Beowulf! In der Besprechung von David Kleingers für Spiegel Online.
[Sie dichten] sich einen wahren Beowulf [aua!] für ihren aufgepfropften, vulgärfreudianischen Vater-Mutter-Kind-Konflikt, gegen den der ödipale Familienzwist in “Star Wars” wie ein subtiles Psychogramm wirkt.
Das erbarmungswürdige Ergebnis erinnert nun an “Denver Clan” für Altphilologen. [...]
Viel ist über Angelina Jolies vermeintlich anzüglichen Auftritt geschrieben worden, der wie bei allen Darstellern mittels neuester Performance Capture-Technik digital formvollendet abgetastet wurde. Nun, wer sich an güldenen Grottenolmen mit Stöckelschuhwerk erregt, darf seinen seltenen Fetisch hier voll ausleben.
Eragon
Oder: Wenn BloggerInnen nett behandelt werden
Abt. für Film, Kapitalismus 2.0 - Permanent Beta

Man kann über Eragon sagen, was man will – neben dem süßen Drachenbaby, auf das ich an anderer Stelle hinweise [Text folgt demnächst], hat außerdem Sienna Guillory (diese junge Dame alias Jill Valentine aus Resident Evil: Apocalypse) äußerst schicken Kampfhaarschmuck, den vielleicht kleidsamsten, der mir bei Kinokriegerinnen seit längerem untergekommen ist.
Zur Pressevorführung wurde ich übrigens gewissermaßen “unaufgefordert” auch explizit und extra als Blogger eingeladen (mit Kindern und deren Freunden – ich habe den Zwerg aber mal lieber in der Kita gelassen), wie im Übrigen auch Christian, der über den Film auch schon geschrieben hat. Fox versucht also anscheinend (oder probiert zumindest damit herum), gezielt die Zielgruppe(n) anzusprechen – jung, potentiell an Fantasy und Science Fiction interessiert, definitiv film- und mediengeil, in diesem Fall wohl auch noch: männlich. Das ist, selbst wenn die Kritiken/ Besprechungen/ Meinungen/ Blogeinträge verhalten ausfallen, immer noch sehr klug und billige Publicity. Universal Pictures scheint ja eine andere, ziemlich unkluge Schiene zu fahren.
Ich kann zwar verstehen, daß man nicht Hinz und Kunz in die Pressevorführungen laden will – irgendwer soll ja auch Eintritt zahlen -, aber Onlinemedien nur, wenn sie an einen “Print- oder TV-Titel gebunden sind”? Dann könnten wir critic.de ja auch dicht machen. Igors Argumente sind da schon sehr treffend. Und von so Sachen wie Zielgruppenansprache und viralem Marketing wollen wir jetzt mal gar nicht sprechen.
Double Bond (mit Bonustrack)
Abt. für Berlinalia, Film
Es könnten auch zwei unterschiedliche Filme gewesen sein, aber – ohne das neueste Bond, James Bond-Vehikel gesehen zu haben – bei rechter Betrachtung stellt sich dann doch das Gefühl ein, daß die sehr schätzenswerte Katja Nicodemus und der nicht minder wertvolle Sascha Keilholz den gleichen Casino Royale gesehen haben. Lesenswert sind jedenfalls beide Kritiken, und sie im Vergleich mit- und gegeneinander zu lesen zeigt den weiten Interpretationsraum, den gute Filmkritik öffnet. Und ich bin jetzt durchaus in Bond-Erwartung ein wenig hibbelig geworden.
Bonustrack: Hot Wheels in Kreuzberg
Frau Nicodemus (zufälligerweise, Kreuzberg ist klein, Bekannte einer Bekannten) hat außer für den Film wohl auch ein Faible für schnelle, schöne Autos. Wohl deshalb ließ die Zeit-Redaktion sie mal ein bißchen Ferrari Scaglietti fahren. Ihr Erlebnisbericht von den Berliner und vor allem Kreuzberger Straßen ist bestes Autokino und vor allem eine zeitlich eher zufällig sehr gut in die aufgeregten Zeiten passende Erinnerung daran, daß die türkischstämmige Jugend im Wrangelkiez vor allem eins ist: total normal.
Borat, nochmal
Abt. für Film
Ich kann mich, ehrlich gesagt, nicht erinnern, wann ich zuletzt in der Süddeutschen Zeitung eine derart hymnische Lobpreisung eines Films gelesen habe: Borat Sagdiyev, der lustigste Mann der Welt.
Säulenheiliger der Filmgeschichte
Kevin Costner macht sich in The Guardian unsterblich
Abt. für Film
Vergangene Woche hatte ich das Pech, in der Sneak-Preview in The Guardian zu landen. Ich meide eigentlich Herrn Costner, wo es nur geht, im Fernsehen ist er mir allenfalls noch erträglich – da kann man abschalten und gut is’. Ich weiß, das Kino könnte ich verlassen, aber das habe ich selbst seinerzeit bei Pizza Colonia nicht getan, und ganz in diese Tiefen versinkt The Guardian dann doch nicht.
Obwohl es natürlich um Hochseerettung geht und um muskulöse Männer, die sich tapfer durchs Wasser pflügen. Nebenbei geht des einen Ehe in die Brüche (Costner), während ein anderer (Kutcher) irgendwie erst lernen muß, seine Liebe (Melissa Sagemiller, neben Bonnie Bramlett eine der wenigen Lichtgestalten in diesem Film) auch wirklich als solche zu verstehen.
Zwischendrin gibt es also eine Ersatzvater-und-Ersatzsohn-Geschichte, die irgendwie zu einer Held-und-sein-Nachfolger-Geschichte wird und schon beim Nachdenken darüber langweilig scheint. Eine militärischer-Drill-ist-gut-Geschichte wird natürlich auch noch erzählt, aber all das ist halbherzig und ohne Verstand zusammengeschustert, bis nichts mehr paßt und der Film an allen Enden Löcher bekommt. Einigermaßen stereotyp eingeführte Figuren (die blonde Rettungsschwimmerin, der token black male, der Typ, der seine Ängste überwinden muß) verlassen dann plötzlich, zum Teil ohne Anlaß, einfach das sinkende, leckgeschlagene Schiff.
Das letzte Stück des Films wirkt schon nur noch angehängt, und mit all der Action und Menschelei ist die ganze Unternehmung mindestens eine gefühlte Stunde zu lang. Am Ende geht Costner als Säulenheiliger mit nur einem Gesichtsausdruck und Heiligenschein in die Filmgeschichte ein, wenn er erst ertrinkt und dann zum übernatürlichen Beschützer im Meer wird, der Ertrinkenden Mut zuspricht, bis die Männer vom United States Coast Guard, yes sir! endlich da sind.
Womit wir irgendwie wieder bei Waterworld wären, aber das ist eine nicht weniger kitschige Geschichte.
(Auch lesenswert: die Kritik bei critic.de)
Borat-Blogathon
Abt. für A Series Of YouTubes, Film, Internet & Blogdings
Thomas ruft zum Berlin-Borat-Preview-Blogathon. (Die von anderswo dürfen aber auch Mitmachen, denke ich mal.)
Von Anlaß und Gelegenheit hatte ich ja schon berichtet; anläßlich einer kasachischen Anzeigenkampagne in den USA sowie des dazugehörigen Staatsbesuches hat Borat jetzt eine Pressekonferenz gegeben (gefunden auf der häßlichen neuen Titanic-Seite):
Fluch der Karibik 2
Abt. für Film
Der Film funktioniert so ähnlich wie eine Kissenschlacht
schreibt Susan Vahabzadeh in der SZ, und natürlich hat sie ganz und gar nicht Unrecht, wie auch ich finde. Tobias Rapp hingegen, der sich für seine Kritik anfangs stilistisch an The Princess Bride anlehnt, verreißt den ganzen Film (allerdings sehr gekonnt), bis auf – natürlich, wie könnte man anders – Johnny Depp:
Einen Seeräuber, der so sehr jenseits der klassischen Codes von Männlichkeit operiert und dabei gleichzeitig so umwerfend sexy ist, dürfte es im Hollywoodkino noch nie gegeben haben
Aye! (Und nicht vergessen: am 19. September ist Talk Like A Pirate Day!)
Mit Audrey Tatou und Leonardo Da Vinci in den Urlaub
Abt. für Film
Meiner Kritik von The Da Vinci Code ist vielleicht nur noch hinzuzufügen, daß folgender Satz in der Endfassung keinen Eingang fand:
[...] Gegenüber seiner Vorlage fällt der Film deutlich ab. Es ist ja nicht nur so, dass man Sakrileg gut mit in den Urlaub nehmen und am Strand oder im Hotel nach Herzenslust schmökern konnte, während man Audrey Tatou nun einmal leider, leider nicht mit in Urlaub nehmen kann. [...]
Der gegenlesende Kollege meinte, das sei wohl doch ein wenig zu flapsig; und wo er Recht hat, hat er Recht.
Filmkritik: persönlich, kurz, klar
Abt. für Film, Metabloggen
Doof, aber Jessica Biel.
(frenzy über Blade: Trinity)
Final Destination 3
Abt. für Film
Der Vorspann demonstriert, was Schnitt, Kameraführung und Musik so leisten können: Aus einem Vergnügungspark machen sie im Handumdrehn einen äußerst gruseligen Ort. Zurecht, wie sich bald darauf zeigt, denn natürlich fliegt die Achterbahn aus ihren Schienen und zerlegt dabei ihre Insassen schön kameratauglich in häßliche Stücke.
Die Prämisse von Final Destination 3 (imdb) ist einfach – wen der Tod einmal ausgewählt hat, den holt er sich. Das war schon in den ersten beiden Filmen so (die ich bislang nicht kenne), das ist auch hier so: ein Mädchen hat eine Vorahnung, einige andere steigen wie sie aus der Bahn aus, und eine nach dem anderen lassen sie bald darauf durch freak accidents ihr Leben. Daß da eine Unwahrscheinlichkeit auf die andere gestapelt wird, macht in der Logik des Films nichts aus, da hier ja der Tod persönlich ans Werk geht, und entsprechend geht nicht nur blutig, sondern bildschirmtauglich viszeral: Blut spritzt, Gehirnstücke fliegen.
Natürlich muß man sich einen solchen Abzählreim aus der Abteilung Kreatives Töten nicht unbedingt ansehen; Final Destination 3 ist aber immerhin grundsolides Schreckenshandwerk. Daß das Ganze auch in der zweiten Fortsetzung noch zu funktionieren und zu gruseln scheint, liegt vor allem daran, daß hier eine Grundangst angesprochen wird: schon längst dem Tode geweiht zu sein, ohne es zu wissen, und je mehr man sich wehrt, umso schlimmer wird es.
Vor allem verläßt man das Kino aber mit einer gehörigen Portion Respekt vor scharfen Klingen, elektrischen Geräten und allem, was sich unerwartet von der Wand lösen kann; als Lehrvideo zur Vermeidung von Unfällen am Arbeitsplatz und im Haushalt wäre Final Destination 3 vielleicht nicht die schlechteste Wahl.
Auf dem Heimweg hatte ich auch immerzu das Gefühl, dem Tod immer wieder nur knapp entronnen zu sein; aber das ist wohl einfach Fahrradfahren in Berlin.
Criticker
Abt. für Film, Internet & Blogdings
Bei filmz.de habe ich von Criticker gelesen, der Personalized Film Recommendation Engine
, Home of the TCI
, wobei “TCI” für “Taste Compatibility Index” steht.
Das Grundprinzip ist gewissermaßen ein social film criticism
: wenn man – nach einer sehr schlichten Anmeldung – eine Reihe von Filmen mit einer Note zwischen 0 und 100 bewertet hat (hier sind meine Bewertungen versammelt), lassen sich Ähnlichkeiten zu den Bewertungen anderer “Kritiker”, vulgo: User, statistisch herauskristallisieren (was natürlich umso besser funktioniert, umso mehr Filme man bewertet) – und aus deren Empfehlungen können dann zumindest Wahrscheinlichkeitsaussagen darüber gemacht werden, was einem selbst auch gefallen könnte. (Hier wird’s von den Machern selbst erklärt.)
Das funktioniert anscheinend relativ gut, jedenfalls sind unter den mir empfohlenen Filmen bemerkenswert viele, die ich mir sowieso immer schon ansehen wollte, weil ich den Verdacht hatte, sie könnten mir gefallen. Das ist nicht weiter überraschend, ebensowenig wie es erstaunt, daß bestimmte spezielle Vorlieben (in meinem Fall etwa eine gelegentliche Vorliebe für vollkommenen Trash sowie ein akademisches Interesse an bestimmten Filmen, die ich sonst mit dem *rsch nicht ansehen würde) eher schlecht abgebildet werden; dafür müßte eine Verfeinerung nach Untergruppen stattfinden, die offensichtlich (derzeit?) noch fehlt.
Neben dem fehlenden Überraschungsmoment irritiert mich das – hier sehr funktional einsetzbare – Bewertungsmodell; es hat ja seine Gründe, daß wir drüben bei critic.de kein Daumen-hoch-Daumen-runter-System haben, Sterne oder Noten vergeben: Das wird kaum einem Film gerecht. (Okay, mit gelegentlichen Ausnahmen: Die Maske 2 etwa ist Daumen runter, keine Sterne usw.) Zugleich habe ich das Gefühl, ich käme mit einem gröberen System (zum Beispiel Punkte von 0 bis 10 statt von 0 bis 100) besser zurecht, weil es die Schwierigkeit einer genauen Hierarchisierung, die sich aus dem 100 Punkte-System unmittelbar ergibt, zumindest spiegelt: daß es nämlich nur um eine Grobeinteilung gehen kann; genauer ist hier ungenauer, weil so eine Genauigkeit vorgetäuscht wird, die nicht erreichbar ist.
So bewerte ich denn allenfalls in fünf-Punkt-Schritten (90-85-80) und traue mich kaum, die höchsten und niedrigsten Plätze zu vergeben. Ein altes Statistik-Problem bei Befragungen: um die Mitte rum knubbelt’s sich dann, ganz ohne Normalverteilung.
Ein lustigstes Spielzeug ist Criticker aber schon, und den einen oder anderen Film, den die mir “ähnlichsten” anderen User besonders empfehlen, sollte ich mir langsam wirklich mal ansehen.
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