Empfehlungen zum Fantasy Filmfest

Abt. für Film

Ich habe im vergangenen Jahr ja relativ fleißig und für blairwitch.de über das Fantasy Filmfest berichtet; das wird mir in diesem Jahr so leider nicht möglich sein. Allerdings habe ich schon im Vorfeld einige Filme hier in Frankreich im Kino oder auf DVD sehen können und habe darüber in meinem ausgelagerten, noch ziemlich frischen Filmblog Butt-kicking Babes das eine oder andere Wort verloren.

Heute morgen habe ich dort auch meine Empfehlungen und minimalen Warnungen gepostet. Der Text wird bei Bedarf und nach weiteren Sichtungen vorsichtig ergänzt. Bitte hier entlang >>

FFF 08: Tag 6 (und Schluß)

Abt. für Film

Wenig Happy Endings hatte Rainer Stefan für dieses Fantasy Filmfest versprochen – zur Zeit seien die Mangelware, das Festival etwas ernsthafter als in den vergangenen Jahren, schon vom Auftaktfilm an. Auch heute wurde ich mit glückseligen Schlußmomenten nicht eben verwöhnt, aber das paßt dann ja vielleicht ganz gut. Für mich waren’s heute die letzten drei Filme, das sehe ich ein bißchen mit Wehmut, man gewöhnt sich ja daran, quasi im Kino zu wohnen.

Shuttle

Szenenbild Shuttle

Gruselgeschichten vom letzten Bus, in dem man dann allein mit dem Busfahrer, und der Busfahrer ist gar nicht so nett… gehören wohl zu den hartnäckigen Urban Legends. Shuttle variiert das Thema mit einem Flughafenbus, der nicht ganz die Richtung nimmt, die er sollte. Daraus wird dann ein Abzählreimfilmchen ohne allzu große Ambitionen und Überraschungen (die erwartbaren Schockeffekte und Plottwists treten meist auch ein), das aber dennoch ganz gut funktioniert und nur im mittleren Drittel ein wenig Beschleunigung vertragen könnte. Aber so ein Shuttlebus ist ja kein Rennauto.

Mad Detective

Szenenbild Mad Detective

So richtig erwärmen konnte ich mich für diesen asiatischen Polizeifilm mit Wahrnehmungsstörung nicht. Der Polizist Bun konnte zwar dank seiner, äh, unorthodoxen Methoden und der Fähigkeit, in andere Menschen hineinzublicken, viele Fälle lösen, ist aber nach einem Vorfall, der ihm eine Ohrprothese einbrachte, aus dem Polizeidienst ausgeschieden worden. Nun aber bittet ihn ein junger Polizist, ihm bei der Suche nach einem verschwundenen Polizisten zu helfen. Johnnie Tos Sparrow hat mir auf der letzten Berlinale sehr gut gefallen, aber die Eleganz und die spielerische Inszenierung vermisse ich hier. Zwar ist der Film durchaus recht lustig, aber interessiert hat mich die Geschichte zu keinem Zeitpunkt wirklich.

The Brøken

Szenenbild The Broken

Spiegel sind auch so ein Thema dieses FFF – in Mad Detective offenbaren sie sonst nicht Sichtbares, und in Mirrors werden sie vermutlich (hehe, super Scherz!) auch eine gewisse Rolle spielen. Schließlich haben Spiegel und Kameras ein gewissermaßen naturgegebenes Liebesverhältnis – beide arbeiten mit Abbildern, in denen wir uns erkennen (sollen und wollen) und doch nie uns selbst sehen – sondern immer nur das Bild. The Brøken macht daraus eine solide Geschichte mit Körperfresser-Elementen, die durchweg sauber, wenn auch, vom Ende her gesehen, nicht völlig konsequent inszeniert ist. Außerdem spielt Lena Headey die Hauptrolle, die ich gerade in den Sarah Connor Chronicles ganz toll fand, die auch in Die Girls von St. Trinian eine kleine Nebenrolle spielt, und die ansonsten noch viel zu viel unterhalb meines Wahrnehmungsradars war.

(Fotos: Fantasy Filmfest)

FFF 08: Tag 5

Abt. für Film

Langsam schleicht sich Erschöpfung in meine Knochen. Gestern brauchte ich erst einmal Pause bis 19 Uhr, auch zum Schreiben – neue Langkritiken sind jetzt online von Awake, Midnight Meat Train und Repo! The Genetic Opera. Heute sehe ich noch ein paar letzte Filme; ab morgen nehme ich mir eine Auszeit zur Erholung.

The Strangers

Szenenbild The Strangers

Hochgradig reduzierter und effektiver Thriller, der seine Spannungs- und Schockmomente vor allem über das Visuelle und übers Sounddesign erzeugt. Im Grunde passiert nicht viel: Ein Paar kommt nach Hause, drei Fremde erwarten sie und spielen Versteck- und Prügelspielchen. Gesprochen wird nicht viel, und im Grunde passiert auch die meiste Zeit nicht viel Schreckliches. Daß das nicht nötig ist, um zu fesseln und zu ängstigen, sagt viel darüber aus, wie geschickt der Film gemacht ist.

Virus Undead

Szenenbild Virus Undead

Gewisse Hoffnungen durfte man sich vielleicht doch machen: Ein deutscher Horrorfilm! Das könnte was werden! War’s aber nicht. Die Story um zombieartige Aggressionsausbrüche bei Menschen, die mit einer Vogelgrippenvariante infiziert wurden, ist ja sowas von mindestens 28 Tage zu spät. Noch dazu kommt es mit eher lauen Splattereffekten und digital mehr schlecht als recht eingefügten Vögeln. Auch fangen die Schauspieler ab etwa der Mitte des Films an, sehr seltsame Sachen zu sagen, die sich aus dem bisherigen Geschehen heraus nicht herleiten lassen. Spätestens da hätte ich gehen sollen. Schade. Zombies auf dem ostdeutschem Land, das hätte was sein können; und Potential hätte der Film durchaus.

It’s Alive

Szenenbild It's Alive

Nominell ist das wohl ein Remake von Larry Cohens Die Wiege des Bösen (It’s Alive) von 1974, de facto wohl eher eine Variation auf das Grundthema: Neugeborenes Baby entpuppt sich als menschenfressendes Monstrum. Ein guter Tip also für Elternschaftsparanoiker, die sich hier vollständig bestätigt fühlen dürfen.

Der Film changiert zwischen äußerst ernsthaft inszenierten Thrillerszenen und eher albernem Splatter; je länger die Mutter dem mörderischen Treiben ihres Kindes allerdings zusieht, umso weniger glaubwürdig wird der Film. Denn Mutterliebe allein scheint dafür wirklich keine ausreichende Erklärung zu sein, und der Vater ist, scheint’s, blind und taub und doof. Am Schluß ist man froh, es hinter sich gebracht zu haben.

(Fotos: Fantasy Filmfest)

FFF 08: Tag 4

Abt. für Film

Weil sich meine Pläne für die nächsten Tage komplett geändert haben, sieht auch mein FFF-Programm jetzt ganz anders aus. Mal sehen, was noch geht… Gestern ging (in aller Kürze, heute ist noch viel zu tun, Waschmaschine läuft):

L’Auberge Rouge/The Red Inn

Szenenbild The Red Inn

Fröhliche Komödie in einem nicht wirklich historischen akkuraten Setting in den Pyrenäen irgendwann nach der Französischen Revolution. Zwei Wirtsleute nebst Kindern meucheln ihre Gäste und leben davon ganz gut. Leider wird eine neue Straße gebaut, die den Weg an ihrem Gasthaus vorbei obsolet macht, und deshalb wollen die beiden noch einmal richtig abräumen, als eine Gruppe wohlhabender Reisender vorbeischaut.

Das ist sehr albern, aber erstaunlich lustig, zumal der Film nicht auf puren Slapstick oder Zoten vertraut, sondern den Humor aus den Figuren und aus den Situationen heraus entwickelt. Wird bis zum allerdings etwas hinausgezogenen Schluß kaum langweilig.

Awake

Szenenbild Awake

Es ist wohl ein rechter Albtraum, während einer Operation narkotisiert aber hellwach und schmerzempfindlich zu sein. Allein aus den Schmerzen ließe sich wahrscheinlich ein wahrhaft furchterregender Film machen, aber dazu müßte man natürlich wissen, wie man das inszeniert. Das weiß Joby Harold nicht so genau, aber das Thema Schmerzen ist dann auch, obwohl das in der Filmlogik nicht besonders konsequent ist) schnell abgehakt – hier geht es um eine ganz andere Geschichte, die sich dem Patienten (Hayden Christensen, der offenbar sogar ein bißchen spielen kann) aus dem Geschehen um den OP-Tisch offenbart. Dummerweise weiß man mit ein bißchen Filmerfahrung schon allzu bald, wohin der Hase läuft, und dann dauert es noch eine ganze Weile, bis die anderen es auch alle kapiert haben. Und, jetzt mal ehrlich: Jessica Alba allein ist auch kein hinreichender Grund, sich den Film anzusehen.

Let The Right One In

Szenenbild Let The Right One In

Zweifellos der bisher beste Film des (meines) Festivals; eine präzise fotografierte, subtile Coming-of-Age-Geschichte, die eher zufällig auch eine Vampirgeschichte ist. In der trocken-realistischen Welt von Let The Right One In (zu Weihnachten als So Finster Die Nacht auch bundesweit im Kino) wirken die Fähigkeiten des Vampirs Eli umso intensiver, sie dominieren den Film aber zu keinem Zeitpunkt. Stattdessen geht es ein bißchen ums Erwachsenwerden, vor allem aber um Freundschaft, Vertrauen und wie es ist, ein Außenseiter zu sein. Atemberaubend schön.

Dance Of The Dead

Szenenbild Dance of the Dead

Gerade wenn man denkt, nur stereotype Trashgenrekost vorgesetzt zu bekommen, dreht einem so ein Film eine lange Nase. Dance Of The Dead ist nicht nur unterhaltsam, sondern streckenweise sogar sehr, sehr lustig, jedenfalls für Zombiefans. Der Splatterhumor ist treffend, die Inszenierung ausreichend albern und die Charaktere herzergreifend überzogen. Der Film ist so zugleich Neubelebung der Splatterkomödie als auch Hommage an die Highschool-Komödien der 80er Jahre; nicht von ungefähr hat man zuweilen das Gefühl, deren Protagonisten seien hier noch einmal wiederbelebt worden. Untot oder lebendig, je nachdem.

(Fotos: Fantasy Filmfest)

FFF 08: Tag 3

Abt. für Film

Szenenbild Like A Dragon

Like A Dragon

Bunt geht’s zu in Tokio, brutal und durchweg durcheinander. Ein junges Pärchen findet Gefallen am Stehlen und zieht mit Gesichtsmaske und Messer durch die kleinen Läden der Stadt. Ein frisch entlassener Yakuza findet seinen Boss nicht mehr, wohl aber reichlich Leute, die ihn verprügeln wollen. Zwischendrin sucht ein Mädchen seine Mutter, und ein koreanischer Killer sammelt Informationen. Flott ist das, sogar spaßig, wenn man absurde Schieß- und Prügelorgien lustig finden kann, aber inhaltlich und sonstwie ist das alles ziemlich egal und darf schnell wieder vergessen werden.

Jack Brooks, Monster Slayer

Szenenbild Jack Brooks

Sagen wir’s direkt: Trash vom Feinsten. Jack Brooks ist sicher kein Film für einen differenziert nachdenklich gestalteten Abend, feiert aber mit Freude das gute, alte Monsterkino, als die Biester noch aus Latex waren (nicht aus Pixeln), unter dem ein Mensch schuftete und schwitzte. Der Held ist ein jungenhafter Installateur mit traumatischer Kindheit und einem echten Problem beim Anger Management. Das erweist sich im Umgang mit menschenfressenden Ungetümen als durchaus sinnvoll anwendbarer Charakterzug. Die unwichtigste, aber dennoch beantwortete Frage des Films: Will he get the girl? (Besprechung in der New York Times)

My Name is Bruce

Szenenbild My Name is Bruce

Wo Jack Brooks nostalgisch Trash (und sehr explizit auch die Evil-Dead-Filme) feiert und nachbaut, blickt Bruce Campbell, der Held von My Name is Bruce, erstmal ziemlich frustriert auf seine B-Movies zurück. Er dreht sie noch immer, und sie werden nicht besser. Gerade dreht er “Cave Aliens 2″, da treten die Bewohner des Städtchens Gold Lick an ihn heran, die ein Problem mit einer sehr wütenden chinesischen Gottheit haben. Ob der Held so vieler Monsterfilme ihren persönlichen Unhold vielleicht rasch mal zurück unter die Erde bringen könnte?

Bruce müht sich redlich, und hinein kommt in diese von Campbell selbst inszenierten Klamotte neben der eher simplen Geistergeschichte noch etwas Satire auf den Starkult und seine Protagonisten; heraus kommen einigermaßen unterhaltsame 90 Minuten ohne bemerkenswerten Mehrwert. Glücklicherweise geht der Regisseur mit seinem Star (also sich selbst) nicht allzu zimperlich um.

(Fotos: Fantasy Filmfest)

FFF 08: Tag 2

Abt. für Film

Acolytes

Szenenbild Acolytes

Hier ist viel Einsamkeit: Die Figuren dieses Films stehen gerne alleine im Bild herum. Natürlich heißt das auch, daß sie einander entfremdet sind, das Emotionen hier eine wacklige Angelegenheit sind; leider macht sie all das nicht unbedingt sympathisch oder tragisch, sondern hinterläßt vor allem ein Gefühl allgemeiner Kälte, daß dem Interesse am Film nicht eben zuträglich ist.

Was jetzt schlechter klingt, als es ist, denn handwerklich ist der wirklich gut gemacht, und die SchauspielerInnen sind mehr als überzeugend. Acolytes bleibt aber zu sehr auf Distanz zu seinen Figuren und seiner eigenen Story, der zudem nach einer Weile ein wenig die Puste ausgeht.

Sasori

Szenenbild Sasori

Eine nur allzu klassische weibliche Rachegeschichte, asiatisch-blutig und ausgetragen mit Schwert, Faust, Fuß und nur gelegentlich auch Schußwaffen. Die Heldin kehrt anscheinend unbeschadet von den Toten zurück, nachdem sie vorher im Gefängnis durch das Beschauen von Kämpfen zwischen ihren Mitinsassinnen die rechten Schwünge und Knüffe gelernt hat. Versteht sich von selbst, daß die Kämpfe in weitgehend unbekleidetem Zustand und auf schlammbedecktem Boden durchgeführt werden. Warum das so ist, weiß man allerdings nicht, und es spielt auch keine Rolle. Immerhin ist die Woman-on-Woman-Gewalt hier kompromißlos und frei von aller Dead-Or-Alive-Harmlosigkeit.

Dorothy Mills

Szenenbild Dorothy Mills

Schon wieder Naturbilder, dachte ich am Anfang; wie Acolytes beginnt auch Dorothy Mills mit ein paar ausgedehnten Totalen schöner Natur. Hier ist’s halt nicht die australische Provinz, hier ist der Schauplatz eine irische Insel, auf der Religiosität noch was bedeutet. Irgendwie weiß man schon, daß Religion und Wahnsinn im Film gemeinsam gerne in seltsame Richtungen wanken, aber dieser Film um eine junge Frau mit multipler Persönlichkeitsstörung versteht es vorzüglich, seine finsteren Absichten eine ganze Weile versteckt zu halten. Allein das Ende hätte vielleicht ein wenig weniger Schmalz verdient.

Doch sei’s drum: Carice van Houten (zuletzt gesehen in Paul Verhoevens Black Book) als Psychiaterin mit Vergangenheit und Jenn Murray als Dorothy Mills liefern hier eine überzeugende Leistung ab. Hardcore-Horrorfans werden hier gleichwohl ein wenig enttäuscht werden. Das Blut, das fließt, gehört vor allem geschlachteten Tieren.

The Midnight Meat Train

Szenenbild Midnight Meat Train

Am Ende dreht sich erst einmal alles im Kopf, so bröselig-blöde übersteuert scheint das Finale zu sein, oder vielleicht ist es die Szene kurz vorher, in der die Kamera viel zu schnell horizontal um einen fahrenden U-Bahn-Wagen kreist, in dem sich zwei Männer auf Leben und Tod mit Hammer und Klingen verdreschen… man weiß es nicht. Die Kamera hängt sich jedenfalls viel an die New Yorker Metro in diesem Film, klebt an den Waggons oder läßt sie vorbeirasen, immer knapp am Objektiv vorbei – aber das wird rasch redundant, und Herzklopfen will sich nicht so richtig einstellen.

Einmal wird’s richtig spannend, aber das ist ein gutes altes Vor-dem-Mörder-Versteckspiel, das mit Kamerafahrten durch die Kulissen effektiv Spannung erzeugt. Die Handlung ist dagegen viel weniger effektiv, reduziert oder auch nur stringent. (Beim Verfilmen einer Kurzgeschichte ist es zuweilen sinnvoll, sich an den Wortbestandteil “Kurz” zu erinnern.) Stattdessen mäandert sie ein bißchen durch die ach so verrottende Stadt (auch das so eine Behauptung, die der Film in seinen pittoresken Verfallsbildern nicht wirklich einlösen kann), während die Figuren verschiedentlich Dinge tun, deren Motivation sich auch im Nachhinein nicht recht erschließen mag.

(Und: meine Kritik von Eden Lake ist online.)

(Fotos: Fantasy Filmfest)

FFF 08: Opening Night und Tag 1

Abt. für Film

Wir sind die Versuchskaninchen. Das war in nuce die Ankündigung des Festivalteams zum Start des Fantasy Filmfests in Berlin: Denn am “ersten” Festivalort muß vieles noch erprobt werden, sind manche Filme noch nicht da (oder gar fertig – Lady Blood wird wohl nur als HD-Vorfassung zu sehen sein.

Aber egal. Die Auftaktvorstellung war voll, wenn auch mit nicht ganz so vielen schwarzgekleideten Menschen besetzt wie bei anderen Vorstellungen üblich. Das war dann erwartungsgemäß bei Repo! schon anders, während sich in die JCVD-Vorstellung ein paar FFF-unerfahrene Van-Damme-Fans verloren hatten, die dafür mit Applaus begrüßt wurden. Hier ist man offen für alles: Der beste Film aller Zeiten für Rainer Stefan, Leiter des FFF? Bambi.

Ich meinerseits habe es etwas ruhiger angehen lassen als geplant, man muß ja auch mal essen, schlafen, arbeiten und drüber schreiben – dafür stehen heute und morgen auch eine ganze Reihe von Filmen auf meinem Programm. Hier erste kurze Eindrücke, längere Texte folgen.

Eden Lake

Szenenbild Eden Lake

Eine sehr dichte Variation des Backwood-Slashers auf die reale britische Gegenwart, mit einer beeindruckenden (und beeindruckend schönen) Hauptdarstellerin, aber nicht weniger brillanten KinderdarstellerInnen. Ausführliche Besprechung schon ganz bald. ist da.

Repo! The Genetic Opera

Szenenbild Repo!

Leider kenne ich die Bühnenfassung dieses Splattermusicals nicht – das sollte man bei Gelegenheit nachholen. Der visuelle Stil liegt irgendwo zwischen Steampunk, Emo, S/M und Krankenschwesterporno, während die Musik von Bombastrock über Industrial bis Japanpop nicht weniger eklektisch durch die Gegenwartsmusik hechelt. Zwischendrin gibt’s Comiceinlagen, weil man das heutzutage so macht, aber Spaß macht es trotzdem. Ernstnehmen kann man dieses Jahr 2057 sowieso nicht, dafür hat Paris Hilton ihre beste Filmrolle ever. Und Gutelaunerock gibt’s auch:

JCVD

Szenenbild JCVD

Als Charakterdarsteller ist Jean-Claude Van Damme bisher nicht besonders aufgefallen, und seine besseren Filme (ja doch, Hard Target) hat er wahrscheinlich auch besseren Regisseuren (ja doch, John Woo) zu verdanken. Die BelgierInnen, seine Landsleute, mögen das anders sehen – das jedenfalls ist wiederholt Thema in dieser seltsamen Thrillerkomödie, die weder richtig spannend noch richtig lustig ist, aber dennoch nie langweilig oder ernst wird. Van Damme spielt sich hier selbst, wie er in einer belgischen Kleinstadt auf einmal mitten in einem Banküberfall steckt – das scheint ein Thema des FFF dieses Jahr zu sein, Helden des Genrekinos mit ihren Fans zu konfrontieren. Bei My Name is Bruce wird das wohl großer Trash, hier ist das eher ernsthaft gemacht, mit einem großen Theatermonolog für den alternden Star.

(Fotos: Fantasy Filmfest)

Final Destination 3

Abt. für Film

Der Vorspann demonstriert, was Schnitt, Kameraführung und Musik so leisten können: Aus einem Vergnügungspark machen sie im Handumdrehn einen äußerst gruseligen Ort. Zurecht, wie sich bald darauf zeigt, denn natürlich fliegt die Achterbahn aus ihren Schienen und zerlegt dabei ihre Insassen schön kameratauglich in häßliche Stücke.

Die Prämisse von Final Destination 3 (imdb) ist einfach – wen der Tod einmal ausgewählt hat, den holt er sich. Das war schon in den ersten beiden Filmen so (die ich bislang nicht kenne), das ist auch hier so: ein Mädchen hat eine Vorahnung, einige andere steigen wie sie aus der Bahn aus, und eine nach dem anderen lassen sie bald darauf durch freak accidents ihr Leben. Daß da eine Unwahrscheinlichkeit auf die andere gestapelt wird, macht in der Logik des Films nichts aus, da hier ja der Tod persönlich ans Werk geht, und entsprechend geht nicht nur blutig, sondern bildschirmtauglich viszeral: Blut spritzt, Gehirnstücke fliegen.

Natürlich muß man sich einen solchen Abzählreim aus der Abteilung Kreatives Töten nicht unbedingt ansehen; Final Destination 3 ist aber immerhin grundsolides Schreckenshandwerk. Daß das Ganze auch in der zweiten Fortsetzung noch zu funktionieren und zu gruseln scheint, liegt vor allem daran, daß hier eine Grundangst angesprochen wird: schon längst dem Tode geweiht zu sein, ohne es zu wissen, und je mehr man sich wehrt, umso schlimmer wird es.

Vor allem verläßt man das Kino aber mit einer gehörigen Portion Respekt vor scharfen Klingen, elektrischen Geräten und allem, was sich unerwartet von der Wand lösen kann; als Lehrvideo zur Vermeidung von Unfällen am Arbeitsplatz und im Haushalt wäre Final Destination 3 vielleicht nicht die schlechteste Wahl.

Auf dem Heimweg hatte ich auch immerzu das Gefühl, dem Tod immer wieder nur knapp entronnen zu sein; aber das ist wohl einfach Fahrradfahren in Berlin.

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