
Hier ist viel Einsamkeit: Die Figuren dieses Films stehen gerne alleine im Bild herum. Natürlich heißt das auch, daß sie einander entfremdet sind, das Emotionen hier eine wacklige Angelegenheit sind; leider macht sie all das nicht unbedingt sympathisch oder tragisch, sondern hinterläßt vor allem ein Gefühl allgemeiner Kälte, daß dem Interesse am Film nicht eben zuträglich ist.
Was jetzt schlechter klingt, als es ist, denn handwerklich ist der wirklich gut gemacht, und die SchauspielerInnen sind mehr als überzeugend. Acolytes bleibt aber zu sehr auf Distanz zu seinen Figuren und seiner eigenen Story, der zudem nach einer Weile ein wenig die Puste ausgeht.

Eine nur allzu klassische weibliche Rachegeschichte, asiatisch-blutig und ausgetragen mit Schwert, Faust, Fuß und nur gelegentlich auch Schußwaffen. Die Heldin kehrt anscheinend unbeschadet von den Toten zurück, nachdem sie vorher im Gefängnis durch das Beschauen von Kämpfen zwischen ihren Mitinsassinnen die rechten Schwünge und Knüffe gelernt hat. Versteht sich von selbst, daß die Kämpfe in weitgehend unbekleidetem Zustand und auf schlammbedecktem Boden durchgeführt werden. Warum das so ist, weiß man allerdings nicht, und es spielt auch keine Rolle. Immerhin ist die Woman-on-Woman-Gewalt hier kompromißlos und frei von aller Dead-Or-Alive-Harmlosigkeit.

Schon wieder Naturbilder, dachte ich am Anfang; wie Acolytes beginnt auch Dorothy Mills mit ein paar ausgedehnten Totalen schöner Natur. Hier ist’s halt nicht die australische Provinz, hier ist der Schauplatz eine irische Insel, auf der Religiosität noch was bedeutet. Irgendwie weiß man schon, daß Religion und Wahnsinn im Film gemeinsam gerne in seltsame Richtungen wanken, aber dieser Film um eine junge Frau mit multipler Persönlichkeitsstörung versteht es vorzüglich, seine finsteren Absichten eine ganze Weile versteckt zu halten. Allein das Ende hätte vielleicht ein wenig weniger Schmalz verdient.
Doch sei’s drum: Carice van Houten (zuletzt gesehen in Paul Verhoevens Black Book) als Psychiaterin mit Vergangenheit und Jenn Murray als Dorothy Mills liefern hier eine überzeugende Leistung ab. Hardcore-Horrorfans werden hier gleichwohl ein wenig enttäuscht werden. Das Blut, das fließt, gehört vor allem geschlachteten Tieren.

Am Ende dreht sich erst einmal alles im Kopf, so bröselig-blöde übersteuert scheint das Finale zu sein, oder vielleicht ist es die Szene kurz vorher, in der die Kamera viel zu schnell horizontal um einen fahrenden U-Bahn-Wagen kreist, in dem sich zwei Männer auf Leben und Tod mit Hammer und Klingen verdreschen… man weiß es nicht. Die Kamera hängt sich jedenfalls viel an die New Yorker Metro in diesem Film, klebt an den Waggons oder läßt sie vorbeirasen, immer knapp am Objektiv vorbei – aber das wird rasch redundant, und Herzklopfen will sich nicht so richtig einstellen.
Einmal wird’s richtig spannend, aber das ist ein gutes altes Vor-dem-Mörder-Versteckspiel, das mit Kamerafahrten durch die Kulissen effektiv Spannung erzeugt. Die Handlung ist dagegen viel weniger effektiv, reduziert oder auch nur stringent. (Beim Verfilmen einer Kurzgeschichte ist es zuweilen sinnvoll, sich an den Wortbestandteil “Kurz” zu erinnern.) Stattdessen mäandert sie ein bißchen durch die ach so verrottende Stadt (auch das so eine Behauptung, die der Film in seinen pittoresken Verfallsbildern nicht wirklich einlösen kann), während die Figuren verschiedentlich Dinge tun, deren Motivation sich auch im Nachhinein nicht recht erschließen mag.
(Und: meine Kritik von Eden Lake ist online.)
(Fotos: Fantasy Filmfest)