Kurzkritiken: Sie Leben!, Ticker

Abt. für Film

Sie Leben! – They Live!

“Life’s a bitch. And she’s back in heat.”

Großer Weltverschwörungs-Außerirdischen-Sozialkritik-Trash von John Carpenter, der erstaunlicherweise wirklich gut funktioniert. Der Hauptdarsteller ist ein Ex-Wrestler, der bis heute im B- und C-Segment beschäftigt ist. Sie Leben! macht ganz ungeniert und campy von der Vorgeschichte seines Darstellers Gebrauch. Nicht nur darf der Mann als Bauarbeiter mit bloßem Oberkörper Sand schippen und seine Muskeln präsentieren. Es gibt auch noch eine dramaturgisch weitgehend überflüssige Prügelszene, samt sehr alberner Wrestling-Moves. Die Szene, etwa eine Stunde nach Filmbeginn zu sehen, dauert ewige Minuten und wurde, den imdb-Trivia zufolge, von den beiden Darstellern selbst arrangiert. Carpenter ließ die Szene drin, was nicht unbedingt der größte existierende Beweis für seine ästhetische Treffsicherheit ist.

Für einen lauen Bierabend taugt der Film allemal, nicht zuletzt wegen mindestens zweier One-Liner des Protagonisten, die zwar überhaupt nicht zur Handlung passen, aber unbedingt zitierfähig sind. Sehr komisch ist im Übrigen auch, wie der Versuch grandios scheitert, den Protagonisten (der keinen Namen hat, deshalb hier immer diese Benennung) zugleich als bedächtig und als draufgängerisch-heldenhaft zu charaktisieren.

Und die Aliens sind hübsch anzusehen.

Ticker

Ich dachte wirklich einmal, Steven Seagal wäre nicht so schlecht wie sein Ruf. Aber dieses seltsame Stück Zelluloid aus dem Jahr 2001 bewies mir kürzlich versehentlich im Nachtprogramm das Gegenteil: Er hat präzise einen Gesichtsausdruck, mit dem er besorgt, entschlossen oder martialisch guckt. Um feststellen zu können, was im Einzelfall zutrifft, gibt’s ja glücklicherweise den Handlungskontext.

Bzw. eben nicht. Ticker ist ein Potpourri der schlecht gemachten Versatzstücke, der egalen Plotelemente und fiesen Logikbrüche. Was Dennis Hopper hier verloren hat, ist nicht ganz klar, außer natürlich: den fiesen Bombenbauer aus Speed aufs schwächlichste wieder aufzunehmen. Jaime Presslys Rolle ist hingegen viel klarer umrissen, sie darf abwechselnd ein bißchen zwielichtig und ziemlich unschuldig gucken und zwischendrin vor allem ihren Bauchnabel in die Kamera halten.

Das ist allemal besser als Seagals Gesichtsausdruck ertragen zu müssen, ist aber noch lange kein Grund, sich den Film anzusehen. Und andere gibt es auch nicht.

The Snake

Abt. für Film

Szenenbild - The Snake - Quelle: Universum Film

Das Problem vieler schwächerer Thriller ist ja, daß sie fulminant und vielversprechend beginnen und ihnen dann im Lauf des Films das Tempo, die Ideen und die Bilder ausgehen. Am Ende bleibt dann keine Spannung mehr übrig, sondern vor allem die Sehnsucht nach einem, irgendeinem Ende. Der französische Thriller The Snake (Kostenloser Servicehinweis für die Filmwirtschaft: Englische Verleihtitel für französische Filme haben eine leicht alberne Note) hat allenfalls das umgekehrte Problem: Er läuft eine lange Weile so gemächlich dahin, daß so mancher Zuschauer vielleicht gar nicht erst bis zum knalligen Ende dabeibleibt.

Zunächst einmal geschieht also zwar viel, aber wie das zusammenhängt und warum, das offenbart sich erst ab etwa der Hälfte des Films – bei unserer ersten Sichtung im französischen Original waren wir uns schon sehr unsicher, ob wir nicht etwa entscheidendes schlichtweg sprachlich verpaßt hatten. (Der Mangel an Untertiteln auf der DVD tat sein Teil zu unserer Unsicherheit dazu.)

Plender (Clovis Cornillac) erpreßt anscheinend gern ältere Herren, die sich auf erotische Abenteuer mit jungen Frauen einlassen – seine Gehilfin Sofia (Olga Kurylenko, die schon für Hitman (Kritik) nackt posierte und sich demnächst James Bond in die Arme werfen wird) lotst die Männer dazu in mit Kameras präparierte Wohnungen. Weiterlesen »

Kurzkritiken: Hostage, Anamorph

Abt. für Film

Hostage – Entführt (2005)

Seit wann eigentlich ist die Weißblende ein hinreichendes filmisches Mittel, um psychischen Schmerz darzustellen? Wann immer hier Bruce Willis wieder einmal mit Leid und seinem Trauma konfrontiert wird – bei einer Geiselnahme ging alles schief, und auch ein kleines Kind kam ums Leben – verdreht er die Augen, und das Bild verschwindet in einem Meer aus Weiß. Ist okay, dabei zeigt er in diesem Film gelegentlich durchaus, daß er durchaus in der Lage ist, Emotionen zu transportieren.

Das ist insofern egal, weil man sich hier nie für irgendjemanden interessiert – nicht für die Täter, nicht für die Opfer der natürlich kathartischen Doppelgeiselnahme, durch die Willis’ Figur hindurchwandern muß, um am Ende jedenfalls sicher nicht glücklicher als vorher zu sein. Für ein Willis-Vehikel ist der Film auffallend düster geraten, aber letzten Ende bleibt der Film vor allem: egal.

Anamorph – Die Kunst zu töten (2007)

Nach der Besprechung in der New York Times hatte ich wirklich ein bißchen Lust auf diesen Film und nahm es als gutes Omen, daß, zwei Tage nachdem ich nur gedacht hatte “Ich sollte um eine Rezensions-DVD bitten”, sie schon bei mir im Briefkasten lag – wohlgemerkt ohne Nachfragen meinerseits beim Verleih. Ich finde, daß mehr Produktionsfirmen ihre Bestellungen auf Gedankenübertragung umstellen sollten.

Mit gewissen Hoffnungen habe ich den Film also am Samstag jetzt gesehen, die sich sicherlich auch auf Willem Dafoe und die auf der Leinwand viel zu selten gesichtete Clea DuVall richteten – aber, ach, die Lust an einer detaillierten Kritik ist mir rasch vergangen. Zu sehr legte sich bleierne Langeweile über meine Augenlider. Es liegt nicht mal unbedingt an Dafoe und wohl auch nicht an DuVall, die vielleicht fünf Minuten Screentime hat.

Der Film, eine eigentlich nicht mal doof gedachte Serienmörderstory, zieht sich einfach unglaublich zäh dahin; viele Einstellungen sollen die Verlorenheit und Einsamkeit von Dafoes Figur deutlich machen, die man aber schon nach wenigen Szenen mit Dafoe kapiert hat – wofür engagiert man einen solchen Schauspieler, wenn man seinen Fähigkeiten dann nicht traut? Auch visuell ist das alles sehr ambitioniert und gar nicht einmal schlecht gemacht, aber davon hat man halt wenig, wenn einem die Augen zufallen.

Auch macht der Film letzten Endes nichts aus seinem Bösewicht, und auch nichts aus dem Grundthema, das Mord als ein Kunstwerk betrachten will – und irgendwie auch mit der Kunstgeschichte in Verbindung bringen will. Da sind wiederum die Ambitionen groß, dem Drehbuch fällt zu seinen eigenen Ideen dann aber nichts Gutes ein. Und so geht es dann auch zu Ende.

(ab 6. Juni im Verleih, ab 11. Juli im Verkauf)

(Direkttrailer)

DVD-Tipp: Der bayerische Patient

hitflip.de: Erdnußflips für alle, Freibier für die Investoren

Abt. für Kapitalismus 2.0 - Permanent Beta

NB: This is paid content. Dieser Eintrag entstand auf Vorschlag von hitflip.de, und ich erhalte von hitflip.de ein Honorar dafür. Auf den Inhalt hat das Unternehmen keinen Einfluß genommen oder bekommen.

Die Idee ist ja bestechend einfach: wer ein Buch nicht noch einmal lesen, wer eine DVD nicht noch einmal sehen will, hat sicher nichts dagegen, sie loszuwerden – und anstatt sie im lokalen Antiquariat oder bei eBay zu verkaufen, kann man sie ja eigentlich auch gegen andere eintauschen.

Da es sich im Freundeskreis so schlecht tauscht – hier verleiht man eher, oder die Leute kommen gleich zum Videoabend vorbei – bietet sich das Internet als Tauschbörse natürlich an, und hitflip.de (mit seinen Ablegern in Österreich und wohl demnächst in Großbritannien) hat sich dieses Problems angenommen, noch ein bißchen Community herumgebaut, und voilà: Fertig ist die Tauschbörse mit dem Look von Social Software. Hier kann man sich „Freunde“ zulegen, Rezensionen schreiben und lange Listen der eigenen DVDs anlegen, auch wenn man sie gar nicht tauschen will – und wer mag (und sich ein Pseudonym zulegt – soviel Datenschutz muß sein), der kann dies alles auch öffentlich einsehbar machen.

Auch sonst sind die Macher von hitflip gerne à la Web 2.0 unterwegs: Es gibt natürlich ein eigenes Weblog (auch eins für Großbritannien), im „Hitflip Merchant Blog“ darf ein Verkäufer aus der „Welt des Affiliate-Marketing, Partnerprogramme und Online Marketing“ erzählen – und das Memberblog gibt es auch noch, wenn auch zur Zeit mit Schluckauf. Mit Ajax wird ein wenig hantiert, und auch wenn’s mit dem standardkonformen XHTML noch ein wenig hapert, wenigstens kriegt man, kleiner Scherz am Rande, den Code ab und an auch mal zu sehen:

HTML-Code bei Hitflip

Und wie funktioniert hitflip nun? Und funktioniert es? Und sollen wir das gut finden? Je nun.

Zunächst mal lässt sich ja alles ganz gut an. Die Suche ist recht brauchbar, das Angebot im Katalog scheint üppig, und zum Start bekommt man auch noch Guthaben geschenkt. Man kann also loslegen, ohne selbst etwas ins System einzufüttern.

Wird ein Artikel (eine DVD oder ein Buch, eine CD oder ein Spiel) nachgefragt, die ich zum Tausch anbiete, bekomme ich eine Adresse mitgeteilt, an die ich den Artikel schicken soll. Die Versandkosten trage ich, und meinem Tauschkonto werden ein oder mehrere „Flips“ gutgeschrieben. Diese Flips sind die Währung in hitflip-Land, und ihre Zuordnung wirkt stellenweise ein wenig arbiträr – was wieviele Flips wert ist, ist anscheinend grob am Verkaufspreis bei amazon.de orientiert – ein Link dorthin ist übrigens jeder Artikeldarstellung beigefügt. Schließlich ist man mit dem Großhändler verbandelt, denn der füllt die Datenbank mit den Artikelinformationen. Das bringt sicher den einen oder anderen Zusatzpfennig.

Zusätzlich zu den Gebühren: denn bei jeder Transaktion werden für das „erwerbende“ Mitglied Gebühren von 99 Cent (bei Spielen z.T. auch 199 Cent) fällig. Will man Artikel tauschen, die keine Jugendfreigabe haben, muß man sich per PostIdent identifizieren, eine eidesstattliche Erklärung abgeben – und noch eine Gebühr von 15 Euro begleichen.

Anstatt sich Flips durch das Eintauschen von Artikeln zu erwerben, besteht übrigens auch die Möglichkeit, sie einzukaufen – ein Flip ist „schon“ für 5,99 Euro zu bekommen. Zurücktauschen lassen sich die Flips allerdings nicht. Da ließe sich ja auch für die User allzu leicht ein gutes Geschäft machen, denn manche der in den Listen auftauchenden DVDs gehen bei eBay für einen, vielleicht zwei Euro über die Standleitung. Ob die fast sechs Euro allerdings dem reellen Tauschwert der Waren entsprechen (der dann zum Einkaufspreis wird), sollte man sich im Einzelfall noch einmal genauer ansehen.

Wie es natürlich eh seltsam ist, wenn auch immerhin konsequent, daß hier getauscht wird nach einem Punktesystem, das man nicht recht beeinflussen kann:

Basis dafür, wie viele Flips ein Titel erhält, ist sein aktueller Marktpreis. Wir beziehen Neu- und Gebrauchtpreise für die Titel von verschiedenen Anbietern, darunter amazon.de. Auf diese haben wir keinen direkten Einfluss.

Man kann’s halt nehmen oder lassen. Wenn einem das, was man bekommt, nicht die Sachen wert ist, die man eingetauscht hat, muß man sich was passenderes suchen – und wenn es das nicht gibt, hat man halt Pech gehabt, hitflip hat aber trotzdem Gebühren kassiert.

Um das deutlich zu sagen: Natürlich ist es in Ordnung, daß hitflip Geld abwerfen soll – es ist schließlich ein Wirtschaftsunternehmen, und die Geldgeber (manche kennt man ja von anderen Projekten) wollen ihre Investitionen sicher gerne zurückhaben. Wieviel sie bekommen und wieviel Umsatz hitflip macht, erfährt man übrigens nicht, denn konkrete Zahlen rücken die Flipper (nicht umsonst gab man sich den Delphin als Signet, und, leidlich witzig das, bei Spreadshirt gibt’s für des überzeugten Fans Kind das Shirt mit dem Aufdruck „Kleiner Flipper“) natürlich nicht heraus. In der derzeit jüngsten Pressemitteilung von Mitte November ist nur zu lesen:

Zurzeit bieten Hitflip-Mitglieder ständig weit mehr als 125.000 unterschiedliche DVDs, über 20.000 unterschiedliche Hörbücher/Hörspiele, über 40.000 unterschiedliche Spiele, über 65.000 unterschiedliche Bücher sowie über 85.000 Musik-CDs zum Tausch an, Tendenz stark steigend.

Wieviel auch immer angeboten wird: Bei der derzeitigen flippigen Politik der flotten Delphine aus Köln sind zwangsläufig immer mehr Flips im Spiel als Produkte dafür eingetauscht wurden: JedeR Neuling bekommt einen Flip geschenkt, und kaufen kann man sie auch noch – da ist das Übergewicht an Nachfrage vorprogrammiert. Entsprechend sind auch lange nicht alle Artikel, die so aufgelistet werden, tatsächlich im Angebot, und bei populäreren DVDs sammelt sich schon mal gerne eine Schlange von 25 Leuten, die auch gerne mal… wenn denn mal was käme.

So hat von meinen zwei eingestellten DVDs eine sofort einen Abnehmer gefunden, eine wartet noch auf eineN AbnehmerIn. Dafür ist in zwei Wochen noch keiner der von mir gewünschten Artikel aufgetaucht bzw. ich bin noch nicht an den Anfang der jeweiligen Warteschlange gerutscht. Es heißt also warten, bis andere reagieren.

Im Grunde kann sich das System wahrscheinlich nur durch permanente Zufuhr von neuen Tauschenden am Leben erhalten, bis ab einer bestimmten Größe die Lücken vielleicht nicht mehr so deutlich auffallen, weil sie tendenziell weniger werden – der „long tail“ also gewissermaßen durch die Masse auch mitgefüttert wird. Irgendwas wäre dann immer dabei.

Im Moment ist das noch lange nicht so, und die Probleme sind augenfällig und öffentlich sichtbar. Bis dahin wird hitflip als Alternative zu P2P-Netzwerken ins Spiel gebracht und derweil fleißig um neue User geworben, mit dem Angebot der Freiflips das Grundproblem allerdings eher verstärkt.

Letztendlich produziert, ob das System zusammenbricht oder nicht, hitflip fortwährend Geldfluß. Im Großen wie im Kleinen; denn wer hitflip nicht über Bankeinzug Zugriff auf sein Konto lassen möchte, zahlt fünf, zehn, zwanzig oder fünfzig Euro im voraus – das liegt dann nicht nur auf dem hitflip-Konto herum, sondern wird auch erst nach sehr vielen Transaktionen à 99 Cent (nämlich 500: zum Gesamtpreis von 495 Euro) genau aufgebraucht sein. Vorher bleiben immer ein paar Cent liegen. (Die man, das sollte gesagt werden, bei Abmeldung zurückbekommt.)

Ich bin jedenfalls skeptisch: Unterhalb einer kritischen Masse, die noch lange nicht erreicht ist, deren Größe mir aber völlig schleierhaft ist, ist diese Tauschbörse ein nur sehr eingeschränkt brauchbares Modell, mit dem ich viele Bauchschmerzen habe: daß man keinen Einfluß auf den Tauschwert seiner eigenen Artikel hat, daß das Angebot der Nachfrage noch lange hinterherhinken wird, daß man den selbst eingetauschten Artikeln per Versandkosten noch Geld hinterherwirft und einiges mehr – und unter Umständen ist man, zählt man alle Gebühren und Kosten zusammen, womöglich mit etwas Glück und Geduld bei eBay oder booklooker noch besser dran.

Downloadschärfe

Abt. für Film, Kapitalismus 2.0 - Permanent Beta

Tobias Kniebe hat sich für die Süddeutsche Zeitung einmal an den Diensten versucht, die Filme zum Download in diversen Variationen anbieten. Der Praxistest verläuft auch teilweise entlang der Bildqualität:

[Nun] gehen wir auf’s Ganze und kaufen Bernd Eichingers amerikanisches Superhelden-Epos “Fantastic Four” in höchster Auflösung – der Film erhielt zwar miese Kritiken, aber zur Überprüfung der Bildschärfe taugt die mitwirkende Darstellerin Jessica Alba allemal.

Hm, wäre da statt Fantastic Four (amazon.de) nicht Into the Blue (amazon.de) noch ein bißchen schärfer gewesen? Aua, Herr Kniebe, aber sehr lustig.

(Die Filmdownloaddienste findet Herr Kniebe aber noch total unpraktisch und gegenüber der Feld-Wald-und-Wiesen-DVD aus der Videothek klar im Nachteil; da hat er wohl recht.)

Gut-Fühl-Film halt

Abt. für Film

Good-Feel-MovieEinschränkend muß man sagen: die DVD-Hüllen-Beschrifter von Kick It Like Beckham sind nicht die einzigen, die das mit den Feel-Good-Movies nicht so ganz präzise hinkriegen.

Suche

Werbung

Neue Trackbacks

Kapitalismus

Meine anderen Baustellen

Kapitalismus 2.0

Mousepad

Technicalities