NB: This is paid content. Dieser Eintrag entstand auf Vorschlag von hitflip.de, und ich erhalte von hitflip.de ein Honorar dafür. Auf den Inhalt hat das Unternehmen keinen Einfluß genommen oder bekommen.
Die Idee ist ja bestechend einfach: wer ein Buch nicht noch einmal lesen, wer eine DVD nicht noch einmal sehen will, hat sicher nichts dagegen, sie loszuwerden – und anstatt sie im lokalen Antiquariat oder bei eBay zu verkaufen, kann man sie ja eigentlich auch gegen andere eintauschen.
Da es sich im Freundeskreis so schlecht tauscht – hier verleiht man eher, oder die Leute kommen gleich zum Videoabend vorbei – bietet sich das Internet als Tauschbörse natürlich an, und hitflip.de (mit seinen Ablegern in Österreich und wohl demnächst in Großbritannien) hat sich dieses Problems angenommen, noch ein bißchen Community herumgebaut, und voilà: Fertig ist die Tauschbörse mit dem Look von Social Software. Hier kann man sich „Freunde“ zulegen, Rezensionen schreiben und lange Listen der eigenen DVDs anlegen, auch wenn man sie gar nicht tauschen will – und wer mag (und sich ein Pseudonym zulegt – soviel Datenschutz muß sein), der kann dies alles auch öffentlich einsehbar machen.
Auch sonst sind die Macher von hitflip gerne à la Web 2.0 unterwegs: Es gibt natürlich ein eigenes Weblog (auch eins für Großbritannien), im „Hitflip Merchant Blog“ darf ein Verkäufer aus der „Welt des Affiliate-Marketing, Partnerprogramme und Online Marketing“ erzählen – und das Memberblog gibt es auch noch, wenn auch zur Zeit mit Schluckauf. Mit Ajax wird ein wenig hantiert, und auch wenn’s mit dem standardkonformen XHTML noch ein wenig hapert, wenigstens kriegt man, kleiner Scherz am Rande, den Code ab und an auch mal zu sehen:

Und wie funktioniert hitflip nun? Und funktioniert es? Und sollen wir das gut finden? Je nun.
Zunächst mal lässt sich ja alles ganz gut an. Die Suche ist recht brauchbar, das Angebot im Katalog scheint üppig, und zum Start bekommt man auch noch Guthaben geschenkt. Man kann also loslegen, ohne selbst etwas ins System einzufüttern.
Wird ein Artikel (eine DVD oder ein Buch, eine CD oder ein Spiel) nachgefragt, die ich zum Tausch anbiete, bekomme ich eine Adresse mitgeteilt, an die ich den Artikel schicken soll. Die Versandkosten trage ich, und meinem Tauschkonto werden ein oder mehrere „Flips“ gutgeschrieben. Diese Flips sind die Währung in hitflip-Land, und ihre Zuordnung wirkt stellenweise ein wenig arbiträr – was wieviele Flips wert ist, ist anscheinend grob am Verkaufspreis bei amazon.de orientiert – ein Link dorthin ist übrigens jeder Artikeldarstellung beigefügt. Schließlich ist man mit dem Großhändler verbandelt, denn der füllt die Datenbank mit den Artikelinformationen. Das bringt sicher den einen oder anderen Zusatzpfennig.
Zusätzlich zu den Gebühren: denn bei jeder Transaktion werden für das „erwerbende“ Mitglied Gebühren von 99 Cent (bei Spielen z.T. auch 199 Cent) fällig. Will man Artikel tauschen, die keine Jugendfreigabe haben, muß man sich per PostIdent identifizieren, eine eidesstattliche Erklärung abgeben – und noch eine Gebühr von 15 Euro begleichen.
Anstatt sich Flips durch das Eintauschen von Artikeln zu erwerben, besteht übrigens auch die Möglichkeit, sie einzukaufen – ein Flip ist „schon“ für 5,99 Euro zu bekommen. Zurücktauschen lassen sich die Flips allerdings nicht. Da ließe sich ja auch für die User allzu leicht ein gutes Geschäft machen, denn manche der in den Listen auftauchenden DVDs gehen bei eBay für einen, vielleicht zwei Euro über die Standleitung. Ob die fast sechs Euro allerdings dem reellen Tauschwert der Waren entsprechen (der dann zum Einkaufspreis wird), sollte man sich im Einzelfall noch einmal genauer ansehen.
Wie es natürlich eh seltsam ist, wenn auch immerhin konsequent, daß hier getauscht wird nach einem Punktesystem, das man nicht recht beeinflussen kann:
Basis dafür, wie viele Flips ein Titel erhält, ist sein aktueller Marktpreis. Wir beziehen Neu- und Gebrauchtpreise für die Titel von verschiedenen Anbietern, darunter amazon.de. Auf diese haben wir keinen direkten Einfluss.
Man kann’s halt nehmen oder lassen. Wenn einem das, was man bekommt, nicht die Sachen wert ist, die man eingetauscht hat, muß man sich was passenderes suchen – und wenn es das nicht gibt, hat man halt Pech gehabt, hitflip hat aber trotzdem Gebühren kassiert.
Um das deutlich zu sagen: Natürlich ist es in Ordnung, daß hitflip Geld abwerfen soll – es ist schließlich ein Wirtschaftsunternehmen, und die Geldgeber (manche kennt man ja von anderen Projekten) wollen ihre Investitionen sicher gerne zurückhaben. Wieviel sie bekommen und wieviel Umsatz hitflip macht, erfährt man übrigens nicht, denn konkrete Zahlen rücken die Flipper (nicht umsonst gab man sich den Delphin als Signet, und, leidlich witzig das, bei Spreadshirt gibt’s für des überzeugten Fans Kind das Shirt mit dem Aufdruck „Kleiner Flipper“) natürlich nicht heraus. In der derzeit jüngsten Pressemitteilung von Mitte November ist nur zu lesen:
Zurzeit bieten Hitflip-Mitglieder ständig weit mehr als 125.000 unterschiedliche DVDs, über 20.000 unterschiedliche Hörbücher/Hörspiele, über 40.000 unterschiedliche Spiele, über 65.000 unterschiedliche Bücher sowie über 85.000 Musik-CDs zum Tausch an, Tendenz stark steigend.
Wieviel auch immer angeboten wird: Bei der derzeitigen flippigen Politik der flotten Delphine aus Köln sind zwangsläufig immer mehr Flips im Spiel als Produkte dafür eingetauscht wurden: JedeR Neuling bekommt einen Flip geschenkt, und kaufen kann man sie auch noch – da ist das Übergewicht an Nachfrage vorprogrammiert. Entsprechend sind auch lange nicht alle Artikel, die so aufgelistet werden, tatsächlich im Angebot, und bei populäreren DVDs sammelt sich schon mal gerne eine Schlange von 25 Leuten, die auch gerne mal… wenn denn mal was käme.
So hat von meinen zwei eingestellten DVDs eine sofort einen Abnehmer gefunden, eine wartet noch auf eineN AbnehmerIn. Dafür ist in zwei Wochen noch keiner der von mir gewünschten Artikel aufgetaucht bzw. ich bin noch nicht an den Anfang der jeweiligen Warteschlange gerutscht. Es heißt also warten, bis andere reagieren.
Im Grunde kann sich das System wahrscheinlich nur durch permanente Zufuhr von neuen Tauschenden am Leben erhalten, bis ab einer bestimmten Größe die Lücken vielleicht nicht mehr so deutlich auffallen, weil sie tendenziell weniger werden – der „long tail“ also gewissermaßen durch die Masse auch mitgefüttert wird. Irgendwas wäre dann immer dabei.
Im Moment ist das noch lange nicht so, und die Probleme sind augenfällig und öffentlich sichtbar. Bis dahin wird hitflip als Alternative zu P2P-Netzwerken ins Spiel gebracht und derweil fleißig um neue User geworben, mit dem Angebot der Freiflips das Grundproblem allerdings eher verstärkt.
Letztendlich produziert, ob das System zusammenbricht oder nicht, hitflip fortwährend Geldfluß. Im Großen wie im Kleinen; denn wer hitflip nicht über Bankeinzug Zugriff auf sein Konto lassen möchte, zahlt fünf, zehn, zwanzig oder fünfzig Euro im voraus – das liegt dann nicht nur auf dem hitflip-Konto herum, sondern wird auch erst nach sehr vielen Transaktionen à 99 Cent (nämlich 500: zum Gesamtpreis von 495 Euro) genau aufgebraucht sein. Vorher bleiben immer ein paar Cent liegen. (Die man, das sollte gesagt werden, bei Abmeldung zurückbekommt.)
Ich bin jedenfalls skeptisch: Unterhalb einer kritischen Masse, die noch lange nicht erreicht ist, deren Größe mir aber völlig schleierhaft ist, ist diese Tauschbörse ein nur sehr eingeschränkt brauchbares Modell, mit dem ich viele Bauchschmerzen habe: daß man keinen Einfluß auf den Tauschwert seiner eigenen Artikel hat, daß das Angebot der Nachfrage noch lange hinterherhinken wird, daß man den selbst eingetauschten Artikeln per Versandkosten noch Geld hinterherwirft und einiges mehr – und unter Umständen ist man, zählt man alle Gebühren und Kosten zusammen, womöglich mit etwas Glück und Geduld bei eBay oder booklooker noch besser dran.