
Das Problem vieler schwächerer Thriller ist ja, daß sie fulminant und vielversprechend beginnen und ihnen dann im Lauf des Films das Tempo, die Ideen und die Bilder ausgehen. Am Ende bleibt dann keine Spannung mehr übrig, sondern vor allem die Sehnsucht nach einem, irgendeinem Ende. Der französische Thriller The Snake (Kostenloser Servicehinweis für die Filmwirtschaft: Englische Verleihtitel für französische Filme haben eine leicht alberne Note) hat allenfalls das umgekehrte Problem: Er läuft eine lange Weile so gemächlich dahin, daß so mancher Zuschauer vielleicht gar nicht erst bis zum knalligen Ende dabeibleibt.
Zunächst einmal geschieht also zwar viel, aber wie das zusammenhängt und warum, das offenbart sich erst ab etwa der Hälfte des Films – bei unserer ersten Sichtung im französischen Original waren wir uns schon sehr unsicher, ob wir nicht etwa entscheidendes schlichtweg sprachlich verpaßt hatten. (Der Mangel an Untertiteln auf der DVD tat sein Teil zu unserer Unsicherheit dazu.)
Plender (Clovis Cornillac) erpreßt anscheinend gern ältere Herren, die sich auf erotische Abenteuer mit jungen Frauen einlassen – seine Gehilfin Sofia (Olga Kurylenko, die schon für Hitman (Kritik) nackt posierte und sich demnächst James Bond in die Arme werfen wird) lotst die Männer dazu in mit Kameras präparierte Wohnungen.

Sein nächstes Opfer ist dann der Modefotograf Vincent Mandel (Yvan Attal), dem er eine Vergewaltigung unterschiebt; da dieser sich gerade im Sorgerechtsstreit um seine zwei Kinder befindet, kommt ihm das sehr ungelegen. Was Plender allerdings von Vincent will, bleibt lange unklar – die beiden sind anscheinend Schulkameraden, aber die dahinter dräuende dunkle Vergangenheit wird nur langsam beleuchtet.
Langsam ist hier das Stichwort. Laaangsam. Bis The Snake einigermaßen in die Puschen kommt, ist lang und viel geredet worden, türmt sich ein Verwirrspiel aufs Nächste, bei dem man allerdings stets erheblich mehr Durchblick hat als die Hauptfigur Vincent, wodurch meine Reaktion dann schnell eher in Richtung Fremdschämen als in Richtung Spannung changierte.
An den Schauspielern liegt es dabei gar nicht mal; Attal ist verläßlich loserhaft-charmant, und Cornillac zwischendurch schön fies und böse, was ich ihm nach dem unsäglichen Asterix bei den olympischen Spielen (Kritik) gar nicht so recht mehr zutrauen wollte. (Und: Pierre Richard ist alt geworden. Was, wenn man mehr als eine Viertelsekunde lang darüber nachdenkt, keine Überraschung darstellt.)
Die zwei Stunden sind einfach zu lang für eine Geschichte, die letztlich doch eher geradlinig ist; da gibt es Abschweifungen, auf die man aus handlungsökonomischen Gründen durchaus hätte verzichten können. Die Nebenstory um Plenders einbalsamierte Mutter (Psycho läßt aus qualitativer Ferne grüßen) ist noch dazu nicht nur überflüssig, sondern auch hochgradig bizarr.
Eigentlich ist es im Übrigen auch ein Qualitätsmerkmal, daß der Film bis kurz vor Schluß auf Schußwaffen und großes Actiongedöns verzichtet; mehr Wumms, Spannung und Ideen hätten ihm gleichwohl gut getan.
(Auf DVD ab 29. September 2008 erhältlich.)
Fotos: Universum Film
