Wanted

Filmkritik mit Verlosung

Abt. für Film

Wanted - Szenenbild - Quelle: Universal

Was mich an Timur Bekmambetovs Wanted am meisten irritiert hat und mir im Gedächtnis geblieben ist, ist die ungebremst misanthrope Haltung, die der Film ausstrahlt und die wohl das Erbe ausmacht, das der Film aus seiner Vorlage noch mitgenommen hat.

Denn anders als der Film dreht sich die Wanted-Comicreihe von Mark Millar und J.G. Jones (Infos; wohlfeil in einem Band zu erwerben) keineswegs um eine Bruderschaft von Auftragskillern (Auftraggeber: der Webstuhl des Schicksals, the loom of fate, I kid you not); stattdessen wird der Loser Wesley von der schönen Fox nicht unbedingt freundlich darüber informiert, daß sein Vater Mitglied einer Gruppe richtig widerlicher Bastarde war – und er jetzt an seine Stelle rücken kann. Als solcher erwirbt er nicht nur eine Lizenz, sondern einen Freibrief zum Töten, und nutzt seine neu gewonnenen Möglichkeiten sofort, um alte Feinde aus Schulzeiten ebenso umzubringen wie Mädchen, bei denen er mal abgeblitzt ist. Was er “wirklich will”, so Fox, das solle er lernen, und manchmal sei das eben, jemanden umzubringen.

Der Comic ist die zynische Variante der Geschichte vom Loser, aus dem dann (Auftritt: schöne Frau) plötzlich doch noch etwas wird; eine Art Matrix ohne Computer und moralische Grenzen. Es geht dann noch ein bißchen weiter mit Superhelden und Superbösewichtern, aber das spielt für den Film schon lange keine Rolle mehr. (Und bestimmt ist es kein Zufall, daß das Stoffgewebe (des Schicksals!) seine eigene Matrix bildet, Wesley aber, der den Webschlitten im Flug stoppen kann, längst nicht mehr Teil dieses Gewebes ist, sondern von außen daraufblickt und es manipulieren kann. Aber ich schweife ab.)

Wanted - Szenenbild - Quelle: Universal

Bekmambetov und seine Drehbuchautoren haben sich außer der unterschwellig spürbaren Grundhaltung vom Comic nur noch ein paar Hauptfiguren genommen, einen Teil der Rahmenhandlung und die furiose allererste Szene, wenn auch in sexuell entschärfter Form, und daraus eine Geschichte vom gerechten Krieg gemacht. Denn die “Fraternity” tötet eben nur, wen der Webstuhl zum Opfer auserkiest. “Kill one, save a thousand”, wie es schon im Trailer heißt.

Im Comic ist von soviel vorgeblicher Menschenfreundlichkeit freilich keine Rede, sie beißt sich aber auch aufs Erheblichste mit der Vorstellung, Wesley finde nun mit dem Töten zu seiner wahren Bestimmung – wie den Toten der Tod bestimmt sei, um das Gleichgewicht der Kräfte auf der Welt nicht zu gefährden.

Die metaphysischen Fragen nach Schicksal und Freiheit bleiben, dies ist ein Hollywood-Action-Knaller, natürlich ungestellt, aber sie drängen doch immer wieder nach vorne: Ist das Ergeben ins Schicksal ein Zugewinn an Freiheit? Ist die Hinwendung zum Töten ein Akt der Selbstermächtigung? Denn das ist die Behauptung, die der Film bis in die allerletzte Szene aufrecht erhält – obgleich er vorher viel von dem, was er aufgebaut hat, wieder hübsch und nicht unbedingt vorhersehbar dekonstruiert.

Das Schöne daran ist letztlich, daß Wanted all das freilegt, was das Actionkino sonst nur im Verborgenen zelebriert – der Zynismus, der sich hinter Horden hingeschlachteter Nebenfiguren versteckt, wird hier offen und lustvoll ausgewalzt. Weder erfahren wir, warum bestimmte Menschen von der “Fraternity” umgebracht werden, noch gibt sich Wanted die Mühe, sie als besonders unsympathisch einzuführen.

Irgendwo verborgen dazwischen liegt – aber dafür bedürfte der Film noch einer genaueren Betrachtung – noch eine ganz andere Geschichte, in der es um eine Krise von Männlichkeitskonzepten geht (denn das ist Wesley am Anfang: ein Mann in der Krise, dessen Freundin in mit seinem besten Freund betrügt), um eine éducation brutale mittels pubertärer Allmachtsphantasien und einer Identitätssuche als Mordsgeschichte – und am Anfang steht natürlich eine schöne Frau (die einzige, scheint’s, die in den Männerkreis der “Fraternity” einbrechen konnte).

Ach, Angelina Jolie. Auf nahezu allen Postern und Werbemitteln hat man ihr photoshop-künstlich verlängerte Arme verpaßt; jetzt stehen die Motive wegen Gewaltverherrlichung am Pranger, obgleich sie eher als Warnung vor perversen Auswüchsen der Schönheitschirurgie geeignet wären. Den Film dominiert sie allerdings locker gegen den eher blassen James McAvoy. Wahrscheinlich kann ihr keine Frau in Hollywood an Sexappeal mehr das Wasser reichen, sobald sie eine Waffe in die Hand nimmt.

Wanted - Szenenbild - Quelle: Universal

Schauspielerische Leistungen sind in diesem Film allerdings ziemlich wurst. Selbst Morgan Freeman gibt seinen Sloan ohne Komplexität und Abgründe, aber darum geht es auch gar nicht. Mehr noch als in seinen zwei Wächter-Filmen – wohl nicht zuletzt dank eines entsprechenden Budgets – betreibt Bekmambetov hier reines kinetisches Kino. Es knallt und fliegt und fetzt und mehr, daß es nur so eine Freude ist. Und mindestens in dieser Hinsicht ist Wanted dann vielleicht doch “der beste Sommerblockbuster der Saison”.

Newsarama hat ein Interview mit Mark Millar zur Verfilmung seines Comics (Teil 1, Teil 2).

Und Traileraddict zeigt in voller Länge ein gutes Beispiel für Bekmambetovs wilde Inszenierung:

Vor der deutschen Fassung sei, nach kurzer Sichtung der Synchronisation in einigen kurzen Clips, im Übrigen gewarnt.

Verlosung

Armbänder - WantedT-Shirts habe ich leider keine mehr bekommen, aber dafür kann ich ganze zehn Armbänder zu Wanted verlosen, die aus einem einfachen Lederarmband nebst Anhängsel in Patronenform bestehen.

Um eines der Bändel zu gewinnen, bitte ein “Habenwill!” oder etwas ähnlich Eindeutiges in die Kommentare setzen. Verlost wird bis einschließlich kommenden Mittwoch, den 10. September 2008. Der Rechtsweg ist, wie jede andere Form der Beschwerde, ausgeschlossen. :-)

Fotos: Universal

19 Kommentare

  1. Mari*us

    Nach deiner Kritik warte ich auf die DVD und einen schwachen Moment in der Videothek. So ein Armband will ich aber trotzdem :)
    Viele Grüße,
    Marius

    4. September 2008, 13:22 Uhr

  2. lukas

    Ich habe jetzt auch mal angefangen, die Comics zu lesen (so weit bin ich allerdings noch nicht) und was mir neben dem, was Du ausführst, als weiterer Unterschied aufgefallen ist, ist, wie offen reaktionär und oft schlichtweg widerlich die Comics sind. Die Chefin zB ist in der Vorlage Afroamerikanerin, worauf die Figuren auch immer wieder verweisen: “I’m getting terrorized by my afro-american boss” etc. Wenn dann wenig später der erste Super-Villain stirbt, wird ebenso deutlich darauf verwiesen, dass er sich gerade mit ein paar Callboys vergnügt (und dass man das gefälligst als Zeichen von absoluter moralischer Verwahrlosung zu begreifen hat). Was der Film dann macht, ist, dass er sich im Gegensatz zur Vorlage wenigstens an die elementarsten Grundregeln der Political Correctness hält und zwar auch durchaus mal ein wenig sexistisch ist, aber dann doch nicht so offen, wie . Naja, ich muss natürlich noch weiterlesen, um zu schauen, ob das in der Richtung weitergeht…

    4. September 2008, 13:50 Uhr

  3. Micha

    *handheb* Wanted? Haben will! ;-)

    4. September 2008, 14:48 Uhr

  4. Bernhard

    “Habenwill!” oder etwas ähnlich Eindeutiges

    Jipppiejippiejippie lechts

    4. September 2008, 15:27 Uhr

  5. Rabiata

    Yo … will ich!!!
    Obwohl ich nu fürs Kino etwas abgschreckt bin ;-)

    4. September 2008, 15:57 Uhr

  6. Maqerguark

    *habenwill*

    4. September 2008, 20:51 Uhr

  7. Jaegerin

    Her damit ;-)

    5. September 2008, 11:27 Uhr

  8. Nina

    Patrone am Arm sei mein

    5. September 2008, 11:29 Uhr

  9. Tina

    Steh auf Patronen und Leder – meins , meins , meins

    5. September 2008, 14:10 Uhr

  10. Jennifer R.

    Im Notfall immer bereit sein :-)
    Most WANTED …. haben will

    8. September 2008, 16:13 Uhr

  11. Grammaton Cleric

    HABENWILL!

    8. September 2008, 19:46 Uhr

  12. le M.

    habenw…mist, zu spät! das hat man nun davon, dass man mal für ein paar tage weg ist. :-(

    11. September 2008, 13:55 Uhr

  13. Rochus

    @le M.: Welcome back!

    Nö, nicht zu spät. Habe von der Agentur jetzt (heute kam noch einmal ein Schwung, keine Ahnung warum) so viele Armbänder bekommen, daß ich alle TeilnehmerInnen mit mindestens zweien beglücken kann.

    Schickt her Eure Adressen!

    11. September 2008, 14:19 Uhr

  14. bilo

    cool möchte auch eine haben :)
    wo soll ich die adresse hinschicken?

    oder kannst du mich gleich in msn adden?dann klären wir das..

    coool^^ lol *freu*

    11. September 2008, 16:20 Uhr

  15. Rochus

    @bilo: Mal schauen, ob noch eins übrig ist.

    Ansonsten ist die Verlosung hiermit aber endgültig geschlossen. :-)

    12. September 2008, 12:26 Uhr

  16. Bernhard

    Meine Bänder sind heute samt Munition angekommen. Danke nochmal!
    muss jetzt nur noch gucken, wie ich die.. benutze.. also so armbandknoten technisch.
    Jemand vorschläge?

    24. September 2008, 11:37 Uhr

  17. Butt-kicking Babes » Wanted

    [...] Hier geht’s zum ganzen Text » [...]

    6. Februar 2009, 0:52 Uhr

  18. Butt-kicking Babes » 9 (2009)

    [...] Wächter der Nacht (meine Kritik), Wächter des Tages (meine Kritik) und zuletzt vor allem Wanted (meine Kritik) einen Namen gemacht [...]

    9. September 2009, 15:07 Uhr

  19. Super (2010) | Butt-kicking Babes

    [...] auf jeden Fall menschenfeindlichste Antwort fehlt in dieser Reihung, weil Bekmambetovs Wanted [meine Kritik] sich auf die in Millars Comicvorlage angelegte Superhelden-/Superbösewichte-Geschichte nicht [...]

    21. Dezember 2010, 12:48 Uhr

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Dieser Eintrag entstand am Donnerstag, 4. September 2008, um 13:03 Uhr.

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