Wir sind die Versuchskaninchen. Das war in nuce die Ankündigung des Festivalteams zum Start des Fantasy Filmfests in Berlin: Denn am “ersten” Festivalort muß vieles noch erprobt werden, sind manche Filme noch nicht da (oder gar fertig – Lady Blood wird wohl nur als HD-Vorfassung zu sehen sein.
Aber egal. Die Auftaktvorstellung war voll, wenn auch mit nicht ganz so vielen schwarzgekleideten Menschen besetzt wie bei anderen Vorstellungen üblich. Das war dann erwartungsgemäß bei Repo! schon anders, während sich in die JCVD-Vorstellung ein paar FFF-unerfahrene Van-Damme-Fans verloren hatten, die dafür mit Applaus begrüßt wurden. Hier ist man offen für alles: Der beste Film aller Zeiten für Rainer Stefan, Leiter des FFF? Bambi.
Ich meinerseits habe es etwas ruhiger angehen lassen als geplant, man muß ja auch mal essen, schlafen, arbeiten und drüber schreiben – dafür stehen heute und morgen auch eine ganze Reihe von Filmen auf meinem Programm. Hier erste kurze Eindrücke, längere Texte folgen.
Eden Lake

Eine sehr dichte Variation des Backwood-Slashers auf die reale britische Gegenwart, mit einer beeindruckenden (und beeindruckend schönen) Hauptdarstellerin, aber nicht weniger brillanten KinderdarstellerInnen. Ausführliche Besprechung schon ganz bald. ist da.
Repo! The Genetic Opera

Leider kenne ich die Bühnenfassung dieses Splattermusicals nicht – das sollte man bei Gelegenheit nachholen. Der visuelle Stil liegt irgendwo zwischen Steampunk, Emo, S/M und Krankenschwesterporno, während die Musik von Bombastrock über Industrial bis Japanpop nicht weniger eklektisch durch die Gegenwartsmusik hechelt. Zwischendrin gibt’s Comiceinlagen, weil man das heutzutage so macht, aber Spaß macht es trotzdem. Ernstnehmen kann man dieses Jahr 2057 sowieso nicht, dafür hat Paris Hilton ihre beste Filmrolle ever. Und Gutelaunerock gibt’s auch:
JCVD

Als Charakterdarsteller ist Jean-Claude Van Damme bisher nicht besonders aufgefallen, und seine besseren Filme (ja doch, Hard Target) hat er wahrscheinlich auch besseren Regisseuren (ja doch, John Woo) zu verdanken. Die BelgierInnen, seine Landsleute, mögen das anders sehen – das jedenfalls ist wiederholt Thema in dieser seltsamen Thrillerkomödie, die weder richtig spannend noch richtig lustig ist, aber dennoch nie langweilig oder ernst wird. Van Damme spielt sich hier selbst, wie er in einer belgischen Kleinstadt auf einmal mitten in einem Banküberfall steckt – das scheint ein Thema des FFF dieses Jahr zu sein, Helden des Genrekinos mit ihren Fans zu konfrontieren. Bei My Name is Bruce wird das wohl großer Trash, hier ist das eher ernsthaft gemacht, mit einem großen Theatermonolog für den alternden Star.
(Fotos: Fantasy Filmfest)
