The Dark Knight

 

The Dark Knight - Szenenfoto (c) Warner Bros.

(für den lieben M., dem ich den Abend, wenn nicht versaut, so doch zumindest zerrissen habe)

Im Grunde muß man über The Dark Knight nicht mehr viel schreiben und sagen, die Kritiken sind jetzt schon so zahlreich und so durchweg positiv, daß man nur bestätigen kann: Ja, ein richtig, richtig guter Film.

Und der beste Superheldenfilm seit Spider-Man, vor allem aber der bessere Spider-Man 3. Dort sollte die Spaltung in Gut und Böse sich ganz innerhalb der Person von Peter Parker und seinem eifersüchtigen, gewalttätigen Alter Ego abspielen. Das führte nicht nur zu einer ziemlich gedrängten Erzählung, in der auch noch zwei Spidey-Gegenspieler ab- und durchgenudelt werden mußten, es war auch insgesamt weniger überzeugend bis lächerlich. Das war umso bedauerlicher, als der erste Spider-Man gerade dort am besten war, wo er sich nur mit der inneren Spannung seiner Hauptperson beschäftigte.

In The Dark Knight sind Gut und Böse nun fein säuberlich getrennt, mit Batman hier und dem Joker dort – “You complete me” gurrt er einmal, und weiß genau, daß auch Batman nur durch ihn komplett ist. Das trifft den entscheidenden Punkt bestürzend genau: Ohne solche Bösewichter ist Batman eine völlig uninteressante Figur.

Sein Gerechtigkeitssinn, der sich in Batman Begins vor einer allerdings sonst ziemlich faden Geschichte entwickeln durfte, ist hier so vollständig und letztlich unangreifbar, daß seiner schwarzen Kevlarrüstung kein Schillern abzugewinnen ist. (Daß Christian Bale ihn so regungslos spielt und als Batman auch nur von Nasenunterkante bis Kinn zu sehen ist, macht es nicht besser.) Stattdessen sind es, wie ein amerikanischer Rezensent schrieb, die Szenen mit dem Joker, auf die man wartet. Und es sind diese Szenen, die hängen bleiben, weil sie nachdrücklich bestürzend und beängstigend sind.

The Dark Knight - Szenenfoto (c) Warner Bros.Heath Ledgers Joker ist einer der intensivsten, verstörendsten Bösewichter des Kinos. Während Batman immerzu zu einer “Legende” hochgeredet wird, die allein mit ihrem Fledermaus-Symbol Angst und Schrecken unter den Verbrechern hervorrufen soll, bleibt er die Umsetzung dieser Versprechen schuldig; der Film findet nur große Bilder für ihn, im freien Fall, mit donnerndem Batmobil und flatterndem Cape – aber das genügt nicht.

Sobald Ledger die Szene betritt, ist alles anders. Mit jeder Geste, jedem Zucken seines Gesichts und seiner Zunge, jedem Wort das er sagt, füllt er seine Figur mit jener Gier nach Vernichtung und Chaos aus, die ihm Story und Drehbuch in den Mund legen. Er ist nicht nur Bild und Image, wie Batman, sondern immer auch Sprache (und auch insofern ist es sehr bedauerlich, daß der Film in den Pressevorführungen nur in synchronisierter Fassung zu sehen ist – Ledger muß und will man wohl, wenn man den Szenen aus Previews und Trailern trauen darf, im Original sehen).

Er ist, mehr noch, mit seinen Worten und Taten ein Verführer zum Bösen hin, nicht nur weil er offensichtlich wesentlich mehr Spaß an der Sache hat als der immer ernste Batman. Er ist auch unabhängiger und freier als Batman, weil er keine Grenzen, keine Regeln, keine Allianzen kennt; Druck von außen bedeutet ihm nichts. Du hast so viel Kraft, lästert er einmal gegenüber Batman, und doch keine Möglichkeit, mich zu irgend etwas zu zwingen.

Er aber zwingt: Er stürzt, das ist sein Spiel, alle anderen fortwährend in moralische Dilemmata, aus denen es keinen “richtigen” Ausweg gibt, immer nur falsche. Es gibt keine Unschuld, heißt das: Wir können nur schuldig sein.

Die zwei unterschiedlichen Geschichten, die der Joker über die Herkunft seiner Narben erzählt – ob auch nur eine davon stimmt, wird nie geklärt, spielt aber auch keine Rolle – verweisen zudem darauf, daß es neben der “äußeren” Kriminalität, gegen die Batman vorgeht und die er bekämpfen kann, immer auch eine verborgene gibt, die sich direkt zwischen den Menschen, im Herzen der Gesellschaft, abspielt. Hier gibt es Bösartigkeit, Enttäuschungen und Verbrechen, gegen die Batman mit all seiner Kraft und all seiner Technik nicht angehen kann.

Ironischerweise, aber als zwingende Konsequenz seiner Konstruktion, demontiert der Film seine Hauptfigur so aufs Gründlichste. Denn Batman, das wird zwischen dem ganzen grandiosen Getöse dieses Filmes unmißverständlich klar, ist im Grunde eine völlig unterkomplexe Figur – er stammt, und diese Herkunft kann er nicht ablegen, aus einem Comic-Universum. Heath Ledgers Joker hingegen ist eine Figur aus unserer Welt; vor unseren eigenen Abgründen kann uns kein Superheld beschützen.

(Fotos: Warner Bros.)

5 Kommentare

  1. jener M.

    wow! (und das sage ich nicht nur wegen der widmung, für die ich mich allerdings herzlich bedanken möchte :o)

    29. Juli 2008, 11:53 Uhr

  2. _peekaboo

    vortrefflich beschrieben!

    29. Juli 2008, 14:44 Uhr

  3. Butt-kicking Babes » The Dark Knight

    [...] Hier geht’s zum ganzen Text » [...]

    6. Februar 2009, 0:52 Uhr

  4. gamblix

    stimmt! Heath Ledger hat hier ein Meisterwerk geliefert.
    Zum Glück hat man ihn auch gelassen.

    Dass man den Film im Original sehen sollte, sehe ich nicht so.
    Nicht umsonst hat Simon Jäger einen Preis bekommen für die Synchronisation des Jokers.
    Ich habe, weil ich den Joker so gut gespielt fand, auch das Original angehört.
    Außer dass der Ton im Original schlechter ist fand ich nichts was durch die Synchronisation
    den Charakter des Jokers irgendwie beinträchtigt hätte.

    14. Mai 2010, 18:04 Uhr

  5. Inception (2010) | Butt-kicking Babes

    [...] der neue Film von Christopher Nolan, der zuletzt den grandiosen The Dark Knight (meine Kritik) gemacht hatte, ist ein kaum weniger großartiger Abenteuerfilm, ein Heistmovie in Räumen mit [...]

    19. Juli 2010, 11:11 Uhr

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Dieser Eintrag entstand am Dienstag, 29. Juli 2008, um 11:38 Uhr.

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