Darf ein Filmverleih JournalistInnen knebeln?

 

Abt. für Film, Medien

Die Älteren unter uns werden sich erinnern: Die Pressevorführungen von Krieg der Welten, diesem gräßlichen Tom-Cruise-Vehikel, durfte nur besuchen, wer vorher unterschrieb, die Kritik nicht vor einem bestimmten Datum zu veröffentlichen. Anders ausgedrückt: Ein Maulkorb.

Natürlich ist das nicht ungewöhnlich, auch für Literaturrezensionen gibt es meist Sperrfristen der Verlage – soweit ich weiß, werden diese aber nie mit ausdrücklichen Strafandrohungen und trullala verbunden. Jetzt ist es mal wieder soweit: Die meisten Sex and the City-Reviews werden wohl erst in einer Woche am 28. Mai eintrudeln.

Und unabhängig von der Frage, ob solche Knebelverträge auch etwas über die Qualität der (nicht) zu besprechenden Filme aussagen (ich vermute: leider ja), würde ich gerne wissen:

Dürfen die das? Und könnte man wirklich belangt werden, wenn man die Freiheit der Presse in Anspruch nimmt und seinen Text vorher publiziert?

3 Kommentare

  1. Alex

    ich habe es vor kurzem in einem ähnlich gelagerten fall drauf ankommen lassen und es ist nichts passiert. aber grundsätzlich ist, laut auskunft eines juristen, den ich vorher befragte, eine solche unterschrift bindend. es stellt sich immer die frage ob die verlage/pressemenschen das risiko eingehen wollen, den jeweiligen fall durch eine klage noch aufzubauschen.

    22. Mai 2008, 23:47 Uhr

  2. [i:rrhoblog] » Schweigepflicht für JournalistInnen

    [...] Nun ist das einigermaßen bizarr; denn ich kann mir kaum vorstellen, daß Journaille-Horden permanent den Constantin’schen Firmensitz belagern, um möglichst rasch einen Blick aufs Zelluloid erhaschen zu können; dafür sind wir eigentlich für gewöhnlich zu beschäftigt. Stattdessen soll ja die Vorführung Publicity generieren, sonst braucht man sie nicht zu machen, und den JournalistInnen dann den Mund zu verbieten, ist, obwohl’s anscheinend legal ist, schon ziemlich frech. Mit Strafen im fünfstelligen Eurobereich zu drohen, ist ein Skandal. [...]

    12. August 2008, 15:27 Uhr

  3. [i:rrhoblog] » Sagen Sie jetzt nichts (jedenfalls nicht vor dem 18. Dezember)

    [...] Abt. für Medien, Film, Kapitalismus 2.0 – Permanent Beta Es ist Vorweihnachtszeit, und die Filmverleiher verschenken schon mal Sperrfristen. Zu mindestens drei Filmen ist auf der Einladung zur Pressevorführung derzeit notiert, daß man aber vor dem soundsovielten gefälligst nichts berichten dürfe. Hier sei schon mal die entsprechende Erklärung zur Unterschrift. Das hatten wir nun schon mehrfach in diesem Blog, und daß es nun u.a. auch einen Film trifft, der sowohl deutsche Geschichte als auch Tom Cruise enthält, mag schon zu denken geben. [...]

    30. November 2008, 18:00 Uhr

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Dieser Eintrag entstand am Donnerstag, 22. Mai 2008, um 15:23 Uhr.

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