Sagen wir es kurz und knapp: The Golden Compass ist ein kleines, ach was: großes Meisterwerk des Fantasykinos. Locker so gut wie Der Herr der Ringe, aber nicht ganz so monumental und pathetisch veranlagt, und mit den definitiv besseren Frauenrollen. Und natürlich sowieso um Längen besser als Eragon oder die Chroniken von Narnia.
Ich fand allerdings auch schon die Bücher, die His Dark Materials-Trilogie (der, dem Vernehmen nach, nun weitere Bücher folgen sollen) wesentlich interessanter und auch spannender, kurzweiliger als Tolkiens Opus magnum – insbesondere der erste Band, der jetzt verfilmt worden ist, hat es mir angetan.
Vor allem gelingt Philip Pullman in seinen Büchern etwas, daß Tolkien in dem Maße nie gelang: glaubwürdige, komplexe Charaktere zu erfinden, nicht nur Schachfiguren auf dem Brett einer großen Mythologie. Die Verfilmung von Chris Weitz (der auch das Drehbuch geschrieben hat) greift auch dies erfolgreich auf – und daß dieses Unterfangen gelingt, liegt auch an den großartigen SchauspielerInnen, allen voran Dakota Blue Richards als Lyra Belacqua (die eigentliche Hauptfigur) und Nicole Kidman als Marisa Coulter.
Natürlich geht in der Verfilmung dann doch einiges an Komplexität verloren, auch die Interaktion der Figuren ist reduziert auf die wichtigsten Handlungselemente. Dabei hätte es der Film durchaus vertragen, noch ein wenig über die fast zwei Stunden Laufzeit hinaus ausgedehnt zu werden.
Was vor allem leidet – und das ist der vielleicht größte Verlust des Films, liegt aber nicht an seiner Länge, sondern eher in der Marktlogik des (Mainstream-)Mediums Film begründet – ist die sehr explizite Religions- und vor allem Kirchenkritik, die Pullman in seinen Romanen betreibt. Seine Trilogie ist damit auch ein radikaler (und radikal humanistischer) Gegenentwurf zu den Chronicles of Narnia von C.S. Lewis, die vor allem in den späteren Bänden einem recht hemmungslos christlich-verbrämten Weltbild frönen, daß einem Angst und Bange werden kann. (In der Verfilmung ist das abgeschwächt, dafür hat die andere grundlegende Mängel.)
Man muß jetzt schon einigermaßen genau hinsehen, um im “Magisterium” des Films noch die ätzende Kirchenkritik Pullmans wiederzufinden – es wird aber weiterhin deutlich, daß es hier um eine Institution geht, die nicht nur die Handlungen der Menschen beeinflussen will, sondern auch in den Kopf, in ihr Denken eindringen – mit Zwang, nicht mit dem Umweg über echten Glauben, Nächstenliebe oder derlei störendes Unterholz. Das ist, wie gesagt, sehr viel holzschnittartiger als in den Büchern, aber immer noch sehr sehenswert.
Ein weiteres Manko des Films ist, daß hier schon in den ersten Sekunden erklärt wird, was dem Buch einen Gutteil seiner Spannung den ersten Band hindurch verleiht: Daß Lyras Welt unserer in so vielem ähnlich ist, daß erst nach und nach deutlich wird, wie sehr sie nur durch leichte (und immer stärkere) Verschiebungen von unserer ge- und verschieden ist. (Und das ist natürlich auch der Ansatzpunkt für Pullmans Religionskritik.)
Und natürlich freue ich mich immer über Bilder aus Oxford, auch wenn sie digital verhübscht wurden – was in Lyras Welt Oxford noch schöner macht, als ich es je erleben durfte. Der Trailer zum Nachgucken:
(Inzwischen gibt es auch noch einige Clips mehr zu sehen – via.)
