
(Von Seite 1 der heutigen Bild)
Viele unserer politischen oder kulturellen Vorstellungen und unser gesamtes Menschenbild haben ihre Wurzeln in der christlichen Glaubensbotschaft und letztlich in der Bibel.
(Kai Diekmann in einem Interview mit epd Medien)
Es ist schon bemerkenswert, mit welchem Maß an Realitätsverdrängung Kai Diekmann so durch den Tag gehen muß, wenn er solche Sätze sagen kann, ohne danach vor Lachem vom Ledersofa zu rutschen. Religion ist ein Super-Boulevardthema für ihn, und so findet sich direkt über dem oben gezeigten Bild ein Artikel, daß der Papst zur Missionierung von Einwanderern aufrufe.
Wir machen kein Minderheitenprogramm. Wir zielen auf ein breites Publikum und das ist in Deutschland eben christlich geprägt.
Paßt schon. So ist das halt mit dem Menschenbild: christlich geprägt, kommt alles aus der Bibel, da sind ja schließlich auch nackte Frauen drin, sex and crime, Kindermord und Folter. Können wir also auch machen, klar.
Und wir machen, auch, wieder mal, eine Bibel, diesmal ganz in Weiß, für und von wegen Benedikt.
Wir sind bei den Bibelverkäufen bei über 500.000 Stück, verdienen aber ganz bewusst nicht daran.
Na dann.
Natürlich ist also Kai Diekmann jemand, mit dem man als Mensch von Anstand und ethischen Grundsätzen nicht in einem Raum sitzen möchte und dem es deshalb hoch anzurechnen ist, daß er ein Privatauto besitzt und nutzt, um uns seine Anwesenheit in den öffentlichen Verkehrsmitteln zu ersparen. Danke dafür!
Daß nach dem Brandanschlag auf Kai Diekmanns Auto nun also immerzu betont wurde, daß es sich um seinen privaten Wagen gehandelt habe und keinen Dienstwagen (kein Luxusauto, sondern ein Familienkombi
, wie Diekmann mal so herumbehauptete – via), so geschah das nicht nur, um mehr Mitleid zu erzeugen, weil also Kinder niedlicher leiden, sondern auch, um zu zeigen, der Anschlag habe nicht Springer als Institution und Unternehmen gegolten, sondern eben Diekmann persönlich – und das ist nicht von der Hand zu weisen (auch wenn offensichtlich gezielt Diekmann als Person eben nicht angegriffen wurde, sondern nur sein Auto).
Was, neben so vielem anderen, ein Problem dieses Anschlags ist: daß er sich auf eine letztlich austauschbare Figur in einem großen Machtgefüge konzentrierte. Gegelt ja, schleimig ja, abstoßend ja, aber eben austauschbar. Den Konzern anzugreifen, die Bild-Zeitung zu zerschlagen, das ist erheblich komplizierter und langwieriger.
Irgendwelche Ideen jenseits von Enteignung?
