Landserrhetorik

 

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen

Unsere Leute wollen sehen, ob wir auch noch zusammenstehen, wenn uns der Wind einmal stark ins Gesicht weht.

Herr Schönbohm hat sich heute, so entnehme ich der Nachbarschaftspresse, darüber aufgeregt, daß Angela Merkel Günther Oettinger nahegelegt hatte, seine Äußerungen zurückzunehmen, die er anläßlich der Trauerfeier für Hans Filbinger ausgestoßen hatte.

Aber vielleicht anders herum: Oettinger hat sich jetzt von seinen eigenen Worten distanziert, nachdem er ein langes Wochenende lang herumlavierte und nicht widerrief, sondern sich dann für irgendwelche Dinge entschuldigte, die er gar nicht gesagt und die auch niemand verstanden hatte. Sich jetzt von dem mehrfach wiederholten, Filbinger nämlich sei ein “Gegner” der Nationalsozialisten gewesen, zu “distanzieren”, ist inhaltlich wie grammatisch Blödsinn, wie Thilo richtig schreibt.

Oettingers Distanznahme – drei Schritte zurück, und jetzt die Augen fest in eine andere Zukunft gerichtet – ist nichts als eine rhetorische Strategie, ein Versuch, die Debatte ab-, um- und wegzulenken davon, daß er sich ernsthaft dazu hinreißen ließ, Filbinger die Halo des Widerstands auf den Kopf zu setzen.

Wenn Oettinger es irgendwie ernst meint, dann muß er sich nicht distanzieren, sondern entschuldigen. Er muß erklären, wie er zu dieser doch sehr seltsamen Einschätzung gelangt ist, warum er sie aufrechterhalten hat und wie er jetzt gedenkt, sich zu seinen eigenen politischen Positionen zu verhalten.

Denn hier muß man doch suchen: Zu einer Oettinger’schen Äußerung kommt man nicht aus dem luftleeren Raum, sondern, Redenschreiber hin oder her, aus dem Kontext einer politischen (und hier zwingend auch geschichtlichen) Selbst- und Weltwahrnehmung. Da wüßten wir doch gerne etwas mehr vom obersten Regierungsvertreter eines deutschen Bundeslandes.

Nicht weniger als von Herrn Schönbohm. Für ihn, der natürlich in dieser Hinsicht weder unverdächtig noch unbelastet ist, ist Parteiräson wichtiger als demokratisches Denken. CDU marschiert gemeinsam, mag er sich denken, wir lassen keinen zurück. Nur sind wir nicht im Krieg, sondern in einem demokratischen Prozeß. Wenn Schönbohm gemeinsam mit Oettinger seine Ruhe vor Angela Merkel und diesen nervigen Nachfragen haben will, dann soll er sich doch den Ministerpräsidenten greifen und dahin gehen, wo eine ihm genehme Regierungsform installiert worden ist. Wir halten ihn sicher nicht auf.

2 Kommentare

  1. [i:rrhoblog] » Oettinger, Sie olles Schwabensäckel!

    [...] Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen, A Series Of YouTubes Wo ich gerade noch in anderen Dingen zu Extra3 recherchierte, stieß ich auf diesen wunderschönen Clip, in dem der Gröfaz persönlich Herrn Oettinger die Leviten liest: [...]

    18. April 2007, 20:26 Uhr

  2. [i:rrhoblog] » War Hitler wirklich Nationalsozialist?

    [...] Harald Martenstein schreibt böse Worte zum Fall Oettinger. (via) Themen: die zeithitlermartensteinnazisoettinger Verwandte Einträge Oettinger, Sie olles Schwabensäckel!LandserrhetorikSein oder Nichtsein (Mel Brooks Edition)Humor im Dritten ReichNazi-Gebühren [...]

    25. April 2007, 9:36 Uhr

Hinterlassen Sie einen Kommentar

XHTML: Folgende Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Wer wie was

Dies ist der Eintrag Landserrhetorik im [i:rrhoblog], dem Weblog von Rochus Wolff. (Mehr über mich und diese Website »)

Sie können einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrer eigenen Seite schicken.

Sie können den Antworten auf diesen Eintrag mittels eines eigenen RSS 2.0-Feeds folgen.

Dieser Eintrag entstand am Dienstag, 17. April 2007, um 23:58 Uhr.

Werbung

Neueste Einträge

Werbung