Ich bin doof. Weil, wegen Internet

 

Abt. für Internet & Blogdings, Medien

Henryk M. Broder macht sich heute im Berliner Tagesspiegel mal so richtig differenzierte Gedanken zur freien Meinungsäußerung im Internet.

Mit dem Recht, eine Meinung verbreiten zu können, verhält es sich so wie mit den meisten Rechten, die auf einer unausgesprochenen Vereinbarung beruhen: Wenn sie von allen wahrgenommen werden, schaffen sie sich selbst ab.

Ja. Das ist ja bekanntermaßen auch mit dem Wahlrecht so: Wenn alle wählen dürfen, das kann nicht funktionieren, das muß Diktatur geben. Dann doch am besten gleich eine (unter H.M.B., natürlich).

Der ansonsten so penible Herr Broder empfand es anscheinend nicht einmal als nötig, sein Vokabular durchzusehen (man meldet, schreibt er, eine “domaine” an, das WWW ist irgendwie mit dem Internet identisch, u.s.f.) und hält seine eigene Unfähigkeit, in der Kakophonie, in die sich die Meinungsfreiheit online angeblich auflöse, für Struktur und Schwerpunkte zu sorgen, für das Grundübel der Welt:

Das WWW ist auch maßgeblich für die Infantilisierung und Idiotisierung der Öffentlichkeit verantwortlich.

Herr Broder, da würden mir auch noch RTL, die Bild-Zeitung, der Spiegel und einige andere Medien als potentielle Kandidaten einfallen. Und ob die von ihnen so hochgehaltene Filter- und Auswahlfunktion der gewissermaßen “Organisierten Medien” (hat ja was von Organisierter Kriminalität) wirklich funktioniert, wage ich zu bezweifeln, erreichen mich doch immer gern und immer wieder so ahnungslos dahingerotzte Texte wie Ihrer, die dann als “Kommentar”, “Position” oder “Meinung” deklariert werden, weil sich eine Verankerung in konkreten Fakten leider nicht herstellen ließ.

Da sind mir doch ehrliche, unverfrorene Beschimpfungen in Weblogs wesentlich lieber, in denen sich niemand hinter dem Untergang des Abendlandes verschanzt.

8 Kommentare

  1. Sven

    Die Angst der Etablierten vor dem Verlust ihrer Privilegien. Könnt ja jeder kommen und eine Meinung haben, wosimmerdenn…

    9. Januar 2007, 14:19 Uhr

  2. Jürgen Siebert

    Großen Dank für den Hinweis auf den Broder-Kommentar und die Replik.

    9. Januar 2007, 14:40 Uhr

  3. Michael Hübner

    Daß ausgerechnet Broder sich beschwert, ist schon erstaunlich. Immerhin verdankt er dem Web seinen bislang größten kommerziellen Erfolg. Sein jüngstes Werk, “Hurra,…” hätte nie den Verkaufsrang, wenn Broder es nicht verstünde, mit fragwürdigen Mehoden Aufmerksamkeit zu erheischen. Seine Homepage legt davon beredtes Zeugnis ab.

    12. Januar 2007, 14:34 Uhr

  4. Tom Schaffer

    Ungeachtet dessen, dass ich Broder mal wieder nicht zustimme: “Ja. Das ist ja bekanntermaßen auch mit dem Wahlrecht so: Wenn alle wählen dürfen, das kann nicht funktionieren, das muß Diktatur geben” – diese Meinung gibt es tatsächlich. Wenn alle wählen gehen (nicht nur das Recht dazu haben, sondern es auch tun), sei das Ergebnis schlechter, als wenn es nur ein informierter kleiner Zirkel tut, so die graue Theore. Wollte ich nur anmerken.

    15. Januar 2007, 13:31 Uhr

  5. [i:rrhoblog] » Auszeichnung als Doofes-Internet-Journalist des Jahres

    [...] Abt. für Medien, Internet & Blogdings Herr Knüwer hat recht: Daß ausgerechnet, of all people, Henryk “Internet macht doof” M. Broder zum “Onlinejournalist des Jahres” gewählt wurde, das ist doch nur noch zum Lachen bzw. Heulen bzw. Kopfschütteln, wobei Vorsicht: der ist ja hohl. Themen: henryk m broderinternetjournalismusmedien Verwandte Einträge Ich bin doof. Weil, wegen InternetSeit wann beachten Journalisten die Grenze zum Voyeurismus?JustiztourismusAuf dem Weg zur WeltherrschaftRevisiting your Feindbilder [...]

    27. Januar 2007, 11:47 Uhr

  6. Genderblog » Mit Scharf

    [...] Mit Scharf Ich habe ja bereits kundgetan, daß ich Anne Will gut finde (und nicht nur ich) und daß ich Henryk M. Broder, so schön polemisch er gelegentlich ist, oft nicht so prickelnd finde, vor allem wenn er polemisch, aber völlig ahnungslos ist. Das könnte freilich an dieser Stelle völlig wurscht sein, hätte nicht Herr Broder Wills Nominierung als Christiansen-Nachfolgerin den Stuttgarter Nachrichten gegenüber mit den Worten kommentiert: Anne Will ist die schärfste Braut im deutschen Fernsehen. Ich würde mich von ihr adoptieren lassen. [...]

    6. Februar 2007, 17:29 Uhr

  7. SpiegelKritik » Blog Archive » Broder nicht mehr im Impressum

    [...] Henryk M. Broder steht derzeit nicht mehr im Impressum des Spiegel. Dort war der Autor, der vor allem seine beißenden Polemiken bekannt wurde, jedoch genauso auch hintergründige Reportagen schreibt, mehrmals und seit dem 24. April 2006 sogar durchgehend als “Reporter” aufgeführt worden. Seit Ende Januar fehlt nun im Impressum der Name Broders – vielleicht hat er ja jetzt dem gedruckten Journalismus den Rücken gekehrt und veröffentlicht in Zukunft nur noch online. Zwar hatte Broder noch im Januar im Tagesspiegel befunden, das Internet mache doof, doch kurz darauf hatte er einen Preis als Online-Journalist des Jahres entgegengenommen, was von einer ganzen Reihe von Blogs aufmerksam registriert wurde. Der Spiegel wollte auf Anfrage von spiegelkritik.de keine Stellung zu der Änderung im Impressum nehmen. Broder selbst teilte mit: “Haben Sie sonst nix, womit Sie sich die Zeit vertreiben können?” [...]

    15. Februar 2007, 15:30 Uhr

  8. TanjaK

    Broder setzt halt Maßstäbe -
    http://www.campodecriptana.de/blog/2006/12/13/631.html

    23. Februar 2007, 14:00 Uhr

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Dieser Eintrag entstand am Dienstag, 9. Januar 2007, um 10:12 Uhr.

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