Fangen an zu blühen: Seit einigen Jahren beschenkt das Deutsche Rote Kreuz die Prinzessin und mich zum Jahresende mit einer jeweils neuen CD mit Weihnachtsliedern, gesungen von bekannten Stars der Schmalzmusik (dieses Jahr sind es u.a. Bernd Clüver, Mary Roos und Andy Borg). Die CD firmiert unter dem Namen Herzen öffnen und soll wohl neben den Herzen auch die Geldbörsen dem Roten Kreuz öffnen.
Ziel der Aktion “Herzen öffnen” des Deutschen Roten Kreuzes ist es, den Gedanken des Helfens in Deutschland wieder populär zu machen.
Soweit, so legitim. Leider öffnet sich bei mir vor allem die Cardia ventriculi ob des gesampelten Angriffs auf die Geschmacks- und Hörnerven, der da aus den Lautsprechern quillt. Die Weihnachtslieder sind allerseichtest arrangiert, daß ihnen jede Schräge, jede Spitze, aber auch alles Jubilierende genommen ist. Nichts gegen das Rote Kreuz (schon eher gegen die “Agentur für Sozial-Marketing”, die die CD produziert hat), aber so feiert niemand die Ankunft des Retters (ob man daran nun glauben mag oder nicht, das ist der Anlaß für Weihnachten), da spielt Fahrstuhlmusik für von ihrer eigenen Betroffenheit betroffene Gutmenschen. Plingeling und sanftes Schwingen, weichgespült und glattgebürstet.
Nur eines stellte mir in den letzten Tagen die Nackenhaare fast noch mehr auf: eine CD-Box mit dem schönen Namen Family Christmas (so könnten sie alle heißen), die neben Weihnachtsmusik auch eine Karaoke-DVD enthielt. Nun heißt zwar inzwischen gerne mal etwas Karaoke, was poppig arrangiert und ohne Text gespielt wird, aber das ist doch eine wahrhaft romantische Vorstellung: Die ganze Familie vor dem Fernseher versammelt, während die dominante Kiste ihnen sagt, was wann zu singen ist.
Und damit entlasse ich Euch in eine hoffentlich frohe Weihnachtszeit.
