No-Go-Area Ostdeutschland

 

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen, Parallelgesellschaften

Altes Thema, neue Berichte:

Chima Onyele, 29, lebt als Musiker in Frankfurt, in Deutschland geboren.

Was Uwe-Karsten Heye da vor der WM angesprochen hat mit den »No-go-Areas«, das weiß ich schon seit zehn Jahren. Man geht einfach nicht nach Berlin-Marzahn und macht die Probe aufs Exempel. Man macht keine Zwischenstopps auf der ICE-Strecke nach Leipzig und man nimmt im Osten keinen Bummelzug.

Das SZ-Magazin hat ein paar Reporter nach Ostdeutschland geschickt, und diese haben einmal mit dort lebenden Menschen nicht-weißer Hautfarbe gesprochen.

Noah Sow, 32, Moderatorin und Sängerin, in Deutschland geboren.

Letztes Jahr bin ich mit dem ICE nach Potsdam gefahren: Da ist eine Horde Glatzen zu mir ins Abteil; sie haben den Vorhang zugezogen und mich belästigt – auf die Einzelheiten möchte ich lieber nicht eingehen. Zum Glück kam mir der Bundesgrenzschutz zu Hilfe. An der nächsten Haltestelle verließen die Bahnpolizisten aber für mich völlig überraschend den Zug. Ich flüchtete dann in ein Abteil mit zwei dunkelhäutigen Journalisten aus England. Es nützte nichts: Jetzt hatten die Glatzen freie Bahn für ihre Gewalttätigkeiten, Morddrohungen und sexuellen Belästigungen … Ich war danach monatelang arbeitsunfähig und in Therapie.

Die Berichte sind so gruselig, ich konnte das nicht in einem Rutsch durchlesen.

Lesen. Weitergeben.

(Lese ich eigentlich die falschen Blogs, oder warum schreibt da niemand drüber? Lest Ihr alle keine Zeitung mehr? Interessiert das nicht mehr, was sonst so passiert, außerhalb des eigenen Blogsafts und des eigenen kleinen Lebens?)

9 Kommentare

  1. heather

    I had to look–there really isn’t any response to this, is there? I did find one, and I’ll link to it since you’re moderating (maybe you’ll want to take it out): here.

    3. Oktober 2006, 16:22 Uhr

  2. vasili

    trackbacks funktionieren irgendwie nicht, daher manuell.

    3. Oktober 2006, 19:01 Uhr

  3. blogotronic » fremde sprache

    [...] fremde sprache wodurch dieses kennzeichen «nicht-intregriert» gemacht ist, muß bestimmt werden. in bestimmten fällen besteht es einfach aus einer sehr großen lautstärke des redens mit anderen in einer sehr fremden sprache. (haizara-x, via) [...]

    3. Oktober 2006, 19:28 Uhr

  4. Rochus

    Thanks, Heather. Leider kann man dort nicht kommentieren; aber der Eintrag macht mir doch leichte(?) Bauchschmerzen. Was ist denn “evident nicht-integriert”, was also Evidenz, was evident? Wo beginnt Integration? Doch sicher nicht – vasili weist ja darauf hin – in der “sehr großen Lautstärke des Redens mit anderen in einer sehr fremden Sprache”: da wird ja Fremdheit (und Nicht-Integration) durch Fremdheit (und womöglich Ignoranz) definiert.

    Ist denn der laut sprechende Amerikaner hier besser integriert, nur weil ich seine Sprache verstehe? Wohl kaum. Aber das ist billig.

    Es sollte politisch anerkannt sein, daß das Gefühl der Menschen, im eigenen Land — nein, nicht fremd zu sein, sondern keine öffentliche Identität von Sprache, Sitten und Gebräuchen mehr zu finden, zu Aggression und Fremdenfeindlich führt. Wahrscheinlich eine anthropologische Konstante. Solche gibt es, ob man will oder nicht.

    Das grundsätzliche Problem fängt also schon mit dem Begriff vom “eigenen Land” an, das man sich selbst hier zuspricht, den “anderen” aber nicht, die womöglich hier geboren sind. Was ist die “öffentliche Identität von Sprache, Sitten und Gebräuchen”?

    An diesem Wochenende sah ich hier in Berlin einen Mann mehrere Papierhandtücher auf dem Boden ausbreiten, um sich anschließend zum Gebet niederzulassen. Natürlich ist mir das fremd – im Sinne von: nicht meine Religion, Kultur, Tradition, what have you -, aber das sind mir inzwischen, mit Verlaub, viele christliche Bräuche auch, von Pfingstler-Gottesdiensten u.dgl. ganz zu schweigen.

    Und schließlich: Sich auf eine “anthropologische Konstante” zu berufen, ist nicht nur problematisch, weil man das erst einmal irgendwie unterfüttern müßte, sondern auch, weil man sich so sehr leicht aus einer sehr komplexen Affäre zieht. Das Argument, Fremdenfeindlichkeit sei irgendwie “natürlich” führt nur allzu leicht in die Ecke, dem “Eigenen” und den “Eigenen” (und das wird dann allzu leicht zu “Volk”) das “Eigene” (die “Heimat”) exklusiv zuzuordnen.

    Womit ich jetzt aber, das doch mal deutlich, Haizara-X nicht in die Ecke des Rassismus schieben will. Denn er(?) schreibt ja auch:

    Es ist auf keinen, aber auch auf gar keinen Fall zulässig, daß Landesteile zu No-go-areas für Andersfarbige oder Irgendwie-anders-seiende werden.

    4. Oktober 2006, 10:48 Uhr

  5. YAMB: Qualitätsbürgerjournalismus » Popstars: Jede Performance muss und wird 100 Prozent sein!

    [...] Und wenn ich schon wild in der Gegend rumlinkte, bitte ich doch bitteschön auch um Kenntnisnahme dieses Blogeintrags bei Rochus Wolff: „No-Go-Area Ostdeutschland“, nochmal Noah Sow, u.a. [...]

    5. Oktober 2006, 9:48 Uhr

  6. Simon

    Du liest vielleicht vielleicht die falschen Blogs ;-).

    , und ich auch.

    5. Oktober 2006, 12:21 Uhr

  7. Simon

    Da hat wohl ein Tag gefehlt:

    Rene hatte es:

    http://www.nerdcore.de/wp/2006/09/29/wenn-ich-sehe-dass-paar-nazis-entgegenkommen-mach-ich-einfach-extra-laut/

    und ich auch:

    http://blog.buchstaben-in-bewegung.de/index.php?/archives/202-To-No-Go-or-not-to-Go-No.html

    5. Oktober 2006, 12:22 Uhr

  8. kata

    Meistens höre ich etwas. Besonders nachdem ich allen sage, dass ich (als nicht-Deutsche) nach Leipzig will.
    Ich würde gerne tiefer ins Thema gehen.

    11. Dezember 2006, 17:05 Uhr

  9. Kostas

    Hallo zusammen,

    ich werde Leipzig nächsten Monat wegen einer Konferenz für 3 Tage besuchen. Ich will nur wissen, ob es in dieser Stadt no go areas für Ausländer gibt, und wo bescheid die sind.

    Die Konferenz ist in Stadtzentrum, am Seaside Park Hotel (ja klar, da gibts wahrscheinlich keine Gefahr), und ich werde an der Torgauerstr. übernachten. Gibts irgend eine Zeitgrenze, bis um wie viel Uhr ein Fremd in der Stadt sein kann, oder was den Stadtteil betrifft, wo ich übernachten werde, gibts irgendwas zu wissen?

    Verzeihen sie mich und meine naive Fragen, aber das ist doch mein erster Besuch in Ostdeutschland, und ich habe schon vieles gehört.

    Danke im Voraus

    Kostas.

    18. April 2007, 16:39 Uhr

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Dies ist der Eintrag No-Go-Area Ostdeutschland im [i:rrhoblog], dem Weblog von Rochus Wolff. (Mehr Ã¼ber mich und diese Website »)

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Dieser Eintrag entstand am Dienstag, 3. Oktober 2006, um 1:33 Uhr.

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