Archiv für April 2006

 

Post an Wagner

Abt. für Gender Trouble

Lieber Franz Josef Wagner,

Sie müssen jetzt sehr, sehr stark sein. Setzen Sie sich erst einmal. Wissen Sie, es gibt Dinge, die muß ein Mann, die muß auch eine Frau irgendwann einmal erfahren. Normalerweise wird das irgendwann im Kontext der Pubertät ein für allemal erledigt, der eine oder andere mag dann traumatisiert sein, naja, ein bißchen Schwund ist halt immer, Ihnen dagegen steht der Schock noch bevor.

Also: ruhig bleiben. Herr Wagner, auch wenn Sie selbst es nicht glauben mögen: Ihre Mutter, die Trümmerfrau ohne rotlackierte Fingernägel und Freizeit, ihre Mutter, die Löwin: sie hatte Sex. Wirklich.

Arger noch, womöglich nicht nur einmal, sondern mehrfach. Es mag gar sein, daß sie Freude daran hatte, das wollen wir nicht ausschließen.

Mindestens einmal aber, und mehr wissen wir wirklich nicht, und ohne Ihrer werten Frau Mutter zu nahe treten zu wollen, hatte Sie Sex. Das wollen wir trotz des Ergebnisses keineswegs bedauern; man freut sich ja an allem Leben in der Welt. Aber ich dachte, Sie sollten es wissen.

Herzlichst,
Ihr R. Wolff

P.S.: Um zu begreifen, daß der Schmonz Ihrer sog. Zeitung über den Familienbericht der Bundesregierung Unsinn ist, muß man ja gar nicht im Nachhinein im Bildblog lesen; es hätte auch genügt, wenn Sie mehr gemacht hätten als nur die Windeln Ihrer Tochter mit Liebe, wie Sie sagen, zu wechseln, sondern auch sonst ein bißchen Hausarbeit verrichtet hätten. Dann wüßten Sie womöglich, daß man mit Kindern nicht mit 2 Stunden und 18 Minuten am Tag für Hausarbeit und Kinderbetreuung hinkommt. Aber Sie bezeichnen sich ja selbst als Macho und sind wahrscheinlich auch stolz darauf, keine Ahnung von derlei Gedöns zu haben. Oder?

P.P.S.: Und wo Sie sich über Frau Simonis’ öffentliches Tanzen mit 63 mokieren: Wenn Sie mit 62 Kolumnen schreiben, dann wirkt das Ergebnis gelegentlich so, als habe man mit einem hirntoten Affen nach einer Schreibmaschine geworfen.

Am linken Rand nach rechts gefallen

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen

Das ist ja nun eher unschön: ein ehemaliges Mitglied des WASG-Bundesvorstands heuert als Berater bei der sächsischen Landtagsfraktion der NPD an und tritt auch gleich in die Partei ein. Berichten taz und tagesschau.de, die Leipziger Volkszeitung zitierend. Die WASG läßt derweil verlauten, es habe bereits im Vorfeld der letzten Bundestagswahl zwischen Andreas Wagner und allen anderen Vorstandsmitgliedern grundlegende Differenzen gegeben, die nicht geklärt worden seien, weil sich Andreas Wagner seither in medizinischer Behandlung befand.

Alles Gute übrigens zum Geburtstag, liebster Alt-68er!

Darwins Alptraum

Abt. für Dinge, die von fern wie Politik aussehen, Film

Ich habe bei anderer Gelegenheit schon einmal von Darwins Alptraum berichtet, einem grandiosen Dokumentarfilm, der ganz ohne erhobenen Zeigefinger durch seine Argumente überzeugt. Ich schrieb:

Na, ißt noch jemand Viktoriabarsch? Leider ja, und das ist nur einer der Gründe, warum dieser Film zum Bildungskanon gehören sollte. Er bewegt sich in langsamen Kreisbewegungen um die Folgen herum, die die Ansiedlung des Barsches im afrikanischen Viktoriasee hatte, und mehr und mehr wird er zum Lehrstück darüber, wie Kapitalismus und Globalisierung funktionieren.

Davon, ob ich mein Lob und Preis zurecht verteilte, kann und muß man sich heute abend selbst informieren, denn Darwins Alptraum läuft ab 20.40 Uhr bei arte.

Ach, Schweiz!

Am Samstag sei über der Schweiz, so das lokale Basler Kostenlos-Blättchen, das erste, and I quote, frühsommerliche Gewitter niedergegangen. Frühsommer, am 22. April. Und heute sollen es dreiundzwanzig Grad werden. Ach, Helvetia, du hast es besser.

(Sagt die Prinzessin eh immer: Die Schweiz, das gelobte Land!)

Übrigens:

Spaceballs im Land, da Gouda und Yoda gemeinsam reifen

“Das ist mein Copilot: Membert.”
“Membert?”
“Ja, halb Mensch, halb Camembert.”

Und mehr und besseres. Gefunden bei Herrn Scholz.

(Und wenn ich mich recht erinnere, gab es das Lichtmesser in der seltsamen Verfilmung von The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, wo es als tatsächlich sehr hübsche Idee das Schneiden von Toastbrot gleich mit dem Toasten verband. Das ist vermutlich die sinnvollste Anwendung, die jemals für eine Laserwaffe erdacht wurde.)

Filmkritik: persönlich, kurz, klar

Literaturvermittlung für das 21. Jahrhundert

Final Destination 3

Abt. für Film

Der Vorspann demonstriert, was Schnitt, Kameraführung und Musik so leisten können: Aus einem Vergnügungspark machen sie im Handumdrehn einen äußerst gruseligen Ort. Zurecht, wie sich bald darauf zeigt, denn natürlich fliegt die Achterbahn aus ihren Schienen und zerlegt dabei ihre Insassen schön kameratauglich in häßliche Stücke.

Die Prämisse von Final Destination 3 (imdb) ist einfach – wen der Tod einmal ausgewählt hat, den holt er sich. Das war schon in den ersten beiden Filmen so (die ich bislang nicht kenne), das ist auch hier so: ein Mädchen hat eine Vorahnung, einige andere steigen wie sie aus der Bahn aus, und eine nach dem anderen lassen sie bald darauf durch freak accidents ihr Leben. Daß da eine Unwahrscheinlichkeit auf die andere gestapelt wird, macht in der Logik des Films nichts aus, da hier ja der Tod persönlich ans Werk geht, und entsprechend geht nicht nur blutig, sondern bildschirmtauglich viszeral: Blut spritzt, Gehirnstücke fliegen.

Natürlich muß man sich einen solchen Abzählreim aus der Abteilung Kreatives Töten nicht unbedingt ansehen; Final Destination 3 ist aber immerhin grundsolides Schreckenshandwerk. Daß das Ganze auch in der zweiten Fortsetzung noch zu funktionieren und zu gruseln scheint, liegt vor allem daran, daß hier eine Grundangst angesprochen wird: schon längst dem Tode geweiht zu sein, ohne es zu wissen, und je mehr man sich wehrt, umso schlimmer wird es.

Vor allem verläßt man das Kino aber mit einer gehörigen Portion Respekt vor scharfen Klingen, elektrischen Geräten und allem, was sich unerwartet von der Wand lösen kann; als Lehrvideo zur Vermeidung von Unfällen am Arbeitsplatz und im Haushalt wäre Final Destination 3 vielleicht nicht die schlechteste Wahl.

Auf dem Heimweg hatte ich auch immerzu das Gefühl, dem Tod immer wieder nur knapp entronnen zu sein; aber das ist wohl einfach Fahrradfahren in Berlin.

Türen

Deutsch für Einbürgerungstests

Dermatologie + Ernährungswissenschaft = Nahrologie

(Dieser Einbürgerungstest wurde gesponsort von L’Oreal Deutschland. Schöner Aussehen für ein schöneres Deutschland.)

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Alles Gute!

Abt. für pralles Leben

flickr-Photo

für Annabell und ihre Liebste. (Hier ist der Kuchen.)

Dies ist eine virtuelle Hochzeitsparty. Glückwünsche z.B. hier hin. Oder hier.

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